Regierung bereitet Hilfe für Opfer vor: Türkei: Rettungsarbeiten nach Beben eingestellt
zuletzt aktualisiert: 04.02.2002 - 15:02Cay/Türkei (rpo). Die türkischen Behörden haben einen Tag nach dem schweren Erdbeben haben die Suche nach Überlebenden eingestellt. Nach Angaben eines Militärsprechers gäbe es keine Toten mehr in den Gebäudetrümmern.
Mindestens 43 Menschen waren am Sonntag bei dem Beben der Stärke 6,0 ums Leben gekommen, 300 Personen wurden verletzt. Rund 600 Häuser wurden beschädigt.
Angesichts mehrerer Dutzend Nachbeben warnte die Regierung die Bürger davor, sich beschädigten Gebäuden zu nähern. Aus Angst vor weiteren Nachbeben verbrachten hunderte Menschen die Nacht zum Montag bei eisigen Temperaturen im Freien. Hilfskräfte versorgten die Bevölkerung in der Provinz Afyon mit Nahrung und Notunterkünften. Die Regierung beriet am Montag über weitere Hilfsmaßnahmen. Ministerpräsident Bülent Ecevit kündigte an, dass 20.000 Decken, 7.000 Zelte und 3.000 Gasöfen in das Krisengebiet geliefert werden sollten.
"Ich ziehe es vor, nicht nach Hause zu gehen. Ich fühle mich draußen sicherer", sagte Senol Gürsel, während er sich mit 400 anderen Betroffenen um Frühstück anstellte. Er habe in seinem Auto geschlafen, seine Frau und seine Kinder hätten auf Teppichen in der Schule übernachtet. Auch Ibrahim Dogan verbrachte die Nacht mit seiner Familie im Freien.
Soldaten verteilten auf dem Marktplatz des hart getroffenen Ortes Sultandagi 1.000 Zelte. Helfer errichteten eine mobile Küche und verteilten Nahrungsmittel. In einer der Hauptstraßen verbrannten Einwohner Autoreifen, um sich bei Temperaturen um minus fünf Grad Celsius warm zu halten. "Über heute Abend mache ich mir keine Sorgen", sagte die 35-jährige Nese Senner, die mit zwölf anderen in einem beheizten Zelt übernachten konnte. "Aber morgen beginnt ein neuer Tag - und ich habe kein zu Hause."
Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach Ecevit am Montag sein Mitgefühl aus. Auch Außenminister Joschka Fischer sandte ein Beileidstelegramm an seinen Kollegen Ismail Cem und bot Hilfe aus Deutschland an.
Der größte Teil der Türkei liegt geologisch im Gebiet des nordanatolischen Grabens und wird häufig von Beben heimgesucht. Bei der letzten großen Erdbebenkatastrophe 1999 kamen im Nordwesten des Landes etwa 18.000 Menschen ums Leben. Damals wurden schlecht konstruierte Gebäude für das große Ausmaß der Katastrophe verantwortlich gemacht.
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