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Nachruf
TV-Zollfahnder Uwe Friedrichsen ist tot

Hamburg. Der Hamburger wurde mit der Wirtschaftskrimi-Serie "Schwarz-Rot-Gold" populär. Seine große Liebe aber gehörte dem Theater. Zudem lieh er seine Stimme US-Stars wie Peter Falk und Donald Sutherland. Friedrichsen wurde 81 Jahre alt. Von Jörg Isringhaus

Der Typ, dem alle Herzen zuflogen, war Uwe Friedrichsen sicher nie; hatte er sie aber einmal für sich gewonnen, blieben sie ihm treu. Vielleicht lag das an seinem spröden norddeutschen Charme, an der kühlen Kombination aus Humor und Intellekt, aus Selbstbewusstsein und Zurückhaltung. Friedrichsen zählte nie zu den Schauspielern, die sich in den Vordergrund drängten, sondern zu denjenigen, denen Perfektion wichtiger war als das Profilieren. "Uwe Schwierigsen" nannten ihn die Kollegen wegen dieses hohen Anspruchs, und das wohl weniger hämisch als bewundernd. Gehörte er doch noch zu denen, die unter dem legendären Gustaf Gründgens am Deutschen Schauspielhaus gespielt hatten. Gestern wurde bekannt, dass Friedrichsen am Samstag im Alter von 81 Jahren in einem Hamburger Krankenhaus gestorben ist.

Populär wurde der gebürtige Altonaer vor allem als Uwe in der "Sesamstraße" und als bärbeißiger wie hartnäckiger Zollfahnder Hans Zaluskowski in der Wirtschaftskrimi-Serie "Schwarz-Rot-Gold" (1982 bis 1996). Friedrichsen wurmte es immer ein wenig, darauf reduziert zu werden, hatte er doch in mehr als 60 Jahren auf der Bühne und im Film unzählige Rollen gespielt. Serien wie "John Klings Abenteuer" aus den 60ern und "Spaß beiseite, Herbert kommt" von 1981 waren zwar sehr erfolgreich, sind allerdings heute eher vergessen. Ein Publikumserfolg war auch die Serie "Oppen und Ehrlich", in der Friedrichsen an der Seite von Andreas Schmidt-Schaller den Bürgermeister Hinrich Oppen spielte.

Ohnehin gehörte Friedrichsens Liebe und Leidenschaft dem Theater. Nach einer kaufmännischen Lehre gründete er 1953 mit Freunden das "Theater 53", zwei Jahre später sprach er bei Gründgens in Hamburg vor. Der engagierte ihn vom Fleck weg, nur um ihn ein paar Monate später wieder zu feuern. Zu Recht, wie Friedrichsen später erzählte. Er habe eben eine freche Schnauze gehabt und sich mit kleinen Rollen nicht zufrieden geben wollen. Der Rausschmiss sei eine pädagogische Maßnahme gewesen. Bald danach holte Gründgens ihn denn auch wieder zurück ins Ensemble und besetzte ihn im "Faust" als Schüler. "Ohne Gründgens wäre ich nicht der, der ich bin", sagte Friedrichsen.

Er selbst sah sich eher als Naturtalent und verzichtete daher auf eine Schauspielausbildung. Das Metier, davon war er überzeugt, könne man nicht lernen, höchstens seine Technik verfeinern. "Schauspieler ist man von Anfang an, oder man ist es nie", sagte er. Friedrichsen verschwand hinter seinen Rollen, stellte sein eigenes Ego nie in den Vordergrund, was seinen Figuren Glaubwürdigkeit verlieh.

Selbst wer Friedrichsen persönlich auf dem Bildschirm verpasst hatte, konnte ihm dennoch nur schwer entgehen. Lieh er seine markante Stimme doch unter anderem US-Schauspielern wie Peter Falk in "Columbo", Donald Sutherland in "Mash" oder Danny Glover in "Lethal Weapon", allesamt Unterhaltungsklassiker. Zuletzt aber trieb es ihn wieder auf die Bühne, er arbeitete am Ernst-Deutsch-Theater und am Ohnsorg-Theater. Dort schlüpfte er in die Rolle des Hans Albers oder gab den Mephisto in Goethes "Faust" auf Plattdeutsch. Friedrichsen lebte mit seiner zweiten Frau Ute in Seevetal bei Hamburg. Eine schwere Krebs-Erkrankung vor Jahren hatte er überwunden, nun starb er offenbar an den Folgen eines Hirntumors.

Privat engagierte er sich sozial, etwa für Kinder-Hospize, und politisch. So machte er für die SPD Wahlkampf und wurde von der Partei zur Wahl des Bundespräsidenten nach Berlin entsandt. "Wir sind in diese Welt gestellt mit einer Aufgabe, und wir müssen diese Aufgabe erfüllen", sagte der gläubige Christ und Vater von vier Kindern. "Das Problem unserer Zeit ist, dass die Menschen zu wenig Zivilcourage haben." Dagegen habe er immer versucht anzukämpfen. Und er sagte, bezogen auf aktuelle rechtsradikale Gewalt und die deutsche Nazi-Vergangenheit, den bemerkenswerten Satz: "Wir dürfen uns nicht schämen, uns zu schämen."

Quelle: RP
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