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Amsterdam
Amsterdam führt die Oper in die Gegenwart

Amsterdam. Die Niederländische Nationaloper feiert ihren 50. Geburtstag mit einem Reigen von Uraufführungen und Repertoire-Produktionen auf höchstem Niveau. Von Regine Müller

Zu den wenigen Theater-Orten, wo man so gut wie nie enttäuscht wird, zählt die Amsterdamer Oper. Das Haus an der Amstel ist ein Leuchtturm in der europäischen Opernszene und dominiert die kleine niederländische Opernwelt mühelos. Als der postmoderne Bau 1986 eröffnet wurde, war die Institution "De Nederlandse Opera" erst 20 Jahre alt. Im Vergleich mit Opernhäusern anderer europäischer Metropolen ist sie mit ihren gerade 50 Jahren also relativ jung. Vielleicht liegt es daran, dass hier mehr als in anderen Häusern dieser Größenordnung neueste Musik auf den Spielplan kommt. Und das, ohne die aseptische Aura eines Avantgarde-Tempels auszustrahlen. Denn in Amsterdam werden sehr wohl auch Perlen des Repertoires gegeben, und zwar in oftmals exemplarischen Aufführungen.

Besonders dicht getaktet war diese nun gerade zu Ende gehende Jubiläumsspielzeit, aber in ihrem programmatischen Mix auch typisch für das Haus, das Intendant Pierre Audi nun schon seit 1988 leitet.

Bereits im August war die Uraufführung "Be with me now" im benachbarten Tuschinski-Theater zwar eine Produktion des ENOA (European Network of Opera Academies), aber direkt angedockt und personell unterstützt von der Nationaloper. Im September folgte eine luxuriös besetzte "Rosenkavalier"-Neuproduktion in der ironisch-nüchternen Regie von Jan Philipp Gloger. Im März ging dann erstmals das neu aufgelegte Festival "Opera Forward" unter anderem mit fünf von studentischen Teams geschaffenen Mini-Opern über die Bühne. Höhepunkt des Festivals war die Uraufführung eines Opern-Duos der finnischen Komponistin Kaija Saariaho in der Regie von Peter Sellars mit dem Star-Countertenor Philippe Jaroussky in der Hauptrolle. Parallel zur Neue-Musik-Offensive gab es schwerste russische Opern-Kost: Modest Mussorgskis "Chowanschtschina" in der opulenten Regie des hierzulande sich leider rar machenden Christof Loy mit dem analytischen Ingo Metzmacher am Pult. Und zum Endspurt krönten schließlich zwei in jeder Hinsicht famose Produktionen die Jubiläumsspielzeit: Der begehrte Regisseur Stefan Herheim inszenierte Tschaikowskys "Pique Dame" als furiosen Fiebertraum, und der großartige Mariss Jansons gab im Graben eines seiner seltenen Opern-Gastspiele. Und wenige Tage später kam die Operngroteske "Theatre of the World" des Komponisten Louis Andriessen im Koninklijk Theater Carré - dem ehemaligen königlichen Zirkus - zur umjubelten Uraufführung. Übrigens: "Pique Dame" läuft noch bis zum 3. Juli.

Quelle: RP
 
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