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Deutschen U-Boot-Tragödie 1966: Überlebender: "Man weiß, wie es zugeht"

zuletzt aktualisiert: 16.08.2000 - 19:31

List/Sylt (dpa). Der 14. September 1966 ist für Peter Silbernagel ein unvergessliches Datum. An jenem Tag ging das deutsche Schul-U- Boot "Hai" in der Nordsee unter. 19 Marinesoldaten fanden den Tod, nur der damals 23-jährige Obermaat überlebte. "Das Unglück mit dem russischen Atom-U-Boot berührt mich natürlich stark, weil ich mir genau vorstellen kann, wie es jetzt da unten zugeht", sagt der inzwischen 57-Jährige, der als Frühpensionär auf der Nordseeinsel Sylt lebt, am Mittwoch der dpa.

Unbemerkt von fünf Schiffen seines Konvois war im September vor fast genau 34 Jahre die "Hai" in schwerer See auf der Doggerbank in der Nordsee gesunken. Es war eines der schwersten Unglücke der deutschen Marine. Als einziger von insgesamt 20 Besatzungsmitgliedern überlebte Silbernagel die Katastrophe. Mit einem Tauchretter als Schwimmweste kämpfte er in der kalten, bewegten See 13 Stunden um sein Leben, bis der britische Fischtrawler "St. Martin" ihn entdeckte und an Bord nahm. Das U-Boot "Hai" war inzwischen auf eine Wassertiefe von 40 Metern gesunken.

"13 Stunden stellt man sich sehr lang vor. Doch in den Wellen war es bei Sturm die Hölle, und ich hatte viel zu tun, um über Wasser zu bleiben", erinnert sich der damalige Zeitsoldat. "Da hat man keine Zeit, Todesangst zu haben. Ich hatte nur furchtbaren Durst."

Das schreckliche Erlebnis hat er "total verarbeitet" und schnell weggesteckt. Auch habe er keine Angst gehabt, wieder in ein U-Boot zu steigen. Kurze Zeit nach dem Unglück sei er mit dem Schwesterschiff der "Hai", dem "Hecht", wieder auf Tauchfahrt gegangen, und später auch auf dem so genannten "U 3" gefahren. "Unsere U-Boote kann man natürlich nicht mit dem russischen Atomschiff vergleichen. Das ist Steinzeit gegen Moderne", meint Silbernagel, den es wegen seiner Frau von Kaiserslautern nach List auf Sylt verschlagen hat.

Dass es an Bord der russischen "Kursk" in 100 Meter Tiefe in der Notsituation zu einer Panik gekommen sein könnte, glaubt er nicht. "Ein U-Boot ist hochkompliziertes Gerät. Da muss jeder Handschlag sitzen, dafür wird man gedrillt und lernt Disziplin", weiß Silbernagel.

Das U-Boot "Hai" war übrigens zwei Mal auf den Meeresgrund gesunken. Es stammte aus dem Zweiten Weltkrieg und wurde erst 1945 als "U 2365" in Dienst gestellt, kam aber nicht mehr zum Einsatz. Am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation, versenkte es der damalige Kommandant Uwe Christiansen, der später Flughafendirektor in Hamburg wurde, sein Boot vor der dänischen Insel Anholt. Elf Jahre später wurde es aus 56 Meter Tiefe gehoben und als Schulschiff für die Marine in Stand gesetzt.

Quelle: RPO Archiv

 
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