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Essen
Unfallopfer stirbt nach dramatischer Rettungsaktion

Essen. Der 58-Jährige, der nach einem Unfall von 19 Polizisten aus der Ruhr gerettet werden konnte, ist tot. Von Christian Schwerdtfeger

Es sollte ein feierlicher Empfang gestern Nachmittag im Essener Polizeipräsidium werden. Polizeipräsident Frank Richter hatte geladen, um sich bei den Helfern zu bedanken, die in die Ruhr gesprungen waren, um einen 58-Jährigen aus dem Wasser zu ziehen. Aber zum Feiern war keinem Beteiligten der Rettungsaktion mehr zumute. Denn am Morgen war bekanntgeworden, dass der Mann gestorben ist. "Er erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus", sagte ein Polizeisprecher.

Der 58-Jährige hatte am Pfingstmontag gegen 13.45 Uhr in Essen aus noch nicht bekannter Ursache auf der Bundesstraße 224 die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war zunächst gegen einen Ampelmast gefahren, der daraufhin umknickte. Anschließend touchierte er mit seinem Wagen ein anderes Fahrzeug und fuhr in eine Gruppe von Radfahrern, von denen zwei verletzt wurden. Dann durchbrach er ein Brückengeländer und stürzte acht Meter tief in die Ruhr. Das Auto war sofort untergegangen. Insgesamt 19 Polizisten, sechs Zivilbeamte der Inspektion Essen-Mitte und 13 des ersten Zugs der Essener Einsatzhundertschaft sowie ein Passant waren hinterhergesprungen, um ihn zu retten.

Die Beamten der Bereitschaftspolizei waren wegen eines Open-air-Festivals im Essener Stadtteil Werden. Wegen des Festes lagen dort auch Boote der Wasserschutzpolizei, des Deutschen Roten Kreuzes und der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Wasser, die sofort zum Unglücksort eilten. Nur durch Tasten und Fühlen sei es den Rettern gelungen, den Mann aus dem Wrack in zwei Meter Tiefe im trüben Wasser zu finden, sagte ein Polizeisprecher.

Die Helfer hatten weder eine Taucherbrille noch irgendwelches Werkzeug dabei, mit dem sie den Mann hätten aus dem Wagen schneiden können. Beim Tauchen wechselten sich die Polizisten ab. Weil sie keine Taucherausrüstung mit Sauerstoffflaschen hatten, konnten sie immer nur kurz unter Wasser bleiben. Als sie den Wagen auf dem Grund entdeckten, saß der 58-Jährige noch angeschnallt auf dem Fahrersitz. Mit einem Messer schnitten sie den Gurt durch und zogen den Verunglückten aus dem Wasser. Der Autofahrer wurde durch Rettungskräfte der Feuerwehr reanimiert und anschließend sofort in ein Krankenhaus gebracht, wo er dann gestern auf der Intensivstation starb.

Der Wagen wurde mit einem Kran aus dem Fluss geborgen. Insgesamt zehn Personen waren bei dem Unfall und der anschließenden Rettungsaktion verletzt worden, darunter sechs Polizisten durch Schnitte und Unterkühlung. Für ihren Einsatz will sie Essens Polizeipräsident für die NRW-Rettungsmedaille vorschlagen.

Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern noch an. Sachverständige des Verkehrskommissariats sind weiterhin mit der Untersuchung des Wracks beschäftigt. Möglicherweise könnte überhöhte Geschwindigkeit der Grund gewesen sein, wieso der Mann die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat. Augenzeugen berichteten jedenfalls, dass er viel zu schnell gefahren sei. Das konnte die Polizei aber bislang nicht bestätigen. Die Ermittler vermuten bisher eher ein medizinisches Problem wie zum Beispiel einen Herzinfarkt beim Unfallopfer. Darauf deute derzeit vieles hin, so ein Polizeisprecher.

Womöglich ebenfalls wegen plötzlich auftretender gesundheitlicher Probleme war es an Pfingstsonntag zu einem schweren Busunfall mit 21 Verletzten in Köln gekommen. Der 57 Jahre alte Fahrer war von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Hochspannungsmast geprallt. Nach Angaben der Feuerwehr saßen 47 Menschen in dem Gelenkbus der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Fast alle konnten sich selbst befreien, indem sie Scheiben des Busses zertrümmerten. Da der Mast umzustürzen droht, wird er derzeit noch von einem Spezialkran gestützt, bis ein Ersatzmast montiert ist.

Quelle: RP
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