Hilfsorganisationen nehmen Arbeit auf: Vulkanausbruch: 300.000 Menschen auf der Flucht
zuletzt aktualisiert: 18.01.2002 - 17:46Nairobi/Kigali (rpo). Nach dem schweren Vulkanausbruch im Osten des Kongo sind rund 45 Menschen ums Leben gekommen und 300.000 auf der Flucht. Hilfsorganisationen haben am Freitag ihre Arbeit aufgenommen und umfassende Hilfslieferungen angekündigt.
Die Vereinten Nationen, Belgien und die Welthungerhilfe kündigten erste Hilfslieferungen an, das Auswärtige Amt stellte 300.000 Euro Soforthilfe bereit. Angaben des Rotes Kreuzes zufolge sind 80 Prozent der in der Nähe des Vulkans gelegenen Stadt Goma zerstört. Zunächst gab es keine amtlichen Angaben über Tote oder Verletzte.
Der Ausbruch des 3.471 Meter hohen Vulkans Nyiragongo nördlich von Goma machte am Donnerstag tausende Menschen obdachlos. Florian Westphal, der örtliche Sprecher des Roten Kreuzes sagte, mindestens 100.000 Menschen seien bislang ins benachbarte ruandische Gisenyi geflohen. Drei Lavaströme zerstörten mindestens 14 Dörfer. Ein Lavastrom brannte eine 50 bis 60 Meter breite Schneise durch die Stadt Goma und brachte diverse Benzinreserven sowie das größte Tanklager der Stadt zur Explosion. Zahlreiche Holzhäuser gingen in Flammen auf. Lavamassen zerstörten die Rollbahn des Flughafens und unterbrachen die Hauptstraße von Goma nach Butembo.
"Goma existiert fast nicht mehr"
"Goma existiert fast nicht mehr", berichtete der Geschäftsmann Eloi Mboso Kiamfu, der sich auf den Weg nach Gisenyi machte. "Im Moment haben wir weder ein zu Hause noch ein Büro." In der Stadt fehlt es vor allem an Trinkwasser. Zwei der drei Trinkwasser-Bereitungsanlagen der 500.000-Einwohner-Stadt seien außer Funktion, berichtete Westphal. Zudem sei der Kivu-See in der Nähe der Stadt durch die Lavaströme verschmutzt. "Wir überlegen jetzt, wie wir am besten mit der Situation umgehen sollen", sagte Westphal.
"Es ist furchtbar, meine Kinder sind alle verschwunden, und ich bin verwirrt und geschockt", sagte die Hausfrau Mulili Flaha. Ihr Mann und vier Kinder seien in alle Richtungen davongestoben als eine schwarze, dicke Schicht Lava auf ihr Haus zurollte.
Am Freitag ließen die Eruptionen des Vulkans etwas nach. Die Erde bebte noch etwa einmal in der Stunde, sagte Rosamund Carr, die in der ruandischen Grenzstadt Gisenyi ein Waisenhaus führt. Anfangs habe die Erde noch alle 40 Sekunden gebebt. "Wir konnten alle nicht schlafen", sagte die Amerikanerin. "Die Kinder hatten riesige Angst. Die Flammen schienen nur noch zwei Meter vom Krankenhaus entfernt zu sein." Ein ruandischer Regierungsbeamter sagte, die Behörden erwarteten bis zu 500.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland. Die Vereinten Nationen brachten 350 Mitarbeiter aus Goma in Sicherheit. Die UN-Beobachter sichern den Waffenstillstand in der Region, die zuletzt im August 1998 heftig umkämpft war.
UN-Soforthilfe: 200 Tonnen Nahrungsmittel
Die UN haben als Soforthilfe 200 Tonnen Lebensmittel für die Flüchtlinge bereitgestellt. Auch die Deutsche Welthungerhilfe kündigte an, sich an den Hilfsmaßnahmen und den Aufräumarbeiten zu beteiligen. Die belgische Regierung hat den Opfern des Vulkanausbruchs in Kongo eine Soforthilfe von 1,25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit den Mitteln soll die Bevölkerung mit frischem Wasser, Medikamenten und anderen Hilfsgütern versorgt werden, teilte die belgische Regierung in Brüssel am Freitag mit. Auch die EU-Kommission will den Opfern schnellst möglich finanzielle Hilfe zukommen lassen.
Der Nyiragongo war zuletzt 1977 ausgebrochen. Zusammen mit dem benachbarten Nyamulagira (3.058 Meter) bildet er das westliche Ende der Virunga-Kette von insgesamt acht Vulkanen.
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