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Düsseldorf
Archäologie in NRW ist gefährdet

Düsseldorf. Das Land will 2015 aus der Finanzierung von Archäologie und Denkmalpflege aussteigen. Eingespart werden sollen damit zwölf Millionen Euro jährlich. Die Sorge: Der Schaden wäre größer. Von Lothar Schröder

Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte – kurz: DGUF – ist nicht unbedingt das, was man eine Keimzelle des Aufruhrs bezeichnen würde. Doch diesmal gibt es von ihr eine Online-Petition. Einen öffentlichen Einspruch gegen die geplante Sparmaßnahme der rot-grünen Landesregierung: 2015 will diese aus der Finanzierung von Archäologie und Denkmalpflege in unserem Bundesland aussteigen und damit jährlich zwölf Millionen Euro einsparen.

Die DGUF appelliert stattdessen an die besondere Fürsorgepflicht des Staates – gerade für unser kulturelles Erbe. Dass sie die Sparpläne für "verantwortungslos" hält und für ein "fatales Zeichen", ist nicht der reflexhafte Schrei von unmittelbar Betroffenen. Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat dem Land mit diesen Einsparplänen eine "kulturpolitische Bankrotterklärung" attestiert. Wie groß der Schaden und wie weitreichend und unwiederbringlich die Folgen eines finanziellen Rückzugs sein werden, lässt sich kaum abschätzen. Die Regel bislang ist: Bei archäologischen Funden, die bei Baumaßnahmen gemacht werden, müssen die Kosten zwischen dem Land und dem jeweiligen Landschaftsverband von Rheinland und Westfalen-Lippe geteilt werden.

Aber da sind auch noch viele kleine Einzelprojekte, die im Förderumfang sehr überschaubar wirken, aber bei einer Streichung nicht abgefangen werden können. Bestes Beispiel ist der Archäologische Park in Xanten (APX), mit einer Fläche von 60 Hektar eins der größten Freilichtmuseen Europas und mit 600 000 Besuchern jährlich unter den Top 15 der deutschen Museen. Mit knapp 70 000 Euro jährlich unterstützt das Land die archäologische Arbeit dort. Damit werden unter anderem sogenannte Geo-Prospektionen finanziert, Untersuchungen mit Bodenradar, die einen störungsfreien Blick ins Erdreich möglich machen. Und da seit vier Jahren nach der Verlegung einer Bundesstraße große Bereiche der einstigen Römerstadt Colonia Ulpia Traiana neu erschlossen werden können, ist diese Forschung unablässig. Zudem wird das Geld für die Dokumentation der Funde eingesetzt. Ein wichtiger Baustein der Forschungsarbeit; bricht dieser weg, ist anderes auch gefährdet.

Die Ausgrabungen sind das Spektakulärste dieser Förderung. Von immenser Bedeutung ist aber auch die Unterstützung der vielen Baudenkmäler in privater Hand. Dass so etwas künftig Kommunen übernehmen würden, darf bezweifelt werden. Wer wird es sich künftig überhaupt noch leisten können, ein Baudenkmal zu kaufen und zu pflegen, um auf diese Weise der historischen Verantwortung gerecht zu werden?

Wenn eine Baudenkmal-Immobilie zum großen finanziellen Risiko wird, gerät nach Einschätzung der DGUF die historische Bausubstanz zahlreicher Städte in Gefahr. Außerdem sieht der neue Gesetzesentwurf der Landesregierung vor, dass ein Investor, der im Umfeld einer Baumaßnahme eine Grabung erforderlich macht, auch die Kosten dafür tragen muss. Dass vor diesem Hintergrund ein Fund eher verschwiegen wird, dürfte mehr als nur eine vage Befürchtung sein.

Nun gibt es hierzulande auch viele potente Stiftungen, auf die sich in der Not oft der Blick richtet. Doch private Förderinstitutionen, wie etwa die Düsseldorfer Gerda-Henkel-Stiftung, "wären nicht in der Lage, die Zuwendungen der öffentlichen Hand zu kompensieren. Für unser Haus kann ich hier nur darauf verweisen, dass wir leider schon heute rund 80 Prozent aller uns erreichenden Förderanfragen ablehnen", so der Vorstandsvorsitzende der Henkel-Stiftung, Michael Hanssler. Für ihn steht darum außer Frage, "dass die – ja doch recht radikalen – Kürzungspläne wichtige Grabungsprojekte und die Konservierung einmaliger historischer Bausubstanz gleichermaßen gefährden würden". Nach seinen Worten würde der Schaden "für die Erhaltung historisch wertvoller Denkmäler – und damit natürlich auch für den Tourismus in NRW – den erwarteten Nutzen womöglich übersteigen".

Für den Fall, dass die Sparpläne nicht zurückgenommen werden, haben die Forscher der DGUF einen pragmatischen, aber traurig stimmenden Ratschlag: "Künftig werden Funde im Boden besser aufgehoben sein als in den Händen der Archäologen."

Quelle: RP
 
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