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Pfarrkirchen
Siebtes Todesopfer nach Flut in Bayern

Pfarrkirchen. Immer noch werden Menschen in den Unwettergebieten in Niederbayern vermisst. Am Niederrhein und im übrigen Nordrhein-Westfalen entspannte sich die Lage vorübergehend. Für die Nacht waren aber neue Gewitter vorhergesagt. Von Tobias Dupke und Klaus Nikolei

Nach der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern ist die Zahl der Toten auf sieben gestiegen. Ein Mann habe eine Herzattacke erlitten, sagte ein Sprecher des Landratsamts Rottal-Inn gestern. Der etwa 80-Jährige sei ins Krankenhaus gebracht worden, wo es eine Spezialstation für Herzerkrankungen gebe. Dort sei der Mann gestorben. In NRW entspannte sich die Lage vorübergehend. Ein Überblick:

Niederbayern In Simbach konnten Helfer ein vermisstes Ehepaar retten. Der 81 Jahre alte Mann und seine 77-jährige Frau seien aus einem weiter überfluteten Keller geholt worden. Laut Polizei sind beide unversehrt. Die Aufräumarbeiten liefen auf Hochtouren. Es werde aber Monate dauern, bis die Folgen der Flut beseitigt seien, hieß es. Mit Hochdruck arbeiteten die Behörden daran, die Trinkwasserversorgung wieder in Ordnung zu bringen. Zahlreiche Flutopfer im Landkreis Rottal-Inn holten am Vormittag im Landratsamt das sogenannte Sofortgeld von 1500 Euro ab. Der Polizei machten unter anderem Schaulustige zu schaffen. Sie behinderten die Arbeiten, sagte ein Polizeisprecher.

Nordrhein-Westfalen Die Menschen in Hamminkeln, vor allem im Ortsteil Ringenberg, konnten gestern aufatmen. Denn in der Nacht sank der Pegel der Issel, dessen völlig durchweichter Deich zu brechen drohte, deutlich. Das lag nicht nur daran, dass es in der Nacht keine weiteren Niederschläge gab, sondern weil mit Hilfe von Hochleistungspumpen das Wasser in den nahegelegenen Weikensee abgeleitet wurde. Der Pegel der Issel, die am Donnerstagmittag nach heftigen Regenfällen auf 2.10 Meter angestiegen war, lag gestern bei 90 Zentimeter. Normal sind 50 Zentimeter.

Zu Verwirrung hatten am Donnerstag unterschiedliche Meldungen über einen Dammbruch in Hamminkeln unweit des A 3-Parkplatzes Kranenkamp geführt: Während die Feuerwehr den Dammbruch bestätigte, dementierte der Krisenstab. "Wegen der großen Wassermassen, die am Donnerstagnachmittag über die beschädigte Deichkrone hinweg Richtung A 3 geflossen sind, mussten wir von einem Dammbruch ausgehen", sagte gestern Robert Graaf, erster Beigeordneter der Stadt Hamminkeln. Die Verwirrung setzte sich gestern Vormittag fort, als der Kreis den Bruch des Isseldeichs im Bereich Hamminkeln-Brünen/Schermbeck meldete. Das Loch im Deich werde von der Feuerwehr verfüllt, hieß es in der Meldung. Auch in diesem Fall war jedoch nur ein Stück der Deichkrone weggespült worden.

Rheinland-Pfalz In Mendig in der Eifel setzen sich an diesem Wochenende rund 80.000 Festivalfans bei Rock am Ring Wind und Wetter aus. Die Wetterlage sei "katastrophal", erklärte der Veranstalter. Auf dem ehemaligen Flugplatz in der Eifel spielen noch bis Sonntagabend mehr als 80 Bands, darunter die Red Hot Chili Peppers, Black Sabbath, Korn, Fettes Brot und The Bosshoss. Die Veranstalter, die Marek Lieberberg Konzertagentur, hat den Fans einige Verhaltensregeln nahegelegt: Zelte ausreichend sichern, unnötige Aufbauten vermeiden, Regenschutz nicht zu Hause vergessen. "Ein Meteorologe vor Ort im Tower überprüft ständig die Wetterverhältnisse", erklärt Festivalsprecherin Katharina Wenisch. Durch die Regenfälle ist Eifelboden aufgeweicht - dadurch können einige Parkflächen nicht benutzt werden. Auch die Situation auf den Zeltplätzen ist vor allem eins: matschig. Den Rockfans ist es egal.

Frankreich Die Hochwasser führende Seine ist gestern an mehreren Stellen in Paris über die Ufer getreten und hat Straßen überschwemmt. Das weltberühmte Louvre blieb geschlossen, Kuratoren brachten Kunstwerke aus der Sammlung des Museums vorsorglich aus den unteren Geschossen vor den Fluten in Sicherheit. Nach tagelangem Regen war die Seine auf ihrem höchsten Pegelstand seit fast 35 Jahren gestiegen. Zwei Menschen starben.

Schadenshöhe Allein Sturmtief "Elvira", das in der Nacht zum Montag vor allem Baden-Württemberg traf, wird die deutschen Versicherer nach eigener Schätzung voraussichtlich fast 450 Millionen Euro kosten. Das sagte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Kosten für das Tief "Friederike" mit den Schäden in Niederbayern und NRW sind darin nicht enthalten.

Aussichten Heute und morgen sollen sich in NRW laut Deutschem Wetterdienst die Gewitter eher südlich der Ruhr austoben. Die Unwettergebiete im Westen und Süden Deutschlands müssen mit weiteren Gewittern, Hagel und Starkregen rechnen. Generell seien "Ausmaß und Andauer des Unwettergeschehens absolut außergewöhnlich", schreiben Experten des DWD in einem gestern veröffentlichten Zwischenbericht. Nur alle 100 Jahre falle so viel Regen in so kurzer Zeit.

Quelle: RP
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