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München/Köln
Waffenversteck in Kölner Wald

München/Köln. Eine Spur des Amoklaufs von München führt nach NRW. Die Polizei hob ein Arsenal nahe dem Flughafen Köln/Bonn aus.

Bei dem in Marburg gefassten Mann, der dem Amokschützen von München die Tatwaffe geliefert haben soll, sind noch weitere Waffen gefunden worden. Der 31-Jährige habe in einer ersten Vernehmung auf eine in einem Waldstück in der Nähe des Flughafens Köln/Bonn vergrabene Kiste hingewiesen, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Darin seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Der arbeitslose Verkäufer habe nach ersten Erkenntnissen seinen Lebensunterhalt mit den illegalen Waffengeschäften finanziert, teilten die Ermittler mit. Die Pistole, die der 31-Jährige bei seiner Festnahme bei sich trug, war illegal. Der Marburger sollte noch gestern dem Haftrichter vorgeführt werden. Zu einem möglichen Strafmaß wollte sich die Staatsanwaltschaft mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Der Amokläufer von München hat den Angaben zufolge für die Pistole Modell Glock 17 und Munition insgesamt 4350 Euro gezahlt. Zweimal soll der 31-Jährige in der mittelhessischen Universitätsstadt den späteren Amokläufer getroffen haben - vermutlich am Bahnhof.

Ausgangspunkt für das Ergreifen des mutmaßlichen Waffenlieferanten waren Ermittlungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Nordhessen, die beide in Verdacht stehen, bei dem Marburger Schusswaffen und Munition erworben zu haben. Das Geschäft zwischen dem mutmaßlichen Waffenhändler und dem 17-Jährigen wurde laut Staatsanwaltschaft über Gitarrenkoffer abgewickelt. Die Freundin des mutmaßlichen Waffenverkäufers, die nach ihrer Festnahme mittlerweile wieder auf freien Fuß gelassen worden ist, habe den Gitarrenkoffer mit den Waffen abgestellt - im Tausch gegen einen leeren Instrumentenkoffer. Es gebe keine Erkenntnisse, dass der Jugendliche die Waffen habe einsetzen wollen. Er habe in einem normalen sozialen Umfeld gelebt.

Der 31-Jährige war den Ermittlern bei einem Scheingeschäft in Marburg in die Falle getappt. Vom Busbahnhof in Marburg hatte der mutmaßliche Waffenhändler seine vermeintlichen Kunden auf einen Parkplatz in der Nähe gelotst, auf dem er sein Auto abgestellt hatte. In dem Wagen befand sich die bei dem fingierten Geschäft bestellte Ware: eine Maschinenpistole, eine Pistole Modell Glock 17 und Munition. Die Auto-Kennzeichen hatte der Beschuldigte zuvor abgeschraubt. "Er wollte Hinweise auf seine Identität verschleiern", sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. In Wirklichkeit seien fehlende Kennzeichen aber noch auffälliger. Ein Amateur, der das Risiko eines direkten Treffens unterschätzte? Der Jurist formuliert es so: "Wenn man das auf das reale Leben überträgt, kann man schon mutmaßen, dass da bestimmte Defizite vorhanden sind." Der Oberstaatsanwalt warnt jedoch zugleich: Auch die anonyme Lieferung und Bezahlung über Paketstationen und die virtuelle Währung "Bitcoins" schütze Täter keineswegs vollständig. Alles andere als unauffällig ist nach Einschätzung der Ermittler auch das Versteck der Waffenkiste im Wald gewesen. "Um die Kiste zu vergraben, musste er sein Auto auffällig auf dem Standstreifen abstellen", sagte der Sprecher.

Nach Einschätzung der Ermittler verlagert sich der illegale Handel mit scharfen Waffen zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort im Darknet (englisch für "dunkles Netz") anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig. "Der Erfolg zeigt jedoch, dass es nicht so ist", sagte Wittig.

Der 18-jährige Amokläufer hatte am 22. Juli neun Menschen und sich selbst getötet. 36 Menschen wurden bei dem Amoklauf verletzt. Inzwischen ist den Angaben zufolge niemand von ihnen mehr im Krankenhaus. Der Amokschütze hätte nach den tödlichen Schüssen an einem Einkaufszentrum weitere Menschen umbringen können. "Aber offensichtlich wollte er niemanden mehr töten", sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA). Den Ermittlungen zufolge war der 18-Jährige am Tatabend unter anderem in ein Wohnhaus gegangen und hatte dort im Treppenhaus mehrere Bewohner getroffen. Der Schütze habe seine Waffe zu dem Zeitpunkt jedoch nicht mehr in der Hand gehabt.

(csh/dpa)
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