Zahl der Toten unklar: Suche nach Erdbebenopfern geht weiter
zuletzt aktualisiert: 23.06.2002 - 18:46Teheran/Washingon/Berlin (rpo). Einen Tag nach dem schweren Erdbeben im Nordwesten des Irans wird mit mehreren hundert Toten gerechnet, die genaue Zahl ist aber noch unklar. US-Präsident George W. Bush hat den Opfern Hilfe angeboten. Auch Bundespräsident Johannes Rau sprach seine Anteilnahme aus.
Auch einen Tag nach dem schweren Erdbeben im Nordwesten Irans ist die genaue Zahl der Todesopfer noch nicht absehbar. Während Hilfsorganisationen von mindestens 500 Toten ausgingen, gab die Regierung die Zahl der Opfer zunächst mit etwa 150 an. Bei dem Beben der Stärke 6,3 auf der Richter-Skala waren am Samstagmorgen mindestens 10 Dörfer in den Provinzen Qazvin und Hamedan vollständig zerstört worden. Über 1500 Menschen wurden verletzt. Zehntausende wurden obdachlos und verbrachten die Nacht im Freien.
Wie die iranische Nachrichtenagentur IRNA in der Nacht zum Sonntag unter Berufung auf die Provinzregierung berichtete, hätten Rettungskräfte in zwei der zerstörten Dörfer rund 150 verschüttete "Körper" unter den Trümmern ausgemacht, zu denen man aber noch nicht habe vordringen können. Ob es Lebenszeichen von den Verschütteten gibt, blieb zunächst unklar.
Am Sonntag wollten die Vereinten Nationen eigene Teams ins Katastrophengebiet entsenden, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Wie am Samstagabend aus UN-Kreisen in Teheran verlautete, lag zunächst jedoch kein offizielles Hilfsersuchen der iranischen Regierung vor.
Hohe Zahl an noch unidentifizierten Toten
Die Angaben über die Todesopfer des Bebens gingen am Samstagabend noch weit auseinander. Während der iranische Rote Halbmond die Zahl der Toten mit mindestens 500 angab, sprach ein Vertreter des Innenministeriums später von "etwas mehr als 150 Opfern". Genauere Zahlen könnten aber erst später genannt werden, hieß es. Im Katastrophengebiet wurde vermutet, dass sich die Zahlen des Innenministeriums lediglich auf die Toten beziehen, die bereits identifiziert werden konnten. Deshalb müsse von einer weit höheren Opferzahl ausgegangen werden, hieß es.
Rund 5000 Häuser wurden durch das Beben zerstört oder schwer beschädigt. Die Krankenhäuser in den Provinzen Qazvin und Hamedan waren von Verletzten überfüllt. Dem Hauptbeben folgten im Tagesverlauf mindestens drei Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 5,2 auf der Richter-Skala, die die Menschen immer wieder in Panik versetzten und weitere Schäden verursachten.
Iran wird häufiger von Erdbeben erschüttert. Das wohl bislang schlimmste Beben ereignete sich vor fast genau 12 Jahren: Am 21. Juni 1990 kamen bei einem Beben der Stärke 7,7 im Nordwesten des Landes bis zu 50 000 Menschen ums Leben.
US-Präsident Bush bietet Hilfe an
US-Präsident George W. Bush hat den Opfern Hilfe angeboten. Die Berichte über das Beben hätten ihn betrübt, sagte Bush am Samstag in Washington. Im Namen des amerikanischen Volkes sprach er den betroffenen Familien sein Beileid aus. Menschliches Leid kenne keine politischen Grenzen. "Wir stehen bereit, das iranischen Volk zu unterstützen, wenn es gebraucht und gewünscht wird", sagte Bush. Die USA und Iran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.
Am Sonntag wollten die Vereinten Nationen eigene Teams ins Katastrophengebiet entsenden, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Wie am Samstagabend aus UN-Kreisen in Teheran verlautete, lag zunächst jedoch kein offizielles Hilfsersuchen der iranischen Regierung vor.
Auch Rau spricht seine Anteilnahme aus
Auch Bundespräsident Johannes Rau hat Iran nach dem schweren Erdbeben im Nordwesten des Landes seine Anteilnahme ausgesprochen. Iran könne in dieser schlimmen Lage auf die Hilfe Deutschlands zählen, schrieb Rau an Präsident Mohammad Chatami.
Papst Johannes Paul II. hat schnelle internationale Hilfe angemahnt. Er bete für die Opfer, deren Familien und alle, die leiden, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom. "Ich hoffe auf eine rasche und großzügige Antwort internationaler Solidarität angesichts dieser ernsten Situation", sagte der Papst, der auch der iranischen Regierung eine Beileidsbotschaft zukommen ließ.
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