Todesopfer nach illegalen Landbesetzungen: Simbabwe am Rand der Anarchie
zuletzt aktualisiert: 16.04.2000 - 16:37Harare (AP). Simbabwe steht am Rand zur Anarchie: Der Streit um illegale Landbesetzungen ist am Wochenende eskaliert und hat erstmals Menschenleben gefordert. Wie die Vereinigung der Landbesitzer am Sonntag mitteilte, erschossen landlose schwarze Bauern einen weißen Farmbesitzer.
Die Polizei unternahm nach Augenzeugenberichten nichts, um David Stevens zu schützen, als er aus einer Wache entführt wurde, in der er Schutz gesucht hatte. Die größte Oppositionspartei berichtete unterdessen, zwei ihrer Mitglieder seien bei einem Brandanschlag in der Stadt Buhera getötet worden.
Die einstige Kolonialmacht Großbritannien verurteilte die Ermordung des Farmers scharf. Außenminister Robin Cook erklärte, die Gewalt "ist genau das, was wir als Folge des Zusammenbruchs des Rechtsstaats in Simbabwe befürchtet haben". Er forderte die Regierung in Harare auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und die Landbesetzungen zu beenden, bevor es noch mehr Tote gebe.
Präsident Robert Mugabe, der mit Blick auf die im Mai geplante Parlamentswahl die Farmbesetzungen als berechtigten Protest gegen überkommene Eigentumsverhältnisse aus der britischen Kolonialzeit unterstützt, rief seine Anhänger dazu auf, die besetzten Farmen zu verteidigen. Auch sollten sie sich gegen die von der Opposition ausgehende Gewalt zur Wehr setzen. "Tötet nicht, aber schlagt hart zurück", erklärte er. An die Adresse der Landbesitzer gerichtet sagte er: "Wir haben die weißen Farmer gewarnt. Wir können euch nicht schützen, wenn ihr die Kriegsveteranen provoziert. Ihr müsst die Konsequenzen akzeptieren."
Bericht von Überlebendem
Stevens Nachbarn berichteten, die Landbesetzer hätten Gebäude der Farm in Brand gesetzt. Offenbar handelte es sich um eine Vergeltungsaktion dafür, dass Stevens Arbeiter sie zuvor von dem Land vertrieben hatten. Am Samstag seien die Besetzer dann mit Verstärkung zurückgekehrt. Begleitet von fünf Nachbarn habe Stevens dann in der Polizeiwache von Murewa, rund 120 Kilometer östlich von Harare, Schutz gesucht. Dort seien die Weißen dann entführt worden, berichtete einer von ihnen, Steve Krynauw, der sich schließlich befreien konnte. Stevens wurde dem Bericht zufolge in den Busch verschleppt und dort erschossen, seine Leiche gefesselt und auf einen Lastwagen gelegt.
Krynauw berichtete weiter, die Farmer seien von den Entführern stundenlang mit Knüppeln und Eisenstangen verprügelt worden. In der Nacht konnten sich drei befreien und fliehen. Die übrigen beiden wurden am Sonntag mit Unterstützung der Polizei gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Auch sie waren schwer misshandelt worden. 80 Farmer und ihre Familien wurden aus dem Bezirk Macheke in Sicherheit gebracht. "Ich habe nicht geglaubt, dass die Situation explodieren würde", erklärte der Farmer Bobby Hall.
Seit Ende Februar haben landlose Bauern mehr als 900 Farmen von Weißen besetzt und die Besitzer gezwungen, Abtretungserklärungen zu unterschreiben. Der Führer des Kriegsveteranenverbandes, Chenjerai Hunzvi, rief am Wochenende auf einer Kundgebung in der Hauptstadt Harare zu weiteren Besetzungen auf. Die Polizei des südafrikanischen Landes kündigte Berufung gegen ein Urteil des Obersten Gerichtshofs vom Donnerstag an, das sie zur Räumung illegal besetzter Farmen verpflichtet.
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