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Apfelsorten
Alte Knacker

Es gibt Apfelsorten, die mehrere Jahrhunderte alt sind. Nicht immer eignen sie sich als Tafelobst - oft sind sie klein und sauer. Von manchen Sorten existieren nur noch wenige Bäume. Von Emily Senf

Der Kaiser-Wilhelm-Apfel hat den Aufstieg geschafft. 1864 hatte ein Pomologe einen Sämling aus der Urdenbacher Kämpe mit in seine Heimat Witzhelden genommen und die damals nur regional verbreitete Apfelsorte deutschlandweit bekannt gemacht. Noch heute tragen Bäume im Rheinbogen zwischen Monheim und Düsseldorf die Frucht, die nach dem ersten deutschen Kaiser benannt wurde - und damit ein Stück Geschichte. Auch die Apfelbäume selbst sind alt, bis zu 150 Jahre, schätzt Umweltwissenschaftler Moritz Schulze von der Biologischen Station Haus Bürgel in dem Naturschutzgebiet. Über 100 verschiedene Sorten wachsen dort, darunter etliche, die nicht im Handel zu kaufen sind.

Alte Apfelsorten sind beliebt, denn viele erinnert ihr Geschmack an die Kindheit - an gemopste Äpfel aus Nachbars Garten und den Kuchen der Großmutter. Im Anbau spielen die Sorten keine Rolle, sind sie zu doch meist zu krankheitsanfällig oder schlecht zu lagern. Doch Naturvereine und Biologische Stationen bemühen sich um den Erhalt der Vielfalt am Baum. Auf den bis zu 300 Hektar großen Streuobstwiesen, die von Haus Bürgel aus betreut werden, stehen hochstämmige Apfelsorten. Die Krone wächst bis auf eine Höhe von zwei bis drei Metern und wird sehr wuchtig. Das sei markant für alte Sorten, sagt Schulze. Im Laufe der Zeit hätten sich eher nieder- und halbstämmige Bäume durchgesetzt. Deren Früchte hängen etwa auf Kopfhöhe und sind damit deutlich leichter zu ernten.

Manche der Bäume alter Apfelsorten - etliche davon sind heute kaum noch bekannt - seien in einem desolaten Zustand oder bereits abgestorben, sagt Schulze. Ihre Früchte eignen sich meist nicht zum Verkauf, weil sie klein und säuerlich sind. Darum werden sie nicht nachgezüchtet. Vom heimischen Förster-Sauer-Apfel etwa, den es seit 80 bis 100 Jahren geben soll, seien in der Umgebung weniger als zehn Bäume vorhanden.

Auch Barbara Bouillon von der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis berichtet von verschwindenden Apfelsorten: "Von manchen gibt es nur noch ein Exemplar." Als älteste noch vorhandene Sorte gelte der Edelborsdorfer aus Sachsen. 1137 sei er erstmals erwähnt worden. Nicht ganz so alt ist der Gravensteiner. Vor 1800 sei er von Schleswig-Holstein aus verbreitet worden. "Bei einigen Sorten ist die Bestimmung von Herkunft und Alter schwierig, weil es kaum Aufzeichnungen gibt", erklärt Bouillon. Das Gebiet, dass sie betreut, gehört zu den Kreisen mit den meisten Streuobstwiesen in NRW. "Ich habe erst nur etwa ein Siebtel der Fläche kartiert, aber schon über 150 Sorten entdeckt."

Mitte September beginnt in der Urdenbacher Kämpe die Erntezeit. Dann sind die meisten Apfelsorten reif. Der Klarapfel aber, der aus Lettland stammt und seit 1850 verbreitet wurde, kann schon jetzt geerntet werden. Die Rote Sternrenette lässt sich noch bis in den Winter hinein Zeit. Die vom Niederrhein stammende Frucht, seit etwa 200 Jahren bekannt, ist erst im November reif und gilt als Weihnachtsapfel.

Die Früchte, die auf Haus Bürgel als Tafelobst verkauft werden sollen, werden von Hand gepflückt. Sind sie für die Saft- oder Schnapsproduktion vorgesehen, schütteln die Mitarbeiter sie von den Bäumen. "Dafür ist es egal, ob sie eine Delle haben", sagt Schulze. In beiden Fällen sei der Arbeitsaufwand groß. Im vergangenen Jahr lag der Ertrag bei zehn Tonnen.

Schulze und seine Kollegen sind bemüht, alte Apfelsorten zu veredeln und zu erhalten. Dafür lassen sie junge wilde Bäume, die zwar kleine, fast ungenießbare Früchte tragen, aber besonders unempfindlich gegen Frost und zudem resistent gegen Pilzbefall sind, mit Stöckchen von Bäumen mit schmackhaften Apfelsorten verwachsen.

Quelle: RP
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