Am Abend nach dem Anschlag ist das "J's" wieder geöffnet: Suche nach Täter und Motiv
zuletzt aktualisiert: 30.04.2000 - 14:37Hamburg (AP). Während zwei der Opfer noch mit dem Tode ringen, geht im "J's" das Leben schon weiter. Keine 24 Stunden nach dem Handgranaten-Anschlag in der Nacht zum Samstag hat die Prominentendisko im Hamburger Stadtteil St. Pauli wieder geöffnet. Die Blutspuren sind beseitigt, das zerstörte Mobiliar ist weggeräumt, fast nichts erinnert am Samstagabend im vierten Stock des umgebauten Luftschutzbunkers an die Explosion. Nur die Gesichter der Angestellten spiegeln noch das Entsetzen.
Bis zum Nachmittag haben Polizisten noch Fingerabdrücke von Gläsern genommen, die Reste der bei der Detonation zerfetzten Sitzecke eingesammelt und andere Spuren gesichert. Der Partygemeinde sitzt dann am Abend aber doch der Schock in den Gliedern - bis Mitternacht finden gerademal ein Dutzend Tanzwütige den Weg in den bordeaux-rot getünchten Szeneclub.
Neun Menschen im Alter von 18 bis 32 Jahren waren am Samstagmorgen kurz nach 03.00 Uhr bei der Explosion einer Splitterhandgranate jugoslawischer Bauart verletzt worden - ein 21-jähriger Hamburger und eine 23-Jährige aus dem schleswig-holsteinischen Neuendorf so schwer, dass sie auch am Sonntag noch in Lebensgefahr schwebten. Die Granate war in der Sitzecke einer abgeteilten Nische für besondere Gäste, einem so genannten VIP-Raum, versteckt gewesen. Kurz zuvor hatten noch die Schauspieler Til Schweiger, Heiner Lauterbach und Heinz Hoenig nebst Lauterbachs Freundin Jenny Elvers dort gefeiert, die Diskothek dann aber verlassen. Auch der Musikproduzent Dieter Bohlen war auf der Party, insgesamt vergnügten sich zum Zeitpunkt der Detonation nach Schätzung der Polizei 1.500 Gäste in der Diskothek.
Der Laden gilt als Treffpunkt der Reichen und Schönen. Eine Sprecherin der Frauenzeitschrift "Amica", die die so genannte Scene-Seen-Party zeitweise gesponsort hat, sagt, die Feiern im Bunker seien "die erfolgreichsten in ganz Hamburg gewesen".
Das Motiv für den Anschlag ist vorerst völlig unklar. Die Ermittler setzen die Zeugenbefragung am Sonntag fort, doch sie tappen weiter im Dunkeln. Eine heiße Spur haben sie nach Polizeiangaben nicht.
Vorwurf unzureichender Kontrollen zurückgewiesen
Die Diskothek versucht derweil fieberhaft, ihren Gästen wieder ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Den Vorwurf zu lascher Kontrollen weist die Sicherheitsfirma Iss Security vehement zurück. Bisher seien nur Handtaschenüberprüfungen und gelegentliches Abtasten üblich gewesen, sagt Firmensprecher Jimmy Jamal Abboud. "Man kann nicht sagen, dass das ein Fehler war." In den Club kämen 700 bis 800 Gäste jeden Abend. "Die Leute sollen herkommen, um ihren Spaß zu haben. Wir haben acht Türsteher, einen pro 100 Gäste - so viel wie sonst keine Disko hat", erläutert er.
Dennoch werden die Sicherheitsvorkehrungen Laut Abboud nun verschärft: "Am Eingang werden Besucher nun mit einem Metalldetektor abgetastet und einem Bodycheck unterzogen." Außerdem müssten Jacken nicht im vierten Stock in der Disko, sondern bereits am Eingang im Erdgeschoss abgegeben werden. Doch ob mit solchen Maßnahmen der Anschlag hätte verhindert werden können, bleibt fraglich.
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