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Stadtfest "Essen Original"
Zugriff ohne Uniform

Essen. Zivilfahnder haben bei einem Stadtfest in Essen Übergriffe auf Frauen verhindert. Die Polizei bearbeitet noch zwei Fälle, beim Großteil der Anzeigen wurden keine Geschädigten gefunden. Unterdessen drohen Rocker den Tätern. Von Franziska Hein und Martina Stöcker

Bei der Polizei Essen gehen in diesen Tagen einige Dankesschreiben ein. Frauen loben deren Arbeit und berichten, dass Zivilfahnder sie im dichten Gedränge beim Stadtfest "Essen Original" vor sexuellen Übergriffen beschützt hätten. Kaum hätten sie gemerkt, dass ein Mann versucht, sie körperlich zu bedrängen, sei er schon von zwei Männern in Zivil weggebracht worden, berichtet ein Polizeisprecher.

Einiges konnten sie verhindern, aber nicht alles. Elf Anzeigen wurden gestellt. Nicht bei allen habe es sich um eine Straftat gehandelt, weil die vermeintlich Geschädigten sagten, es sei ihnen nichts passiert, sagt der Sprecher. In zwei Fällen werde wegen sexueller Belästigung und Nötigung ermittelt. Darunter auch in einem Fall, bei dem am Porscheplatz zwei junge Frauen von einer größeren Gruppe nordafrikanischer Männer eingekreist und bedrängt worden seien, sagte der Sprecher.

Wie viele Kollegen inkognito am Wochenende unterwegs waren, sagt die Polizei nicht - Zahlen der Einsatzkräfte werden selten konkret genannt. Einer von ihnen war Heiner S. Seit zwei Jahren leitet er eine Einsatzgruppe von Zivilfahndern der Essener Polizeiinspektion Mitte. Täglich ist er in der Innenstadt unterwegs und gibt in einem Gespräch mit unserer Redaktion Einblick in seinen Alltag. Verkleidet hat er sich aber noch nie, sagt er, das sei ein Mythos aus Krimiserien. Zu viel möchte der 52-Jährige nicht über sich und seine Einsätze verraten. Zu hoch ist das Risiko, dass Kriminelle seine Strategie durchschauen. Und so wie er Verdächtige auf einen Blick erkennen kann, ist es auch umgekehrt. "Wenn es immer die gleichen Täter sind, ist es natürlich so, dass die mich auch wiedererkennen."

Rund 150.000 Menschen feierten bei dem Stadtfest, die sexuellen Übergriffe haben viele verunsichert. Und diese Unsicherheit versuchen viele für sich zu nutzen: Die Ruhr City Gang der Bandidos-Rocker hat zum Beispiel auf ihrer Facebookseite angekündigt, sie werde nicht wegschauen, wenn Frauen belästigt werden. Die Gruppe könne Staatsmacht und Polizei nicht ersetzen - "wollen wir auch gar nicht", heißt es. An die Adresse der Täter, die Frauen belästigen, sagen sie: "Ganz bestimmt werden diese Personen unser Zusammentreffen in bleibender Erinnerung behalten." Die Polizei Essen hat die Ankündigung der Rocker "zur Kenntnis genommen", wie sie auf Anfrage erklärt. Auch ein anderer Rockerclub, die Brothers MC, schrieb in dem sozialen Netzwerk: "Wir werden Respektlosigkeit, Niedertracht und primitives Verhalten nicht dulden." Man wolle ein Zeichen setzen, jeder könne sich "den Spaziergängen", anschließen. So hatten sich nach den Ereignissen der Kölner Silvesternacht Mitglieder vor Supermärkten postiert, um Frauen vor zudringlichen Migranten zu schützen. Man verstehe sich nicht als "Schlägertrupp", aber man werde nicht wegschauen, wenn Frauen belästigt werden.

Bei einem Fest verstärken Zivilfahnder das Sicherheitsgefühl der Besucher natürlich nicht, denn sie sind anders als ihre Kollegen in Uniform nicht erkennbar. "Als Zivilfahnder sind wir vor allem unterwegs, um Straßenkriminalität zu bekämpfen: Drogenhandel, Straßenraub, Diebstahl", sagt Heiner S. Diese Arbeit sei immer wichtiger geworden, betont Wolfgang Beus, Sprecher im NRW-Innenministerium. Sie sind genauso mit einer Dienstwaffe ausgestattet wie Beamte in Uniform. Wenn sie zugreifen, müssen sie sich als Polizisten zu erkennen geben. "Ein Zivilfahnder muss flexibel und kreativ sein. Und er muss sensibel dafür sein, ob irgendetwas nicht stimmt", so beschreibt Heiner S. wichtige Eigenschaften. In seinem Arbeitsalltag sind Drogendelikte und Diebstähle am häufigsten. Heiner S. kann beruflich eine Gewohnheit nie ganz ablegen: Selbst wenn er privat in der Innenstadt unterwegs ist, hat er immer ein Auge auf seine Umgebung.

Quelle: RP
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