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Café Theetuin
Auf eine Tasse Tee ins Paradies

Millingen Aan De Rijn. Mitten im Naturschutzgebiet Millinger Waard an der niederländisch-deutschen Grenze bei Kleve, versteckt sich das Theetuin von Rob Frowijn. Wer dort sitzt, möchte nie mehr fort. Von Jörg Isringhaus (Text) und Jana Bauch (Fotos)

Einmal, so geht eine hübsche Anekdote, besuchten Floor Oskam und Coen van den Boogaard in Laos den Garten eines deutschen Unternehmers. Der Mann führte seine holländischen Gäste stolz durch die üppige Blütenpracht und schwärmte dabei vom Millinger Theetuin. Dessen Garten habe ihn zu seinem eigenen Pflanzenkunstwerk inspiriert. Oskam und van den Boogaard strahlten um die Wette. "Das Theetuin, das sind wir", klärten sie ihren verdutzten Gastgeber auf. Tatsächlich ist das Café, das die beiden Niederländer aufgebaut und mittlerweile an ihren Freund Rob Frowijn übergeben haben, nicht nur in Holland eine Institution - und ein dementsprechend beliebtes Ausflugsziel.

Zumal das Teehaus mitten in einem Naturschutzgebiet liegt, dem Millinger Waard, das allein die Anreise lohnt. Das rund 700 Hektar große Gebiet wurde bis 1990 landwirtschaftlich genutzt, seither aber wieder sukzessive in den Urzustand zurückgeführt. Idee war es, ein Areal zu schaffen, in dem Pflanzen und Tiere sich ungestört ausbreiten können. Rund 150 Galloway-Rinder und Konik-Pferde leben frei auf dem von der Waal, einem Arm des Rhein-Flussdeltas, umspülten Gelände, sorgen für eine natürliche Beweidung. Vom Menschen eingegriffen wird in den Kreislauf nicht. Dafür darf auch er sich frei durch die Landschaft bewegen, sich auf Augenhöhe mit Fauna und Flora einen Weg an den Wasserarmen entlang suchen. Oder er kann das Waard mit dem Fahrrad erkunden.

Auch zum Millinger Theetuin führt keine asphaltierte Straße, kein Parkplatz verschandelt die Natur. Wer bei Rob Frowijn einkehren will, muss zwei Kilometer durchs Waard, zu Fuß oder auf dem Rad. Dafür wird er belohnt mit einer Blumen-Oase, in der Ferner Osten, Orient und Europa stilistisch harmonisch aufeinanderprallen und sich sofort das Bedürfnis einstellt, an einem schattigen Plätzchen das Farben- und Pflanzenmeer zu genießen. "Hier jeden Tag zu arbeiten ist für mich wie ein Geschenk", sagt Besitzer Rob Frowijn.

Ein Geschenk in mehrfacher Hinsicht, traurig und schön zugleich. Coen van den Boogaard hat mit dem Garten an der Waal Anfang der 80er begonnen, eher aus Langeweile. Immer größer wurde das Stück Grün, immer bunter, immer ausgefeilter, bestückt mit Kunst aus aller Welt von ausgedehnten Reisen. Irgendwann kamen die ersten Gartenfreunde und fragten, ob sie mal gucken dürften. Und bald darauf, ob sie auch eine Tasse Tee bekommen könnten. "Da war die Idee geboren, das kommerziell zu nutzen", erzählt Frowijn, der mit van den Boogaard und Oskam befreundet war. Vor Jahren schon impfte Frowijn den beiden ein, sollten sie jemals den Plan hegen, das Theetuin aufzugeben, doch vorher bitte mit ihm zu reden. Das taten sie auch.

Dann jedoch starb Floor Oskam überraschend an den Folgen einer Zahn-OP. Coen van den Boogaard wollte zunächst weitermachen, eröffnete Frowijn aber kurzfristig, dass er das Theetuin haben könne, wenn er wolle. Der 56-Jährige wollte. Das war das erste Geschenk, im vergangenen Jahr. Nur eine Woche nach Saisonstart wurde bei Frowijn Krebs diagnostiziert. Ein Schock. Statt auf sein neues Café musste sich der Niederländer auf seine Heilung konzentrieren. Alles lief gut für ihn. In seine zweite Saison startete Frowijn gesund und voller Tatkraft. Er genieße es, jeden Tag im Theetuin zu arbeiten, in dieser schönen Umgebung zu sein. "Das ist für mich das zweite Geschenk", sagt Frowijn.

Beschenkt werden aber auch die Besucher. Etwas an diesem besonderen Ort, ob man es nun Aura nennen will oder Atmosphäre, überträgt sich sofort auf den Gast, lässt ihn ruhiger werden, abschalten, entspannen. Vielleicht liegt es am ästhetischen Miteinander von Kunst und Natur oder am asiatisch inspirierten Ambiente, das etwas Meditatives vermittelt, vielleicht aber auch an der Herzlichkeit, mit der Frowijn und sein Team jeden begrüßen. "Ich rede gern mit Menschen, mir ist es im Leben immer um Begegnungen gegangen", erzählt er. Davon hat er jetzt mehr als genug. An warmen Sommertagen, vor allem an den Wochenenden, wird es im Theetuin richtig voll. Bis zu 600 Besucher pro Tag können da schon mal vorbeischauen. "Aber das verläuft sich im großen Garten", sagt Frowijn.

Das Gärtnern, gibt er dann gleich zu, die Domäne der Vorbesitzer, muss er sich erst noch aneignen. Bis auf Weiteres arbeitet ein Mathematik-Lehrer aus Kekerdom tageweise als Gärtner im Theetuin und sorgt dafür, dass alles planvoll wuchert und sprießt. Frowijn konzentriert sich vorerst auf die Gastronomie, das Feld, in dem er sich auskennt. Und auch dort legt er Wert auf eine ästhetische Präsentation. "Es ist nicht nur der Magen, der befriedigt werden muss", sagt Fowijn. "Auch die Augen brauchen etwas Besonderes. Das ist wichtig fürs Gemüt."

Quelle: RP
 
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