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Wesel
Gruselclown-Attacke auch in NRW

Wesel. Ein mit Messer und Pistole bewaffneter Mann in Clownsmaske bedrohte Passanten in Wesel. Ähnliche Vorfälle gab es in England, Schweden und den Niederlanden. Angefangen hat es in den USA: Dort schockieren Gruselclowns seit Wochen. Von Jörg Isringhaus

Lustig ist das alles schon lange nicht mehr. Nachdem zuletzt am Donnerstagabend in der westschwedischen Provinz Halland eine mit einer Clownsmaske vermummte Person auf einen Jugendlichen eingestochen und ihn an der Schulter verletzt hat, gab es in der Nacht zu Samstag auch in Deutschland die erste Attacke eines sogenannten Gruselclowns. Am Weseler Bahnhof erschreckte der Maskierte zwei 17 und 22 Jahre alte Männer, hantierte mit einem Messer und einer Pistole herum und bedrohte seine Opfer auf Deutsch und Englisch. Danach verschwand er. In den USA grassiert die Angst vor aggressiven Clowns seit Wochen, auch England, die Niederlande und Australien verzeichnen Vorfälle. Wer hinter dem üblen Schabernack steckt, ist meist genauso unklar wie die Frage, was der ganze Quatsch eigentlich soll.

Nur eines steht fest: Angefangen hat die Hysterie um die Killer-Clowns, wie sie auch gerne genannt werden, in den USA. Dort tauchten zunächst auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken Videos von Maskierten auf, die auf Friedhöfen oder in abgelegenen Straßen, aber auch in Schulen und an Universitäten auftauchen und Angst verbreiten. Was davon inszeniert ist und was real, lässt sich schwer sagen. Manche Kinder erfänden Geschichten über bösartige Clowns auf dem Schulweg, berichtet die Polizei. Trittbrettfahrer nutzten die Verunsicherung aus. "Vielleicht denkt jemand, das wäre lustig", zitiert die "Washington Post" eine Polizistin. Sie warnt vor Nachahmern: Die Verkäufe von Clownskostümen in den USA sollen Berichten zufolge um rund 300 Prozent gestiegen sein.

Mit der Zunahme der Fälle hat sich auch die Qualität der Attacken verändert, vom gruseligen Spaß zur gefährlichen Straftat. So gab es in den USA Überfälle von Menschen in Clownskostümen. Eine High-School in Maryland wurde Medienberichten zufolge abgeriegelt, nachdem jemand auf einem Instagram-Account Drohungen in Clownsmaske gepostet hatte. In Großbritannien hat die Polizei in der Region Thames Valley westlich von London von 14 gemeldeten Vorfällen allein am Wochenende berichtet, bei denen Menschen von Maskierten erschreckt oder eingeschüchtert worden seien. Ein mit einem Messer bewaffneter Mann im Clownskostüm war am Freitag einer Gruppe von vier Kindern in Chester-Le-Street im englischen Nordosten auf dem Schulweg gefolgt, wie die Polizei in Durham mitteilte. Und in Schweden hat ein Clown sogar zugestochen.

Twitter-Nutzer, vor allem in den USA, posten fast im Minutentakt Clown-Sichtungen - teils als Warnung, teils als Treffpunkt für Clown-Jäger. Ein Video zeigt, wie Studenten der Universität in Oregon nachts mit Fackeln suchend über den Campus ziehen. Für viele ist es ein großer Spaß, für manche ein wahrgewordener Alptraum. Und der geht weiter - denn das wichtigste Fest für Gruselfans steht mit Halloween am 31. Oktober ja erst bevor. Das Phänomen wirft einen Schatten auf das traditionelle Spektakel: "Die Polizei von Roselle Park bittet Eltern, ihre Kinder an Halloween keine Clownskostüme tragen zu lassen", schreibt die Behörde im Bundesstaat New Jersey vorsorglich auf Facebook. Selbst die Fast-Food-Kette McDonald's hat ihr Maskottchen Ronald McDonald erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Für die Angst vor Clowns gibt es übrigens einen Fachbegriff: Coulrophobie. Doch warum haben Menschen Angst vor den Gestalten in bunten Kleidern mit maskierten Gesichtern? Der Psychologe Frank McAndrew vom Knox College in Illinois hat eine Antwort. In einer Studie mit 1341 Teilnehmern suchte er nach Merkmalen, die einen Menschen gruselig wirken lassen. Gruselfaktor besitzt demnach, wer in unpassenden Momenten lacht, komische Kleidung trägt, dunkle Augenringe und blasse Haut hat. Weiteres Indiz sei zu viel oder zu wenig zur Schau gestellte Emotion. Und: Männer werden als bedrohlicher empfunden. All diese Eigenschaften vereinen Clowns in sich, sagt McAndrew: "Sie sind schadenfroh und unberechenbar, man kann nicht sagen, wer sie wirklich sind oder was sie wirklich fühlen."

Zunutze machte sich diese Einschätzung einer der besten Grusel-Romanciers, Stephen King. Für seinen Roman "Es" (1987) erschuf er den Clown "Pennywise", die Inkarnation des Bösen. Die Neuverfilmung des Buchs soll bald in die Kinos kommen - einer Theorie zufolge sind die Clown-Attacken nur eine aus dem Ruder gelaufene Werbeaktion für den Film. Aber selbst King mahnte kürzlich, die Clowns doch bitte wieder das tun zu lassen, was sie am besten können: Kinder zum Lachen zu bringen.

Quelle: RP
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