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Wesel
Wieder aufgetauchte Heilige können die Fassung verlieren

Wesel. Die wahre Schönheit der Heiligenfiguren ist noch verborgen, dünnes Japanpapier bedeckt große Flächen. Es sieht aus wie Tesa-Film und soll die Farbe davor bewahren, sich vom Holzkörper zu lösen. Die Figuren, die Anfang der 70er Jahre aus Kirchen in Kleve und Rheinberg gestohlen und vor wenigen Tagen an das Bistum Münster zurückgegeben wurden, liegen nun in einer Werkstatt in Wesel. Restauratorin Beate Zumkley wird sie im Auftrag des Bistums aufarbeiten. Und das wird Monate dauern. Von Martina Stöcker

Zumkley hat die Figuren zusammen mit Reinhard Karrenbrock, dem zuständigen Kunstpfleger des Bistums Münster, in Remagen abgeholt. Dort in der Nähe, im Kloster Maria Laach in der Eifel, hatte ein Unbekannter im Februar dieses Jahres zwei Koffer mit elf Heiligenfiguren abgestellt. Auch mit Hilfe des Bundeskriminalamts wurden die Altäre ermittelt, aus denen sie gestohlen worden waren. In Remagen wurden die Figuren direkt mit dem Japanpapier abgeklebt und dann mit Transportfolie umwickelt. "Alles andere wäre fahrlässig gewesen", erklärt die Restauratorin. Denn die Figuren, die im 15. und 16. Jahrhundert in damals sehr renommierten Werkstätten in Antwerpen gefertigt wurden, bestehen aus mehreren Schichten. Der innere Körper ist die geschnitzte Holzfigur, darauf kam eine Leim-, dann eine Kreideschicht und die Vergoldung oder Farbe. "Die Leimung hat sich in all den Jahrhunderten zersetzt", sagt Zumkley. Deshalb droht nun die Bemalung, die sogenannte Fassung, abzuplatzen. Damit das nicht passiert, kamen die Heiligen für zwei Tage in eine Klimabox, um sich langsam an die veränderte Luftfeuchtigkeit zu gewöhnen. Die Restauratorin untersucht sie akribisch nach losen Stücken und leimt sie fest. Das Japanpapier fixiert die äußere Schicht, sonst wäre das Puzzle zu aufwendig.

Der Prophet (Anfang 16. Jahrhundert) und der Apostel (um 1435) werden auf ihre Plätze in St. Peter in Rheinberg und in die Klever Stiftskirche zurückkehren. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden seit den Diebstählen enorm erhöht, sagt Karrenbrock.

Quelle: RP
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