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München
"Traumschiff"-Erfinder Rademann ist tot

Wolfgang Rademann: Bilder aus seinem Leben
Wolfgang Rademann: Bilder aus seinem Leben FOTO: dpa
München. Auch mit der "Schwarzwaldklinik" schrieb der Produzent deutsche Fernsehgeschichte. Die Serie verkaufte sich in 38 Länder. Nach einem Sturz im vergangenen Jahr war es ruhiger um den Berliner geworden. Jetzt ist er 81-jährig gestorben. Von Jörg Isringhaus

Um deftige Sprüche war Wolfgang Rademann nie verlegen, auch wenn es ihn selbst betraf. Ein "Unterhaltungsfuzzy" sei er, sagte der Produzent einmal durchaus selbstbewusst über sich - und hebelte damit die Kritik an seiner Art von Kunst einfach aus. Tatsächlich hatte er zeitlebens ein untrügliches Gespür für den Massengeschmack und bediente diesen mit außergewöhnlich erfolgreichen Shows und Serien. Die "Schwarzwaldklinik" etwa erreichte bis zu 28 Millionen Zuschauer, heute unvorstellbar, "Das Traumschiff" fährt immer noch über die Weltmeere. Der Erfinder allerdings ist von Bord gegangen: Rademann ist am Sonntag im Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben. Von einem Sturz im vergangenen Jahr hatte er sich nicht erholt.

"Wir trauern um einen großen Unterhalter", erklärte ZDF-Intendant Thomas Bellut. Rademanns Produktionen hätten Fernsehgeschichte geschrieben. Schon früh schnupperte er ins Showgeschäft hinein. Als Lokalreporter in Ost-Berlin stellte Rademann bis 1958 Tanzmusik-Sendungen für den Rundfunk zusammen. Dann setzte er sich in den Westen ab und knüpfte als Journalist bei der West-Berliner "B.Z." Kontakte zu Künstlern. Der Durchbruch als Fernsehproduzent gelang ihm 1966, als er für das ZDF die Sendung "Das Leben ist die größte Show" entwickelte. Der Titel galt auch für sein eigenes Leben: Rademann arbeitete für Caterina Valente, Pierre Brice und Peter Alexander, er entwickelte TV-Specials mit Anneliese Rothenberger und Lilli Palmer sowie die Sketch-Reihe "Ein verrücktes Paar" mit Harald Juhnke und Grit Boettcher.

In den Fernseh-Annalen aber verewigte er sich mit den Serien "Die Schwarzwaldklinik" (1984-88, 1990, 2005, 70 Episoden) und "Das Traumschiff" (seit 1981, bisher 75 Episoden). Rademann bezeichnete sich selbst dabei als "Einmannbetrieb": Er lieferte nicht nur Idee und Konzept, sondern engagierte auch Schauspieler, Regisseure und Techniker. Zudem wechselte er nie den Sender. Die Privaten hätten häufig versucht, ihn abzuwerben, erzählte er in einem Interview mit der "F.A.Z.", er habe sich aber nicht über junge Redakteure aufregen wollen, die ihm erzählen, wie man Fernsehen mache. Rademann: "Ich verdiene lieber weniger beim ZDF, bin aber gesund."

Dabei war nicht alles, wo Rademann drauf stand, auch wirklich seine Idee. So erzählte der Berliner immer wieder gerne, dass die Vorlage für sein "Traumschiff" die DDR-Serie "Zur See" war. Der Drang zum Eskapismus, nach heiler Welt und Glück in der Ferne, verband beide Teile Deutschlands. Dabei konnte Rademann, wie er selbst bekannte, Urlaub nicht leiden, war ein Rastloser, ein Getriebener, der stets nach neuen Stoffen suchte. Dem Vorwurf der Kritiker, mit seinen Hochglanz-Geschichten in allzu seichten Gewässern herumzudümpeln, begegnete er mit der Nonchalance des Erfolgreichen. Unter den Trivialen sei er der König; mit seinen Filmen spreche er nicht die ausgewählte Klientel, sondern die Masse an.

Privat war Rademann seit 1976 mit der Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek liiert - in einer Fernbeziehung. Sie lebte in der Schweiz, er in Berlin. Eine gemeinsame Wohnung kam für das Paar nicht in Frage, beide wollten ihre Liebe nicht den alltäglichen Zwängen des Zusammenlebens aussetzen. Kubitschek nahm auch im November vergangenen Jahres anstelle des Erfolgsproduzenten den Bambi für sein Lebenswerk entgegen. "Seien sie nicht enttäuscht, dass dieser geliebte Mensch heute nicht hier sein kann", sagte die 84-Jährige über ihren Freund. Rademann war damals bereits schwer erkrankt.

Zuvor hatte er sich darüber beklagt, dass ihm für das "Traumschiff" allmählich die Ziele ausgingen. Sascha Hehn, der in der Serie den Kapitän spielt, sagte, man werde versuchen, das Erbe Rademanns in Ehren zu halten. "Gute Reise, Wolfgang", verabschiedete er sich.

Quelle: RP
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