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Düsseldorf
Anpassung an den Klimawandel: Fehlanzeige

Düsseldorf. UN-Experten sehen die Welt schlecht auf die Folgen der Erderwärmung vorbereitet. Umweltministerin regt sparsameres Heizen an. Von Klaus Peter Kühn

Die mehr als 300 Experten aus 70 Ländern des Weltklima-Rats haben eine schlechte und eine gute Botschaft für die Menschheit. Die schlechte ist: Niemand auf der Erde wird von den Folgen des Klimawandels unberührt bleiben, und auf die meisten Risiken der Erwärmung ist die Welt schlecht vorbereitet. Die gute Nachricht ist: Es gibt Antworten auf die Gefahr zunehmender Hungersnöte, wachsender Wasserknappheit und den steigenden Meeresspiegel; freilich ist dieses Krisenmanagement um so schwieriger und kostspieliger, je höher der Temperaturanstieg ausfällt.

Der gestern in Yokohama vorgestellte zweite Teil des Weltklimaberichts benennt die Bevölkerungsgruppen, Wirtschaftszweige und Ökosysteme, die am stärksten in Gefahr geraten, wenn die durchschnittliche Temperatur auf der Erde weiter ungebremst ansteigt. "Die Armen und Verwundbaren wird es am meisten treffen", sagte der Chef der Welt-Wetter Organisation, Michel Jarraud. Er meint vor allem die Menschen in den Entwicklungsländern, die künftig noch weniger in der Lage sein werden, dem steinharten, verdorrten Böden genügend Nahrung für sich abzuringen oder sich wirksam gegen Sturzfluten zu schützen.

Der Wissenschaftsreport, an dem auch 41 Deutsche mitgewirkt haben, sagte als Folge des Klimawandels das Verschwinden vieler Tier- und Pflanzenarten und die Zunahme von Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen voraus – und benennt dabei für die einzelnen Weltregionen unterschiedliche Grade der Wahrscheinlichkeit. Der Bericht sieht auch erste Anzeichen für erfolgreiche Anpassung an den Klimawandel – etwa durch die Schaffung natürlicher Überflutungsgebiete oder neue Versicherungsformen für Ernteschäden. Chris Field, einer der Chef-Autoren, formuliert es so: "Intelligente Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels können uns helfen, eine dynamischere Welt aufzubauen."

Der erste Teil seines Berichts, den der Weltklimarat Ende vergangenen Jahres veröffentlicht hatte, untersucht die Ursachen des Klimawandels und kommt zu dem Schluss, dass mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit der Mensch für die Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich ist. Unter den Experten herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Ökosysteme den Wandel nur dann halbwegs bewältigen können, wenn es gelingt, den Anstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen.

Dieses Ziel erscheint immer schwerer erreichbar, weil die Treibhausgas-Emissionen wachsen und die internationalen Verhandlungen über den Klimaschutz auf der Stelle treten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Eindämmen des Klimawandels als eine überragende Aufgabe. Die Regierung wolle das bis 2015 angestrebte globale Klimaschutzabkommen voranbringen. Bundesumweltministerin Hendricks (SPD) forderte eine Doppelstrategie: Kampf um das Zwei-Grad-Ziel und "zum anderen müssen wir uns auf die Folgen des unvermeidbaren Klimawandels einstellen". Das von Klima-Skeptikern gern genutzte Argument, die Anpassung an den Wandel sei leichter und billiger als dessen Vermeidung, weist die Ministerin ausdrücklich zurück.

Zweifel daran, dass Deutschland sein Ziel von 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2020 erreicht, hält Hendricks für berechtigt. Nötig seien deshalb Sofortprogramme etwa zur Gebäudesanierung, um Heizenergie zu sparen. Es könne aber auch sein, dass die Menschen in Mitteleuropa ihre Lebensgewohnheiten umstellen müssten. Vielleicht heize man Wohnungen dann nicht mehr auf 22 oder 23 Grad, sondern nur auf 20 oder 21 Grad, sagte sie im Deutschlandfunk.

Ein Tempolimit auf Autobahnen und Landstraßen forderte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, um den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß zu verringern. Für die Umweltorganisation WWF bestätigt der Report, dass Deutschland mit der Energiewende den richtigen Weg eingeschlagen hat.

"Brot für die Welt" und die unabhängige Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch fordern vor allem Hilfe für jene Länder, die die Anpassung an den Klimawandel allein nicht finanzieren können. Christoph Bals von Germanwatch fragt nach den von den Industrieländern zugesagten, aber nicht geleisteten Milliarden-Hilfen. Sabine Minninger ("Brot für die Welt") begründet die Dringlichkeit: "Der Klimawandel verschärft die Armut, und nur durch koordinierte Anpassung kann das Schlimmste abgewendet werden."

Quelle: RP
 
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