Vorwurf der "arglistigen Täuschung" des Publikums: "Trompeterkrieg" um Mross geht weiter
zuletzt aktualisiert: 13.03.2001 - 21:35Münster (rpo). Kann er nun selber Trompete spielen, oder braucht er ein Playback im Hintergrund? Der Volksmusik-Star Stefan Mross wird vom Anwalt seines Gegners im so genannten «Trompeterkrieg» erneut hart attackiert und der arglistigen Täuschung des Publikums beschuldigt.
«Der Beklagte ist generell nicht fähig, eine hochwertige CD mit seiner eigenen Trompetenstimme zu produzieren», teilte der Anwalt des belgischen Studio-Trompeters Alexandre Malempre am Dienstagabend in Münster mit. Anwalt Bernd Dietrich bezog sich dabei auf ein im Rechtsstreit zwischen Mross und Malempre eingeholtes Gutachten der Musikhochschule Detmold, wo beide vorgespielt hatten.
Dietrich und seinen Partneranwälten zufolge handelt es sich bei dem Fall Mross um den größten Skandal der deutschen Volksmusik, der weit reichende Folgen nach sich ziehen werde. Das 149-seitige Gutachten habe belegt, dass die Hauptstimme in sechs umstrittenen Musikstücken zum größten Teil nicht von Mross selbst, sondern von Malempre stamme. Die Anwälte des beklagten Trompeterstars zweifeln das 40 000 Mark teure Gutachten des Musikwissenschaftlers Max Sommerhalder an und werfen ihm einen Mangel an Realitätsbezug vor.
Dietrich betonte, dass Malempre angesichts des Gutachtens sicher sein könne, den seit Januar 1999 vor dem Landgericht Frankfurt am Main laufenden Prozess zu gewinnen. Malempre verlangt von Mross und seiner Produktionsfirma Montana in dem Zivilprozess Schadenersatz. Dabei geht es um sechs Stücke, für die von Malempre eingespielte Trompetenstimmen benutzt worden sein sollen. Trotz der vollständigen Abtretung der Rechte an diesen Einspielungen sieht sich Malempre über die Verwendung getäuscht. Beide Parteien hätten nach Vorlage des Gutachtens nun vier Wochen Zeit, eine Stellungnahme zu erarbeiten, teilte der Klägeranwalt mit.
Mross habe nicht einmal seinen Siegertitel «Heimwehmelodie» beim Grand Prix der Volksmusik 1995 selbst gespielt, warf ihm Dietrich vor. Laut Gutachten sei Mross nicht in der Lage, ohne Unterstützung durch ein vorgefertigtes Playback oder mitspielende Trompeter ein abendfüllendes Konzert durchzustehen. Seine Technik sei sogar in dem vergleichsweise leichten Stück «Il Silenzio» stümperhaft und wirke «feld-, wald- und wiesenmäßig».
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







