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Köln/Berlin
Sternsinger treten für mehr Respekt ein

Köln/Berlin. Zum Dreikönigstag haben wir eine Gruppe Sternsinger in Köln Junkersdorf begleitet. Dort flossen sogar Freudentränen. Von Lisa Kreuzmann

Ohne Schwester Andrea wäre das Sternsingen im Kölner Westen gestern wohl etwas chaotischer verlaufen. Sie führt das Zepter, die 71 Jungen und Mädchen halten den Sternenstab. Wer in Köln-Junkersdorf den Segen zum neuen Jahr empfangen möchte, trägt sich vorab in der Pfarrei St. Pankratius bei Schwester Andrea in eine Liste ein. Sie organisiert sorgfältig, welche Kindergruppe, welche Adresse ansteuern darf, so dass sich die Sternsinger nicht ins Gehege kommen.

Kaspar, Melchior und Balthasar sind zum Dreikönigstag am 6. Januar im Erzbistum Köln wie in allen insgesamt 27 katholischen Diözesen Deutschlands in kleinen Gruppen unterwegs, um Spenden zu sammeln. Für die Kinder ist es ein Spiel, ein kleiner "kindlicher Wettbewerb", sagt Wolfgang Fey, Pfarrer in St. Pankratius in Junkersdorf. Aber die Kleinen wüssten auch genau, wofür sie das Geld sammeln, sagt Fey - für Kinder, denen es schlechter geht. Die kleinen Könige sollen den Zug der Weisen aus dem Morgenland zur Krippe Jesu in Bethlehem nachstellen. Im Mittelalter wurden dabei noch Spenden für die eigene Tasche gesammelt. Erst 1959 hat das Kinderhilfswerk "Die Sternsinger" die Tradition wieder aufgegriffen und ihr ein neues Leitmotiv verpasst.

Im Kölner Westen, wo auch großzügige Villen das Stadtbild prägen, liegen die Spenden im fünfstelligen Bereich. "Weit mehr als 20.000 Euro kommen immer zusammen", sagt Pfarrer Wolfgang Fey. Bereits nach einem Tag singen, segnen, sammeln seien die Dosen der Kinder mit mehr als Tausend Euro gefüllt. "Das ist aber auch Junkersdorf", sagt der Pfarrer, "die zweitreichste Gegend Kölns." Und sehr katholisch sei es dort auch. Viele Menschen sehnen dort die Sternsinger herbei. Eine ältere Dame, Frau May, hat vier Tage auf den Segen gewartet und sich über die Sternsinger so sehr gefreut, dass ihr vor Glück und Rührung die Tränen kamen.

Den Segen der Sternsinger nahm auch die Bundeskanzlerin gestern zu ihrem ersten öffentlichen Termin im neuen Jahr entgegen. Das Motto "Respekt für Dich, für mich, für andere - in Bolivien und weltweit!" nutzte Angela Merkel, um in Zeiten, in denen immer mehr Fremde nach Deutschland kommen, Offenheit anzumahnen. Im Grundgesetz stehe, die Würde des Menschen sei unantastbar, sagte Merkel. Dies gelte aber nicht nur für die Deutschen oder jene, die in Deutschland lebten. "Sondern es gilt auch für die Menschen, die in Europa leben. Aber auch da endet es nicht. Sondern es gilt für alle Menschen."

Die Kanzlerin empfing 108 Sternsinger aus allen katholischen Diözesen, die stellvertretend für 300.000 Sternsinger der Regierungschefin den Segen überbrachten. Merkel gab den Mädchen und Jungen eine Barspende in Höhe von 200 Euro mit auf den Weg. Zusätzlich fließen 7500 Euro in das Projekt "Benachteiligte Kinder stärken" der Stiftung "Contexto", die sich in Bolivien um gefährdete Kinder kümmert.

Mehr als 948 Millionen Euro haben die kleinen Könige seit Ende der 1950er Jahre bereits für Projekte zu Gunsten bedürftiger Kinder weltweit gesammelt. Dieses Jahr geht das Geld der Sammelaktion vornehmlich nach Bolivien, das Papst Franziskus im Juli 2015 besuchte. Ein Papst, der sich ehrgeizig gegen Ausgrenzung und für ein interkulturelles Miteinander ausspricht.

Für das Dreikönigsteam Elisabeth (9), Emily (9), Laísa (7) und Nicholas (6) hat sich vor allem der Samstag gelohnt. Schwester Andrea hat ihnen zugeflüstert, am meisten Spendengelder gesammelt zu haben. Seit vier Tagen ist der Trupp mit Begleitung seiner Mütter unterwegs. Die 30-jährige Kölnerin Claudia Mohr fährt gerade mit dem Auto vor, als das Quartett mit wehenden Mänteln und Krönchen auf dem Kopf vor ihrer Haustür einläuft. "Wie schön, dass ich euch erwische", sagt Claudia Mohr. Sie sei als Kind selbst mitgelaufen und möchte, dass dieser Brauch beibehalten wird. Und der Segen helfe sicherlich auch.

Quelle: RP
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