Weltweit die höchste Rate an sexuellem Kindermissbrauch: Südafrika: Baby-Vergewaltigung schreckt Öffentlichkeit auf
zuletzt aktualisiert: 02.11.2001 - 07:45Kimberley (rpo). Südafrika ist aufgeschreckt durch ein entsetzliches Verbrechen, das sogar am Kap seinesgleichen sucht. Die Regierung musste nach der kollektiven Vergewaltigung eines neun Monate alten Babys die aktuelle Zahlen von Kindesmissbrauchs im Land auf den Tisch legen.
"Wir haben weltweit die höchste Rate an sexuellem Kindermissbrauch; die Regierung hat nicht annähernd genug getan, um Kindesmissbrauch und Vergewaltigung einzudämmen", schimpft die Südafrikanerin Nicole Barlow. Die Gründerin der Koalition für Kinderrechte ist zur Zeit in Südafrika oft zu hören.
Als seine Großmutter abends nach dem Kind schaute, lag es blutüberströmt im Zimmer. Stundenlang bemühten sich danach die Ärzte im Krankenhaus der früheren Bergbaustadt Kimberley, die schweren inneren Verletzungen des Kleinkinds zu versorgen. Organe und die Wirbelsäule waren verletzt, Notoperationen unumgänglich. Die Polizei nahm wenig später sechs Männer im Alter von 24 bis 66 Jahren unter dem Verdacht gemeinschaftlicher Vergewaltigung fest. Sie werden sich am 5. November vor Gericht verantworten müssen.
Hatte dieser Fall schon für Entsetzen gesorgt, so wurde es noch gesteigert, als weitere, ähnliche Fälle bekannt wurden. Die aktuellen Zahlen ließen auch in einem Land, das an eine hohe Kriminalitätsdichte gewöhnt ist, aufhorchen.
Demnach wurden allein in den ersten sechs Monaten des Jahres offiziell 10 242 Fälle von Kindesmissbrauch und versuchten sexuellen Übergriffen aktenkundig - die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Seit Januar vergangenen Jahres sind es 31 780 Fälle.
Jede Stunde werden in Südafrika statistisch fünf Kinder missbraucht, hatte 1998 der Nationale Rat für Kinderwohlfahrt herausgefunden, als er eine Zunahme dieser Fälle um 74 Prozent gegenüber 1994 bekannt gab. Seitdem hat die Zahl nach Schätzung des Rates noch einmal um 16 Prozent zugenommen. Südafrikas Öffentlichkeit entdeckt ungläubig, dass das Ausmaß der Gewalt im Lande immer noch brutalere Formen annimmt.
"Es sieht so aus, als ob Vergewaltigung und besonders gemeinschaftliche Vergewaltigung in dieser Gesellschaft zur Norm geworden sind. Die brutale und sadistische Vergewaltigung eines unschuldigen Babys zeigt den völligen Werteverfall der Gesellschaft", meint die Frauenbeauftragte der Nordkap-Provinz, Noella Visagie.
Der Kriminologe Anso Padayachee wertet dagegen die Vergewaltigung von Kindern als Spiegel dessen, was im Lande vor sich geht: "Alle Augen werden nun auf das Justizsystem gerichtet sein, um zu schauen, wie man mit diesen inakzeptablen Verbrechen umgeht". Eine andere Erklärung hat die Regionalpolitikerin Dipuo Peters. Sie sieht vor allem die grassierende Aids-Epidemie als Ursache. "Ich vermute, dass diese Kinder zumindest teilweise wegen des von HIV-infizierten Männern in ländlichen Gebieten aufrechterhaltenen Mythos vergewaltigt wurden, wonach sie sich selbst durch Sex mit einer Jungfrau reinigen können". Trotz aller Aufklärung seien manche Mythen extrem langlebig.
Schwacher Trost kam von Südafrikas stellvertretendem Präsidenten Jacob Zuma. Die Kriminalität im Lande sei "stabilisiert" und werde bis 2009 auf "akzeptablem internationalem Level" sein. "Was sollen verängstigte und niedergeschlagene Südafrikaner bis dahin tun?", fragte darauf bitter die Zeitung "Citizen". dpa rk xx op fk
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