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30. Literaturtage
Rausgehen zum Lesen

Heute beginnen in Düsseldorf die 30. Literaturtage. Zwei Wochen lang wird gelesen und gelesen und gelesen - auch auf der Königsallee. Von Klas Libuda

Preisgekrönte, Debütanten und Experimentierfreudige. Dadaisten, Weltenbummler und Geschichtsschreiber - sie alle kommen nach Düsseldorf. Mehr als zwei Dutzend Lesungen gibt es ab heute und bis zum 19. Juni in der Stadt; die vielen weiteren Autoren, die von Donnerstag bis Sonntag während des Bücherbummels auf der Königsallee lesen, sind da nicht mal eingerechnet. "Weltenkuddelmuddel" lautet das Motto der mittlerweile 30. Literaturtage, und weil bei einem solchen Wirrwarr ja nur allzu schnell der Überblick verloren geht, kommen hier einige Höhepunkte des umfangreichen Programms.

Gila Lustiger über den Terror

Die Frankfurter Autorin lebt seit Jahren in Paris und hat dort die jüngsten Terroranschläge miterlebt. "Erschütterung" heißt das Essay, in dem sie das Erlebte schließlich zu Papier brachte. Gila Lustiger wagt darin den Versuch, dem Terror mit Vernunft zu begegnen. Am 7. Juni, 19 Uhr, stellt sie ihre Arbeit in der Staatskanzlei des Landes NRW vor. Der Eintritt ist frei.

Navid Kermani auf der Balkanroute

An dem Kölner Autor führt zurzeit kein Weg vorbei. Spätestens seit Navid Kermani im vergangenen Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt und bei der Preisverleihung in der Paulskirche zum gemeinsamen Gebet aufrief, gehört er zu den großen deutschen Schriftstellern, deren Meinung gefragt ist, die gehört wird und etwas gilt. Zuweilen wirkte das in letzter Zeit so hochtrabend, dass es fast nervte. Zuletzt etwa schlug Kermani im "Spiegel" als Sommerlektüre Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" vor. Alle Bände im Pappschuber. Darunter macht er's nicht. "Einbruch der Wirklichkeit" ist da schon gegenständlicher - so heißt das Buch, das Kermani am 18. Juni, 19 Uhr, im Kulturzentrum Zakk vorstellen wird. Der 48-Jährige war im Herbst des vergangenen Jahres mit geflüchteten Menschen zwischen Lesbos und Deutschland unterwegs. Auf der Balkanroute sprach er mit Syrern, Afghanen, mit Politikern und Helfern. Der Eintritt zur Lesung kostet acht Euro.

Ilija Trojanows Reise nach Bulgarien

Ilija Trojanow ist in Bulgarien geboren und als Sechsjähriger nach Deutschland gekommen. Nun hat er noch einmal die Heimat seiner Eltern besucht. In dem Roman "Macht und Widerstand" geht er der Frage nach, wie das Land mit seiner kommunistischen Vergangenheit umgeht. Das Buch stellt er am 14. Juni im Gerhart-Hauptmann-Haus vor, der Eintritt ist frei. Moderiert wird die Lesung von Michael Serrer, dem Chef des Literaturbüros NRW, das die Literaturtage veranstaltet. Vielleicht wird er den Schriftsteller auch nach seinem neuesten Wurf fragen. Denn jüngst erschien ein Band von Trojanow, der "Meine Olympiade" heißt. Der Autor hat 80 olympische Disziplinen trainiert - darüber gibt es sicher auch viel zu erzählen.

Astrid Lindgrens Tagebücher

Berühmt ist die schwedische Schriftstellerin für Pipi Langstrumpf, Kalle Blomquist und Karlsson vom Dach. Nun aber sind die Tagebücher der 2002 verstorbenen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren erschienen. "Die Menschheit hat den Verstand verloren" heißt der Band, in dem Lindgrens Eindrücke aus dem Zweiten Weltkrieg gesammelt sind. Die Übersetzerin Gabriele Haefs und die Schauspielerin Manuela Alphons stellen das Buch am 14. Juni im Palais Wittgenstein vor. Eintritt: acht Euro.

Bauerfeind, Nagel und Möglich

Katrin Bauerfeind haben viele schon einmal gesehen - bekannt ist sie nämlich als Fernsehmoderatorin. Bei 3sat ist sie mit "Bauerfeind assistiert ..." auf Sendung und greift prominenten Kulturschaffenden unter die Arme. 2014 erschien ihr Debütroman, nun hat sie ein weiteres Buch geschrieben. "Hinten sind Rezepte drin" versammelt "Geschichten, die Männern nie passieren würden". Termin: 9. Juni im Zakk. Vorverkauf: 14 Euro. Ebenfalls aus dem Fernsehen bekannt ist Manuel Möglich, der am 14. Juni im Zakk auftritt. Möglich bringt den Musiker und Autor Nagel mit, der einst für die Band Muff Potter sang. Gemeinsam wollen sie von ihren Reisen um die Welt berichten. Eintritt: zehn Euro.

Bücherbummel auf der Kö

Von Donnerstag, 9. Juni, bis Sonntag, 12. Juni, bauen Händler und Antiquare auf der Königsallee ihre Stände auf. Begleitet wird der Bummel vom Programm auf einer Hauptbühne und einer Bühne im Zelt. Zudem gibt es jeden Tag Kinderlesungen in einem weiteren Zelt - geeignet für Kinder ab drei oder vier Jahren. Das Programm wechselt stündlich

Wer mutig und schon etwas älter ist, kann am kommenden Samstag ab 18.30 Uhr eigene Texte im Lesezelt für Erwachsene vorlesen. Anmeldung per E-Mail: maren.jungclaus@literaturbuero-nrw.de

Quelle: RP
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