Schauspieler kam vor einem Jahr ins Pflegeheim: Was ist aus Harald Juhnke geworden?
zuletzt aktualisiert: 25.11.2002 - 19:58Berlin (rpo). Was ist aus Harald Juhnke geworden? Vor rund einem Jahr brachte Susanne Juhnke ihren Mann, den beliebten Schauspieler, Sänger und Entertainer, bei Berlin in ein Pflegeheim für Demenzkranke. Seitdem ist es still geworden.
"Harald Juhnke wird nie wieder auf einer Bühne stehen", sagte sein langjähriger Manager Peter Wolf später mit tränenerstickter Stimme vor der Presse. Er hatte über ein Jahrzehnt Juhnkes Laufbahn mit ihren Höhen und Tiefen begleitet. "Heute endet die wohl schillerndste Nachkriegskarriere eines deutschen Schauspielers und Entertainers."
Die ersten Fotos aus dem Pflegeheim erschütterten seine Fans. Sie sahen eine vor ihrem Mann kniende Susanne Juhnke, die ihm einen großen Teddybären mitgebracht hat. "Ein Teddybär ist sein neuer Freund", schrieb eine Zeitschrift dazu. In den folgenden Monaten gab es auch andere Schlagzeilen und Gerüchte, Dementis und Behauptungen. "Harald Juhnke fleht: Lasst mich hier nicht sterben!" titelte eine Zeitung. Andere behaupteten, er sei angeblich in eine Prügelei mit Heimbewohnern verwickelt gewesen, weil er immer wieder mit falschem Vornamen angeredet worden sei. "Erstunken und erlogen", kommentierte sein Manager solche Berichte nur kurz und knapp.
Im vergangenen Sommer dann wurde Juhnke vorübergehend in eine Klink verlegt. Sein Sohn Peer, ein Münchner Arzt, war entsetzt über den Zustand seines Vaters. "In einem dermaßen schlechten Zustand hatte ich ihn noch nie erlebt. Sein Körper war völlig ausgetrocknet", sagte er einer Zeitschrift ("Bunte"). Der Sozialverband Deutschland sprach von einem "traurigen Beispiel für weit verbreitete Probleme in der Pflege".
Pflegeheim hält dicht
Das Pflegeheim konterte: "Die Berichte entbehren jeglicher Grundlage." Einzelheiten dürften aber aus Gründen des Datenschutzes nicht öffentlich mitgeteilt werden. "Aber wir sind ein Pflegeheim und kein Krankenhaus und handeln aus Verantwortungsbewusstsein. Der Bewohner ist 73 Jahre alt." Juhnkes langjähriger Berliner Arzt Djawad Moshiri meinte nach seinem Besuch Anfang Juli auch, die Befunde seien nicht so schlecht. "Aber bei seiner Krankheit weiß man nie, wie es sich entwickelt - die Demenz, das Alter, es kann immer was passieren." Auch wie es Juhnke heute geht, ein Jahr nach seiner Einlieferung, weiß wohl außerhalb des Heimes nur seine Familie.
In seinen letzten Interviews hatte der Entertainer seine eigenen Befürchtungen vor dem Schicksal, das ihn schließlich selbst ereilte, formuliert. "Schwachsinn bedeutet das Ende. Kein Juhnke mehr im Kino, keiner mehr im Fernsehen, keiner mehr auf der Bühne. Du bist verloren, wenn der Kopf nicht mehr mitmacht." So wolle er nicht enden. Und Juhnke schwärmte von seiner Frau und ihrem Durchhaltewillen. "Was hat die Frau durchgemacht? Zu der haben sie doch alle gesagt: "Na, Frau Juhnke, ob das noch was wird mit Ihrem Mann? Bald sind Sie Witwe!"" Als er seiner Frau mal gesagt habe, mit 75 höre er auf, habe sie gefragt: "Und was machst du dann?"
Juhnke lebt in seiner eigenen Welt
Letztes Weihnachtsfest holte sie ihren Mann nach Hause. Er habe sich gleich wohl gefühlt, sagte sie der "Bunten": "Es ist alles, wie es einmal war. Sein Schlafzimmer, sein Bad, seine Couch vor dem Kamin. Es war, als wären wir nie weg gewesen. Wir haben einfach die Zeit miteinander genossen und durch die Fenster dem Schneetreiben zugeschaut."
Manager Peter Wolf blickte nach der Einlieferung wehmütig auf eine turbulente Zeit mit dem einst viel beschäftigten Schauspieler zurück: "Es war die schönste Zeit meines Lebens, ich habe viel mit ihm erlebt. Ich habe dem Mann viel zu verdanken, viel gelernt, viele Menschen kennen gelernt." Juhnke sei ein warmherziger und hilfsbereiter Mensch, der immer ein offenes Ohr gehabt habe. "Sicher war er auch ein Traumtänzer." Nun lebe Juhnke in seiner eigenen geistigen Welt, sagte Wolf damals vor der Presse. "Die Familie muss diese Tragödie hilflos zur Kenntnis nehmen."
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