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Rotkreuz-Projekt "Trace the Face"
Wie Flüchtlinge online nach ihren Angehörigen suchen

Trace the Face: Wie Flüchtlinge online nach ihren Familien suchen
Screenshot von "Trace the Face": Anonym und mit Foto FOTO: familylinks.icrc.org
Düsseldorf. Ein Online-Projekt des Roten Kreuzes soll Flüchtlingen helfen, die den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben. Auf der Foto-Webseite "Trace the Face" suchen die Menschen anonym nach ihren Ehemännern, Müttern, Brüdern. Bislang sind es 342 Einträge – der größte Teil stammt aus Deutschland.

Zehntausende Menschen sind in Europa auf der Flucht vor Armut, Krieg und Verfolgung. Viele von ihnen haben unterwegs Angehörige verloren: Eltern, Ehefrauen, Geschwister. Mit einem Online-Projekt bietet das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) ihnen seit einiger Zeit die Möglichkeit, anonym und mit Foto nach ihren Lieben zu suchen. 342 Einträge verzeichnet die Seite "Trace the Face" momentan, an dem auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) beteiligt ist.

"Ein ganz großer Teil der Anfragen auf der Seite stammt von Menschen, die sich in Deutschland aufhalten", sagt eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes unserer Redaktion. Fast die Hälfte der Einträge gehe aufs DRK zurück. Auch in der vergangenen Woche seien es wieder mehr Anfragen gewesen: "Bei den Zügen aus Ungarn waren viele Menschen dabei, die unterwegs getrennt wurden", sagt sie in Bezug auf die #trainofhope genannten Bahnen, die zuletzt von Ungarn über Österreich nach Deutschland fuhren.

Das Prinzip der Webseite ist simpel: Jeder Suchende kann ein Bild von sich veröffentlichen und als Information ergänzen, nach wem er sucht – dem Vater, der Schwester oder der ganzen Familie. Welches Schicksal dahintersteckt oder auch nur in welchem Land sich der Flüchtling befindet, bleibt für den Besucher der Seite unklar – nur das Rote Kreuz hat diese Informationen.

"What's in my bag" - Fotoprojekt des IRC FOTO: Tyler Jump/ International Rescue Committee

Nutzer der Seite wiederum können die angezeigten Fotos über die Suchkriterien Alter, Geschlecht und Herkunftsland eingrenzen. Wer sich angesprochen fühlt, muss über ein Formular erst beim Roten Kreuz anfragen – erst dann wird der Kontakt vermittelt.

Zusätzlich zur Webseite produziert das IKRK jeden Monat ein Plakat mit den neuesten Suchanfragen. Diese Poster werden vor allem in Erstaufnahmeeinrichtungen aufgehängt, um möglichst viele Flüchtlinge zu erreichen.  

Fotos: Deutschland heißt Flüchtlinge willkommen FOTO: dpa, shp hpl

Bereits jetzt gibt es laut DRK einige Fälle, bei denen "Trace the Face" getrennte Familienmitglieder zusammenbringen konnte. Eine nach Deutschland geflüchtete Syrerin etwa habe ihre Eltern wiedergefunden, die sie auf der Flucht verloren habe. Und im Februar habe der Online-Suchdienst dazu beigetragen, dass ein junger Mann aus Afghanistan nach Monaten der Ungewissheit seine Familie wiederfand – diese war zuvor in der Türkei auseinandergerissen worden.

Wie leben Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen? Für unser Reportage-Projekt #ZufluchtNRW sind RP-Online-Autoren überall im Land unterwegs – ihren Liveblog lesen Sie hier!

(rls)
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