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Betroffene schildern ihre Erfahrungen: Unser Leben mit Schweinegrippe

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 09:39

(RP). Das Virus A/H1N1 greift rasend schnell um sich. Hunderttausende sind vermutlich schon erkrankt – Erwachsene und Kinder. Wir fragten Betroffene: Wie verändert die Neue Grippe den Alltag? Patienten berichten von ihren Erfahrungen.

Am Morgen noch hat Gesa Fuchs ihren Ältesten, den siebenjährigen Paul, zum Schulbus gebracht. Alles war wie immer. Als sie ihn am Mittag von seiner Grundschule in Krefeld abholen will, sitzt der Junge im Betreuungsraum und weint: "Mama, ich habe so Kopfschmerzen." Zu Hause legt er sich mit Fieber ins Bett. In der Nacht bekommt auch die sechsjährige Tochter Lena hohes Fieber. Am nächsten Morgen ruft eine befreundete Mutter an: "Du, meine Kinder haben die Schweinegrippe."

Die Behörden haben inzwischen den Überblick verloren, wie viele Menschen an der Neuen Grippe erkrankt sind. Seit dem vergangenen Freitag gibt es keine Meldepflicht mehr für Verdachtsfälle. Es sind inzwischen einfach zu viele. Die Wartezimmer der Ärzte sind voll.

Der Kinderarzt von Gesa Fuchs diagnostiziert einen Virus, ob A/H1N1 oder nicht, sagt er, spiele für die Behandlung keine Rolle. Trotzdem lässt Gesa Fuchs am nächsten Tag einen Schnelltest bei ihren Kindern, auch bei der dreijährigen Lisa, machen. Der erbringt keinen Nachweis. Trotzdem schickt die Ärztin die Proben sicherheitshalber ein. Vier Tage später kommt das Ergebnis: Paul und Lena haben die Schweinegrippe. Inzwischen sind die beiden wieder wohlauf. Dafür geht's der Kleinsten schlecht. Sie hat sich auch noch eine Bronchitis eingefangen, zeitweise droht sogar eine Lungenentzündung. Ob es die Schweinegrippe ist, lassen die Eltern nun nicht mehr testen.

Papa und Mama selbst bleiben vom Virus verschont. "Mein Mann ist nur für zwei Tage von seiner Firma sicherheitshalber nach Hause geschickt worden. Er hat dann eben da weitergearbeitet", berichtet die Mutter. Sie selbst habe sich bemüht, während der Ansteckungszeit ihrer Kinder unnötige Körperkontakte wie Händeschütteln zu vermeiden. Rückblickend meint sie: "Eigentlich war's gar nicht so dramatisch."

Sehr viel härter erwischte die Krankheit den Moerser Tobias Schwerdtfeger. "Ich war heute Morgen zum ersten Mal nach acht Tagen im Bett im Supermarkt einkaufen. Das hat unheimlich gut getan, endlich mal wieder unter Leute zu kommen."

Vergangene Woche Montag saß er abends zu Hause am PC vor seiner Doktorarbeit: "Plötzlich ging es mir von einem Augenblick auf den anderen schlechter. Ich dachte erst, dass es eine Erkältung sei und habe mich hingelegt. Doch am nächsten Morgen habe ich mich gefühlt, als habe jemand die Luft aus mir rausgelassen. Ich hatte Fieber, jeder Knochen tat mir weh."

Schwerdtfeger sagt sogar ein für diesen Tag vorgesehenes Vorstellungsgespräch ab. Als es ihm am Abend noch schlechter geht, schleppt er sich zur Notaufnahme des Krankenhauses. Dort empfängt ihn ein Schild: "Bei Verdacht auf Schweinegrippe bitte klopfen und draußen bleiben." Jetzt geht es Schwerdtfeger nicht nur schlecht. Er fühlt sich auch wie ein Aussätziger: "Ich musste draußen eine halbe Stunde lang in meinem Auto warten, ehe mir die Sprechstundenhilfe durch die geschlossene Scheibe zugewunken hat, dass ich jetzt dran sei. Zum Behandlungszimmer musste ich durch einen Hintereingang gehen."

Der Mediziner, der ihn empfängt, schüttelt Schwerdtfeger hingegen ohne jede Berührungsangst die Hand. Auch er vermutet einen A/H1N1-Infekt, lehnt einen Test aber ab. Der Schnelltest sei zum einen unsicher und werde zum anderen auch von den Kassen nicht mehr bezahlt. Er empfiehlt Paracetamol gegen Fieber und Schmerzen sowie eine dreitägige Quarantäne im eigenen Zimmer. Etwas anderes bleibt dem jungen Mann auch kaum übrig, denn er schafft es in den folgenden Tagen fast nicht mehr aus dem Bett: "Meine Eltern haben mir das Essen vor die Tür gestellt. Ich habe nur da gelegen und vor mich hingedämmert. Nicht einmal den Fernseher oder das Internet habe ich angeschaltet." Am Donnerstag geht es ihm etwas besser.

Doch am Freitag schlägt das Fieber wieder zu. Auch am Wochenende verlässt er das Bett nicht. "Am Mittwoch fühlte ich mich dann auf einmal wieder gesund", berichtet Schwerdtfeger. "Die Krankheit ging so schnell, wie sie kam."

Quelle: RP

 
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