Rekord-Hochwasser: Sibirien: Bomben gegen Eisschollen
zuletzt aktualisiert: 17.05.2001 - 16:43Moskau (rpo). Russische Kampfbomber in friedlicher Mission: Die Flieger des Typ U-24 flogen am Donnerstag einen ganz besonderen Angriff. Im Kampf gegen das Rekord- Hochwasser in Sibirien warfen sie 70 Bomben auf verkeilte Eisschollen, damit das im Fluss Lena gestaute Schmelzwasser abfließen konnte.
Doch das Eis gab nicht nach. Hilflos mussten die russischen Katastrophenhelfer zusehen, wie eine zweite gewaltige Flutwelle die Stadt Lensk überschwemmte und mehr als fünf Meter tief unter Wasser setzte. 17 000 Einwohner seien mit Hubschraubern aus dem Ort in der autonomen Republik Jakutien gerettet worden, teilte das Ministerium für Zivilschutz mit.
Die Überflutungen sind die schwersten seit etwa 100 Jahren im Osten Russlands. Noch am Mittwoch hatten Helfer wie Einwohner von Lensk aufgeatmet, weil Pioniere einen Rückstau von Eisschollen auf der Lena mit 45 Tonnen Sprengstoff aufgelöst hatten. Doch am Donnerstag verkeilten sich die Eisschollen erneut und widerstanden selbst den 250-Kilogramm-Bomben. Lensk war gefangen zwischen der Eisbarriere und einer Flutwelle vom Oberlauf der Lena, die den Pegel auf 19 Meter hoch trieb, 5,5 Meter über der Hochwassergrenze.
Insgesamt setzten die russischen Behörden 12 000 Mann zum Kampf gegen die Fluten ein, meldete die Agentur Itar-Tass. Entlang der Lena und anderen Flüssen standen etwa 5000 Häuser unter Wasser. Experten erklärten, bei den wochenlangen Minusgraden von 50 Grad in diesem Winter seien die Flüsse tiefer festgefroren. Das Eis taue jetzt langsamer auf. An der Grenze Sibiriens zu China hatten die russischen Behörden dagegen mit ausgedehnten Waldbränden zu kämpfen.
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