Promis treffen sich in der Mainmetropole: "Wenn schon Opernball, dann in Frankfurt"
zuletzt aktualisiert: 05.03.2000 - 13:35Frankfurt/Main (AP). Udo Jürgens brachte es auf den Punkt: "Wenn schon Opernball, dann in Frankfurt." Fast zwei Stunden begeisterte der Stargast am Samstagabend im Festsaal der Alten Oper die gut 2400 Gäste. Sie mochten es gerne hören, dass auch der Österreicher Jürgens ihre Feier dem Wiener Opernball vorzog, der in diesem Jahr von vielen boykottiert worden war. Ein großes Aufgebot internationaler Stars wie in vergangenen Jahren konnten die Frankfurter diesmal allerdings auch nicht bieten. Von Magier David Copperfield (auf dem Foto mit seiner neuen Freundin Ambre Frisque) abgesehen waren es vor allem Prominente aus dem deutschsprachigen Raum, die die Blicke auf sich zogen, allen voran die zwei Ur-Berliner Hildegard Knef und Harald Juhnke.
Während Juhnke sich offenbar bestens unterhielt, immer wieder das Tanzbein schwang und mit dem ganzen Saal Evergreens von Udo Jürgens mitsang, hinterließ Hildegard Knef bei vielen Ballgästen eine Mischung aus Bewunderung und Erschrecken. Eigentlich hatte sie als Moderatorin durch den diesjährigen Opernball führen wollen. Doch wegen ihrer schweren Krankheit sprach "die Knef" nur kurz. Dabei musste sie, gestützt von zwei Männern, auf der Bühne zu einem Stuhl geführt werden. Ihre Stimme bebte, und Hände und Gesicht zitterten, als sie sagte: "Wir erinnern uns gerne an gute und schlechte Zeiten." Beifall brandete auf, als die 74-Jährige von Veranstalter Manfred Pasenau einen riesigen Strauß roter Rosen überreicht bekam.
"Im Wandel der Zeit", das Motto des diesjährigen Opernballs, war an Hildegard Knef mehr als deutlich ablesbar. Aber auch andere Unterhaltungskünstler schienen allein schon in ihrer Person eine ganze Menge Zeit zu versinnbildlichen. So spielte der altbekannte Günter Noris mit seiner Bigband zum Tanz auf, und auch Stargast Udo Jürgens, der in diesem Jahr 66 wird, blickt auf eine 40-jährige Karriere zurück. Mit zu den ältesten Ballgästen dürfte Alt-Bundespräsident Walter Scheel gezählt haben, der mit Frau und fidel wie eh erschienen war. Dass sich der hessische Landesverband seiner Partei an diesem Samstag für ein Verbleiben in der Koalition mit der CDU und Ministerpräsident Roland Koch entschieden hatte, interessierte ihn weniger: "Die FDP muss das selber wissen."
Der Vorsitzende der Bundes-FDP, Wolfgang Gerhardt, ließ sich von seiner Niederlage die Stimmung jedenfalls nicht verderben. Im Gegenteil, er gehe gestärkt aus dem Sonderparteitag, meinte er, und zeigte sich gut gelaunt mit seiner Ehefrau Marlies am Tisch mit Hildegard Knef. Mit Koch habe er noch nicht gesprochen. Doch auch Koch, der nur drei Tische weiter saß, sagte, er habe Gerhardt noch nicht gesehen. Ob beim Tanz mit Ehefrau Anke oder beim Plausch mit der Frankfurter Oberbürgermeisterin und Parteifreundin Petra Roth, Koch zeigte sich in bester Stimmung. Und das Ballpublikum stand hinter ihm, hatte es ihn bei der Begrüßung durch Veranstalter Pasenau doch mit großem Applaus willkommen geheißen.
Copperfield mit neuer Freundin und Eltern angereist
Unumstrittener Medienstar aber war Zauberkünstler Copperfield. Offenbar überhaupt nicht traurig über die bevorstehende Hochzeit seiner Ex-Freundin Claudia Schiffer, präsentierte er gut gelaunt und mit neuer Gel-Frisur seine neue, reizende Freundin Ambre Frisque. Sie ist auch Modell, ansonsten mit ihren dunklen Augen und dunklem Haar äußerlich ein krasses Gegenstück zur blonden Claudia. Auch seine Eltern, Mr. und Mrs. Kotkin, hatte Copperfield mitgebracht. Vor allem die Mutter amüsierte sich lachend und mit den Fingern den Takt der Musik auf Tisch klopfend prächtig. Mit den Worten "It's a great ball" entschwand der Magier samt Familie aber schon gegen 23.30 Uhr, als Udo Jürgens gerade zu einer seiner zahlreichen Zugaben aufgefordert wurde.
Während Copperfield und Gefolge ganz in schlichtem Schwarz gekleidet waren, gab es auch zahlreiche große Roben, oft mit Pailletten und Strass, wenig Samt und viel Seide und Tüll mit zum Teil tiefen Einblicken. Die gewährte auch Busenwunder Dolly Buster, wenn auch nicht vorne, sondern hinten. Nur ein durchsichtiger Hauch von Stoff lag über ihrem Rücken bis ganz knapp über dem Po, während ihr schwarzes Kleid Arme, Beine und Busen züchtig verhüllte.
Auch einige deutsche Show- und Schauspielgrößen erregten Aufsehen. Show-Master Patrick Lindner war samt Lebensgefährten erschienen und fand das Fest "toll, witzig und nicht so dekadent, wie man sich einen Opernball vorstelle". Sein Adoptivkind Daniel hatte er derweil bei seiner Mutter untergebracht. Schauspielerin Sonja Kirchberger, die mit Copperfield und Juhnke am Tisch saß, zeigte viel Busen und eine extrem schlichte Frisur. Show-Masterin Arabella Kiesbauer ließ es sich trotz ihrer aufwendigen Robe in cremefarbener Seide nicht nehmen, für den Hessischen Rundfunk auf dem Teppichboden eines Seitengangs beim Topfschlagen mitzumachen. "Fernseh-Ärztin" Antje-Kathrin Kühnemann legte mit Ehemann eine flotte Sohle aufs Parkett. "Literaturpapst" Marcel Reich-Ranicki zeigte sich gut gelaunt mit Ehefrau Teofila.
Dass das Star-Modell Naomi Campbell kurzfristig wegen Krankheit abgesagt hatte und ihre Kollegin Laetitia Casta vom Veranstalter wegen zu hoher Honoroarforderungen kurzerhand ausgeladen worden war, schien die Ballgäste wenig zu stören. Bei den Preisen allein für den Eintritt, die von 350 Mark für eine Flanierkarte bis 1100 Mark für einen Tischplatz lagen, war gute Laune in dem lachsrosa dekorierten Ballsaal und den zahlreichen Nebenräumen fast schon Pflicht.
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