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Braunschweig
So klappt es bei den Deutschen im Bett

Braunschweig: So klappt es bei den Deutschen im Bett
FOTO: Gianna Stadelmyer / Shutterstock.com
Braunschweig. Deutsche Männer haben im Leben im Schnitt doppelt so viele Sexpartner wie Frauen, drei Viertel aller Paare verzichten auf Verhütung mit Kondom. Eine Studie hat nun erstmals repräsentative Daten zum Sexualleben der Deutschen geliefert. Von Tom Nebe

Männer in Deutschland haben nach eigenen Angaben im Leben im Schnitt schon mit zehn Partnerinnen geschlafen, Frauen aber nur mit fünf. So lautet ein Ergebnis einer repräsentativen Studie zum Sexualverhalten in Deutschland, die im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht wurde. 2524 Menschen ab 14 Jahren wurden per Fragebogen befragt.

Auch wenn Männer sich wohl gerne als Verführer begreifen und Frauen als schwer zu erobern, so ist das 2:1-Verhältnis statistisch kaum zu erklären. Neu sind diese Unterschiede aber nicht: Solche Diskrepanzen hätte es in der Sexualforschung schon vorher gegeben, schreiben die Forscher um Autorin Julia Haversath von der Technischen Universität Braunschweig. Beteiligt waren auch Psychologen aus Hildesheim, Jena und Hannover. Die Unterschiede rühren wohl daher, dass die Befragten beim Beantworten der Fragen etwas schummelten. Dieser Meinung sind die Psychologen, drücken es aber wissenschaflicher aus. "Selbstwertdienliche Verzerrungen und geschlechtsspezifisches Antwortverhalten" könnten zu den verschiedenen Angaben beigetragen haben.

Arne Dekker vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der nicht an der Studie beteiligt war, hat eine ähnliche Erklärung: "Sie inszenieren damit auch ihre Geschlechterrollen", sagt er. Manche Männer glauben, es sei attraktiv und gesellschaftlich anerkannt, viele Sexpartner zu haben, bei Frauen sei oft das Gegenteil der Fall. Einer der statistischen Faktoren könnte sein, dass acht Prozent der befragten Männer schon zu Prostituierten gegangen sind. Diese Gruppe hatte im Mittel Verkehr mit vier Prostituierten. Die Forscher fragten zudem nicht, ob die Teilnehmer bereits Sex im Ausland gehabt haben.

Die Studie bietet über das sexuelle Selbstbild der im Schnitt 48,5 Jahre alten Befragten hinaus noch weitere Erkenntnisse. Die meisten Menschen - das überrascht kaum - haben Erfahrungen mit Vaginalverkehr gemacht: 88 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen. Oral befriedigt wurden schon 56 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen. Die große Mehrheit der Männer (86 Prozent) und Frauen (82 Prozent) gaben an, heterosexuell zu sein. Fünf Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen hatten bereits gleichgeschlechtliche Kontakte. Jeweils ein Prozent gab an, rein homosexuell zu sein. Einige machten keine Angaben oder sagten, keine dieser Kategorien träfe auf sie zu. Am sexuell aktivsten ist erwartungsgemäß die Gruppe der 25- bis 29-Jährigen. In diesem Alter haben Männer nach eigenen Angaben im Schnitt 60 Mal Vaginalverkehr pro Jahr, Frauen 47 Mal. Danach sinkt die Häufigkeit stetig: Männer im Alter von 50 bis 59 Jahre haben demnach 34 Mal pro Jahr solchen Sex, Frauen 22 Mal.

Und wie halten es die Menschen in Deutschland mit der Treue? Auch hier gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau: Eigenen Angaben nach ist rund jeder fünfte Mann (21 Prozent) in einer Partnerschaft schon einmal fremdgegangen. Bei den Frauen betrug der Anteil 15 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) hatte einen festen Partner. 76 Prozent verhüten in Beziehungen nie mit Kondomen. Jede zweite Frau (51 Prozent), die 50 Jahre oder jünger ist, nimmt die Pille oder ähnliche orale Verhütungsmittel. Fünf Prozent verzichten auf Verhütung, weil sie einen Kinderwunsch haben.

Die Befragung sei nach Angaben der Autoren notwendig, da in Deutschland bevölkerungsbasierte Daten zur Häufigkeit von verschiedenen sexuellen Verhaltensweisen fehlten. Die aber seien wichtig, "besonders in Bezug auf die Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen". Das sieht der Hamburger Forscher Dekker ähnlich. Er wertet die Studie als "kleine, verdienstvolle Ergänzung, die erstmals repräsentative Angaben zum Sexualleben der Gesamtbevölkerung macht".

Sorgen machte den Forschern eine kleine Gruppe (2,5 Prozent): Sie gaben an, während ihrer aktuellen Beziehung sexuelle Außenkontakte und generell schon ungeschützten Geschlechtsverkehr mit anderen Personen außerhalb der Partnerschaft gehabt zu haben sowie in ihrer Beziehung nicht immer Kondome zu nutzen. Für die Forscher gehören die Menschen zu einer "Hochrisikogruppe", weil sie einer höheren Gefahr ausgesetzt sind, an einer sexuell übertragbaren Infektion wie HIV oder Syphilis zu erkranken. Jene hatten außerdem dreimal so viele Sexpartner wie der Durchschnitt: Männer 38, Frauen 17.

(dpa)
 
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