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Stuttgart/Heilbronn
Wenn Partner übers Handy spionieren

Stuttgart/Heilbronn. Ein Mann überwachte seine Ex-Freundin und wurde nun zu Sozialstunden verurteilt. Doch App-Anbieter bewerben gezielt, dass möglicherweise untreue Partner ausgespäht werden können. Von Lena Müssigmann

Er wusste, wo sie war, wem sie Nachrichten über den Dienst WhatsApp schrieb und welche Bilder sie auf dem Handy hatte: Ein 20-Jähriger hat seiner ehemaligen Freundin eine Spionage-App auf ihr Handy gespielt - ohne dass die junge Frau davon wusste. Mindestens drei Monate lang soll er sie auf Schritt und Tritt überwacht haben. Nun hat das Amtsgericht Heilbronn (Baden-Württemberg) den geständigen Mann wegen des Abfangens von Daten zu einer milden Jugendstrafe von 30 Arbeitsstunden verurteilt. Er hatte nach Angaben des Gerichts zugegeben, dass seine Tat "schon ziemlich krank" gewesen sei.

Spionage-Apps lassen sich mit wenigen Klicks auf ein Smartphone herunterladen - doch wer sie nutzt, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn wer sie ohne die Zustimmung oder das Wissen des Telefonbesitzers installiert, kann vor Gericht landen, wie der Heilbronner Fall zeigt. Den App-Anbietern scheint das egal zu sein. Sie sprechen gezielt misstrauische Menschen an: "Haben Sie sich schon mal Sorgen gemacht, dass Ihr Partner Sie betrügt?" Damit werden die Kunden auf dünnes Eis gelockt, rechtlich und moralisch. "Das ist die nächste Eskalationsstufe des Nachstellens neben Stalking", sagte die Landesbüroleiterin der Opferorganisation "Weißer Ring", Claudia Beck, in Stuttgart. Fotos beträfen die Intimsphäre einer Person. "Das verstärkt beim Opfer das Gefühl, ausgeliefert zu sein."

Der junge Mann, der jetzt vor Gericht stand, hat die App nach eigenen Angaben in einem kurzen unbeobachteten Moment, als seine Freundin fünf Minuten das Zimmer verlassen hatte, installiert, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Seine Freundin sei eifersüchtig gewesen, das habe auf ihn abgefärbt, sagte er den Angaben zufolge vor Gericht.

Die Software firmiert als Diebstahls-App, mit der etwa ein verlorenes Handy zu orten ist. Auf dem Display ist sie nach Angaben des Anbieters nicht durch die typische quadratische App-Schaltfläche zu erkennen, sondern wird als "Device-Management" aufgeführt - das erweckt den Eindruck, es handle sich um eine systemrelevante Software.

Der IT-Sicherheitsexperte Ronald Eikenberg aus der Redaktion der Computerzeitschrift "c't" kennt diese Masche. Die Spionagesoftware benutze zur Verschleierung manchmal Namen wie Browser oder Facebook, sie könne aber auch als Spiel getarnt sein. "Man kann ein Programm in einem anderen verstecken", sagt Eikenberg. Bei der Aufforderung eines Bekannten, das Spiel zu installieren, dächten sich viele Nutzer nichts. Das andere Programm läuft im Hintergrund, ohne dass es jemand bemerke. Wer befürchtet, Spionagesoftware auf dem Handy zu haben, dem empfiehlt Eikenberg, das Gerät mit einem Antivirenprogramm zu scannen. Dabei werde sie wahrscheinlich entdeckt.

Die Anbieter von Spionage-Apps versuchen, über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) wieder aus der juristischen Grauzone zu kommen. Da heißt es zum Beispiel: Der Nutzer der App stimmt zu, die Software nur auf eigene Geräte oder mit expliziter Erlaubnis des Besitzers zu installieren. AGB seien aber kein Hintertürchen, so das Justizministerium Baden-Württemberg.

Wenn Partner einander ausspionieren, kommt eine moralische Komponente hinzu: "Das ist ein gigantischer Vertrauensbruch, das geht natürlich gar nicht", sagte Simone Janssen, Präsidentin des Gesamtverbandes der Ehe- und Partnervermittlungen. Wenn so wenig Vertrauen da sei, dass jemand den Partner überwache, sei das keine Basis für eine Beziehung, sagte die Expertin.

(dpa)
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