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Experten: Geschichte wird nicht für mehr Drogensüchtige sorgen: Ulrich Wickerts Drogengeschichte Stoff für Diskussionen

zuletzt aktualisiert: 10.04.2001 - 09:44

Hamburg (rpo). Mit den Reaktionen auf sein Drogengeständnis hätte Ulrich Wickert (Foto) eigentlich rechnen müssen. "Herr Wickert, sind Sie stolz auf Ihren Drogenrausch?", titelte die "Bild"-Zeitung prompt. Kirchliche Mitglieder des NDR-Rundfunkrates warfen dem Moderator "unerhörte Leichtfertigkeit" vor; aus der CDU-Bundestagsfraktion hieß es, Wickert kokettiere mit seinem Haschischkonsum und zerstöre "die mühselige Präventionsarbeit", so der drogenpolitische Sprecher Hubert Hüppe.

Das sehen Experten, die täglich mit Sucht und Drogen zu tun haben, ein wenig anders: "Wegen dieser Geschichte werden nicht mehr und nicht weniger Menschen Haschisch nehmen als vorher", meinte Thomas Bader, Vorsitzender des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel, am Montag. In diesem Fall solle man doch bitte die Kirche im Dorf lassen. "Wir haben wirklich andere Probleme", betonte er.

"Ungeheuer viele Jugendliche nehmen heutzutage Haschisch", erklärte Bader, noch nie sei die Droge so frei verfügbar gewesen. Von dem Wickert'schen Geständnis werde sich seiner Meinung nach kaum ein Jugendlicher beeindrucken lassen. "Natürlich gibt es Probleme mit Haschisch, ebenso wie mit Alkohol. Das hat sicher auch Herr Wickert erkannt", sagte Bader. Mit der romantischen Darstellung der Haschisch-Eskapade habe er auch keine Probleme.

"Ich sah aus wie ein Hippie", erzählte Wickert in "Max". Da er nicht geraucht habe, hätten er und einige Freunde das Haschisch in den Tee bröseln und trinken müssen. "Ich glaubte zu schweben", sagte Wickert. "Mir war, als sei aus mir ein zweiter geworden, der ein anderer Uli war." Im Rausch habe er am nächsten Tag ein missglücktes Vorstellungsgespräch beim WDR gehabt. Der Moderator verband sein Geständnis mit dem Aufruf, Drogen zu legalisieren.

Nach Angaben Volker Weissingers vom Fachverband Sucht hat etwa ein Viertel aller Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren bereits Haschisch probiert. "Der weitaus größte Teil lässt es danach aber wieder bleiben", erklärte der Verbands-Geschäftsführer. Für eine Abhängigkeit sei ähnlich wie beim Alkohol eine Vielzahl von unterschiedlichen Risikofaktoren verantwortlich.

"Die Linken sind nun mal die typische Hasch-Klientel"

In der Bevölkerung sind die Enthüllungen bei einigen nicht gut angekommen: "Ich bin fest davon überzeugt, dass viele junge Menschen nach dieser Nachricht es auch probieren werden", heißt es in einem Leserbrief an das "Hamburger Abendblatt": "Wenn Herr Wickert beichten will, dann soll er zum Pfarrer oder Therapeuten gehen." Und ein anderer Leser folgert aus dem Wickert-Geständnis lapidar: "Die Linken sind nun mal die typische Hasch-Klientel."

Einige sind auch dankbar: "Es gibt nicht viele Leute mit festem Job, die sich trauen, das öffentlich zuzugeben. Eigentlich schade, denn dann würde sicher deutlich werden, dass es noch mehr Menschen gibt, die sich ab und zu mal einen Joint genehmigen und trotzdem nicht auf dem Hauptbahnhof leben, wie einige Politiker sich das offensichtlich vorstellen", macht ein Hamburger Leserbriefschreiber deutlich.

Beim NDR gibt man sich betont gelassen. Eine Sitzung des Rundfunkrats zu Wickerts Haschisch-Konsum sei noch nicht geplant. "Der Rundfunkrat beschäftigt sich normalerweise nur mit Programminhalten", erklärte der Sprecher Ralph Coleman. Wenn einige Mitglieder nun das Privatleben der Mitarbeiter zum Thema machen wollten, müssten sie das auch entsprechend begründen, erklärte er. Wickert selbst wollte sich am Montag zu den Diskussionen nicht äußern.

Quelle: RPO Archiv

 
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