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Auch in Deutschland sterben Menschen: Tod in der Kälte

zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 18:10

Düsseldorf (RPO). Seit Tagen zeigt die Kältewelle über Europa, wie gefährlich ihre Folgen sein können. In Osteuropa erfrieren im bitteren Frost hunderte Menschen. Und auch in Deutschland gibt es Tote. Meist sind es Altere und Obdachlose. Hat der Abkühlungsprozess erst einmal eingesetzt, kann der Körper sich für gerade einmal zehn bis 15 Minuten wehren.

Vor allem für Obdachlose kann der Dauerfrost gefährlich werden.  Foto: dpa, Felix Hörhager
Vor allem für Obdachlose kann der Dauerfrost gefährlich werden. Foto: dpa, Felix Hörhager

Früher, etwa in Kriegszeiten, war die Kälte einmal eine verbreitete Todesursache. Menschen erfroren, weil sie ihren Körper nicht warm halten konnten – zumeist weil sie sich nicht dagegen schützen konnten, etwa durch einen geschützten Raum oder Kleidung.

Die außerordentliche Kältewelle, die derzeit über Europa hinwegzieht, fordert nun erneut Opfer. Allein in Osteuropa starben bei den zweistelligen Minus-Temperaturen mehrere hundert Menschen. Nachdem der Frost schon eine Woche anhält, ist die Gesamtzahl mittlerweile auf über 300 gestiegen.

Und auch in Deutschland gibt es Tote.

Niedersachsen Im Landkreis Nienburg starb ein 75 Jahre alter Mann an Unterkühlung. Der Rentner war vergangenen Mittwoch von einem Spaziergänger auf einem Feldweg zwischen Husum und Brokeloh entdeckt worden. Er war nicht mehr ansprechbar und kam in ein Krankenhaus, wo er schließlich starb. Der Mann lebte laut Polizei seit einiger Zeit in seinem Auto. Zuvor war er aus einem baufälligen Haus in Landesbergen vertrieben worden.

Brandenburg Ein weiteren Kältetoten gab es vermutlich im Landkreis Teltow-Fläming. In einem baufälligen, unbeheizten Haus in Zossen wurde am Montag ein lebloser 68-Jähriger entdeckt. Eine Obduktion soll die genaue Todesursache klären.

Berlin Von einem weiteren Kälteopfer berichtet die Berliner Zeitung. Die Mitarbeiter eines Pflegeheims in Zehlendorf fanden die 86-Jährige am Montagmorgen im Garten. Schon um zwei Uhr morgens war ihr Verschwinden aufgefallen. Die gemeinsame Suche mit der herbeigerufenen Polizei blieb erfolglos. Erst gegen halb acht morgens fand eine Mitarbeiterin die Frau. Die Polizei ermittelt.

Es sind nur drei Beispiele für den Tod durch Kälte. Vor allem Obdachlose sind dringend auf Hilfe angewiesen. Wer sich und seinen Körper nicht ausreichend gegen die Minus-Temperaturen schützen kann, läuft Gefahr sich eine lebensgefährliche Unterkühlung zuzuziehen.

Was macht die Kälte mit dem Körper?

Die menschlichen Organe benötigen eine konstante Temperatur, um funktionieren zu können. Der Körper stellt sich dabei entsprechend auf die Außentemperatur ein. Bei Bedarf reguliert er nach. Bei Wärme schwitzt er, bei Kälte verengen sich zunächst die Gefäße, der Körper beginnt zu zittern.

Bei so klirrender Kälte wie in diesen Tagen ist der Körper einer extremen Belastung ausgesetzt. Ist der Organismus ohnehin schon angeschlagen und nicht mehr voll leistungsfähig, drohen Erfrierungen umso mehr. Das geschieht, sobald sich die peripheren Gefäße etwa an Finger und Zehen so verengt haben, dass die Versorgung des Gewebes nicht mehr gewährleistet ist. Erfrierungen sind die Folge.

Entscheidend ist das Körperinnere

Lebensbedrohlich aber wird es, wenn sich die Kälte auch ins Innere des Körpers schleicht. Experten sprechen im Hinblick auf den Körper von einer „Kerntemperatur.“ Ohne ausreichenden Schutz schafft es der Körper bei solch extrem Temperaturen durch das Verengen der Gefäße angeblich nicht länger als zehn bis 15 Minuten, das Innere warm zu halten, wie das Wissenschaftsmagazin "scinexx“ erläutert. Dann aber beginnen auch wichtige Organe wie Herz oder Lunge auszukühlen.

Sinkt die Temperatur des Körperinneren um mehr als zwei Grad ab, sprechen die Fachleute von einer echten Unterkühlung. „Hypothermie“, heißt das im Fach-Chinesisch. Die Muskeln beginnen zu zittern, um den Körper warm zu halten. Fällt die Temperatur dennoch weiter, sind die Reserven verbraucht. Bei 30 Grad hat der Körper noch nicht mal mehr die Kraft zu zittern. Die Muskeln werden steif.

Bewusstlosigkeit im dritten Stadium 

Gleichzeitig lässt die Kälte die Spitzen der Nervenbahnen taub werden. Die Folge ist das für Erfrierungen typische Taubheitsgefühl. Stoffwechselprozesse erlahmen. Die Folge: Auch das Gehirn lässt nach. Bewegungen und Koordination fallen schwer. Die Sprache verwäscht. Betroffene begannen wie im Delirium zu phantasieren, sind kaum ansprechbar.

Ab einem Level von unter 30 Grad erreicht der Körper das dritte Stadium der Unterkühlung. Betroffene verlieren das Bewusstsein und werden kalt und steif. Äußerlich sehen die Kälteopfer schon aus wie ein Toter.

Die Körperorgane sind auf Minimalbetrieb heruntergefahren. Zwei- bis dreimal schlägt das Herz noch in der Minute, Puls und Atem sind bis zur Unkenntlichkeit schwach. Wird der Unterkühlte nicht spätestens jetzt aufgefunden, ist sein Tod besiegelt.

Quelle: dpa/pst/csr/csi

 
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