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Düsseldorf
Unwetter legt Verkehr in NRW lahm

Düsseldorf. Tunnel wurden überschwemmt, Keller liefen voll: Die Feuerwehr rief den Ausnahmezustand in Düsseldorf aus. Für den Niederrhein galt die höchste Warnstufe. In Bayern starben drei Menschen. Von Leslie Brook, Klas Libuda und Florian Rinke

Heftige Unwetter sorgten gestern Abend in NRW für Chaos. Zwischen Alpen und Xanten blockierte eine Schlammlawine die Bahnstrecke, in Mettmann liefen dutzende Keller voll, und in Düsseldorf wurden Tunnel geflutet. Binnen weniger Minuten regnete es so heftig, dass Unterführungen überspült wurden. Autos blieben in den Wassermassen stecken.

Im Werstener Tunnel an der A 46 stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch. "Es war wie ein reißender Fluss, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte ein Autofahrer, der aus Düsseldorf unterwegs nach Wuppertal war. "Ich hatte die Befürchtung, nicht mehr rauszukommen." Zunächst hatte die Polizei noch mehrere Autos passieren lassen, wahrscheinlich konnte sie selbst noch nicht absehen, wie viel Wasser bereits in die Röhre gelaufen war - dann sperrte sie die Autobahntunnel. Auch in der Düsseldorfer Innenstadt waren die Tunnel zeitweise nicht mehr befahrbar.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für mehrere Städte und Kreise im Regierungsbezirk Düsseldorf am Abend die höchste Unwetterwarnstufe ausgegeben. Besonders betroffen war der nördliche Niederrhein. In Xanten saßen Schüler auf einem Bauernhof fest, weil die Wassermassen die Zufahrtsstraßen blockierten. "Die Schüler sind aber nicht in Gefahr. Sie sitzen trocken in einer Scheune und sind versorgt", sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Bahnstrecke zwischen Xanten und Millingen, die von einer Schlammlawine lahmgelegt wurde, bleibt wohl mehrere Tage gesperrt.

Die Düsseldorfer Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus: Alle Einsatzkräfte wurden alarmiert. Zwischen 19 und 21 Uhr mussten die Rettungskräfte fast 400 Mal ausrücken, weil Keller vollgelaufen und Straßen überschwemmt waren.

Der Rheinpegel stieg innerhalb weniger Stunden deutlich. In Köln erreichte er einen Stand von 6,48 Metern und überschritt damit die erste Hochwassermarke, die bei 6,20 Meter liegt. In Düsseldorf stieg der Pegel auf 6,14 Meter. Zum Vergleich: Vor einer Woche lag er noch unter 3,50 Meter. Der Verkehr der Rheinfähre konnte aufrecht erhalten werden, denn erst ab einer Höhe von 7,10 Meter gibt es erste Einschränkungen für die Schiffe.

Nach den schweren Unwettern in der Nacht von Sonntag auf Montag in Mittelfranken ist auch Bayern erneut von heftigem Starkregen getroffen worden. Der Landkreis Rottal-Inn löste gestern wegen schwerer Überschwemmungen in mehreren Gemeinden Katastrophenalarm aus. Am Abend bargen Taucher drei Tote aus einem überschwemmten Haus in Simbach am Inn.

50 Schüler waren bis zum Abend in einer Turnhalle in Triftern eingeschlossen, weil Zufahrtsstraßen überschwemmt waren. Menschen wurden mit Booten und Hubschraubern aus ihren Häusern gerettet, 9000 Haushalte waren ohne Strom. In Simbach wurden Autos und Bäume weggespült. Fensterscheiben barsten unter dem Druck des Wassers. Wo das Wasser bereits abgeflossen ist, überzieht Schlamm die Straße. Die Schäden lagen nach ersten Schätzungen in zweistelliger Millionenhöhe. In der Kreisstadt Regen wurde eine Schulklasse bei einem Bootsausflug vom Unwetter überrascht. 20 Kinder strandeten auf einer Insel und mussten gerettet werden. Ein Mädchen erlitt einen Schock, eins eine Unterkühlung.

Quelle: RP
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