Angehörige der Täter lehnen Therapien oft ab: Trauma-Experte: Eltern des Täters brauchen Hilfe
zuletzt aktualisiert: 27.04.2002 - 15:58Leipzig (rpo). Auch die Eltern des Amokschützen von Erfurt brauchen nach Ansicht des Trauma-Therapeuten Georg Pieper unbedingt fachliche Hilfe. Denn sie müssen nicht nur den plötzlichen Tod ihres Sohnes sondern auch dessen Stigmatisierung als Bestie verarbeiten, so Pieper.
Der Experte, der im Auftrag des sächsischen Kultusministerium bereits die Opfer des Amoklaufs von Meißen im November 1999 betreut hat, ist auch vom thüringischen Kultusministerium um Hilfe gebeten worden.
Pieper befürchtet, dass die Eltern einem Hilfsangebot jedoch nicht offen gegenüber stehen könnten. "Meine Erfahrung bei vergleichbaren Fällen ist, dass die Eltern alle Menschen nur noch als Feinde sehen", sagte Pieper. "Es kann sein, dass sie so verhärtet, fast paranoid sind, und nicht in der Lage, Hilfsangebote anzunehmen."
Für die Eltern sei ein derart tragisches Ereignis das "absolute Trauma". Sie beschäftigten sich mit der quälenden Frage, was sie falsch in der Erziehung gemacht haben könnten. "Dabei muss es gar nicht so sein, dass die Ursachen im Elternhaus liegen", betonte er.
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