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So wird 2018
Status-Symbole

So wird 2018: Status-Symbole
Für viele noch immer ein Statussymbol: Auto mit Stern. FOTO: Hersteller
Düsseldorf. Was nützt der schönste Erfolg, wenn ihn niemand außer einem selbst bemerkt? Viele Menschen wollen zeigen, was sie im Leben erreicht haben. Von Kirsten Bialdiga

Treffen sich zwei alte Schulfreunde in der Kneipe. "Nein, der Schober", ruft der eine. Und der andere: "Schröder!" Schon sitzen sie einander gegenüber. "Mein Haus, mein Auto, mein Boot", knallt der eine dem anderen die entsprechenden Fotos auf den Tisch. Und der frühere Kumpel kontert prompt: mit noch größerem Haus, Auto, Boot.

Dieser Werbespot stammt aus dem Jahr 1998. Aus einer Zeit, als die New-Economy-Blase noch nicht geplatzt war und ein gewisser gesellschaftlicher Konsens darüber herrschte, was ein Statussymbol ist. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Ob ein Statussymbol andere Menschen tatsächlich beeindruckt, ist ungewisser denn je. Zu unterschiedlich ist, was als erstrebenswert gilt – je nach politischer Orientierung, Bildungsstand, Alter und Geschlecht.

Selbst das Auto, einst unumstrittenes Symbol für Erfolg, hat diese Bedeutung teilweise eingebüßt. Nicht jede Luxuslimousine ruft heute noch Bewunderung hervor. SUV-Inhabern etwa kann es durchaus passieren, dass sie sich rechtfertigen müssen. In einigen europäischen Ländern wie in Norwegen stehen inzwischen auch viele typische Luxusmarken nicht mehr sehr hoch im Kurs. Dort gilt es als schick, ein amerikanisches Elektro-Auto oder zumindest einen Hybrid zu fahren. In Deutschland hat der Öko-Trend eine andere Ausprägung: Junge Leute in Städten brüsten sich gern mit Car-Sharing. Das kommt besonders gut an, wenn sie sich eigentlich ein eigenes Auto leisten könnten.

Statussymbole gab es schon zu einer Zeit, als die Menschen noch nicht lesen und schreiben konnten. Piktogramme machten deutlich, wo jemand hierarchisch anzusiedeln war. Nachfolger dieser Strichzeichnungen sind heute Marken-Logos.

Die spielen insbesondere bei elektronischen Geräten eine Rolle. Tablet-Computer, Smartphones etc. signalisieren vom Teenager-Alter an, wie jemand einzusortieren ist. Noch mehr zählt unter Jugendlichen aber die Beliebtheit in sozialen Netzwerken. Wer viele Follower hat, genießt hohes Ansehen. Wer noch dazu über viele internationale Kontakte verfügt, ist ziemlich weit vorn.

Übrigens sind auch weltgewandte, erfolgreiche Kinder in Elternkreisen ein Prestigeobjekt. Wer seinen Kindern eine teure Ausbildung finanzieren kann, demonstriert damit auch seinen gesellschaftlichen Status. Manchem ist das mehr als nur ein willkommener Nebeneffekt. Von diesem Phänomen profitieren die Elite-Unis weltweit.

Weil die Ansichten über Prestige-Objekte inzwischen so weit auseinandergehen, werden sie im Wirtschaftsleben wertloser. Ließ sich früher noch mit teureren Firmenwagen die Motivation steigern, steht heute eher Familienfreundlichkeit obenan. Zumal die Statussymbole den unangenehmen Nebeneffekt haben, dass sie unter Mitarbeitern Neid schüren können.

Die Sozialpsychologie weiß ohnehin seit Langem, dass intrinsische Motivation durch extrinsische Anreize wie zum Beispiel einen Firmenwagen leicht zerstört werden kann. Das sollte sich jeder Arbeitgeber gut überlegen: Nach einer US-Studie von Yoon Jik Cho und James Perry unter über 200.000 Beschäftigten ist die Motivation dreimal stärker an intrinsische als an extrinsische Antriebe gekoppelt.

Was aber kann jene motivieren, die sowieso keinen intrinsischen Antrieb haben? Vermutlich die Aussicht auf Statussymbole.

 
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