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Baguette und Bäckchen im alten Bahnhof

Wer die deftige Küche Frankreichs jenseits der nouvelle cuisine mag, sollte ins Meerbuscher "Haus Meer" fahren.

Gut gelegen? Der Standort hat seinen eigenen Reiz. Direkt vorm Haus führt zwar die Straße von Meerbusch-Büderich zu den Stadtteilen Osterath und Strümp vorbei, dahinter liegen die Schienen der K-Bahn. So heißt die Straßenbahn, die von Düsseldorf über Meerbusch nach Krefeld führt. Dennoch: Beides stört nicht. Das eher zierliche Haus, ein früheres Bahnhofsgebäude aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts, ist hübsch-verspielt und verspricht urige Gemütlichkeit, der direkt daneben gelegene Biergarten ist an warmen Tagen sehr beliebt.

Gut geschmeckt? Dass durchweg alles, was auf den Tisch kommt, positiv beurteilt wird, erlebt man nicht alle Tage. Im Haus Meer war es so: Zum krossen Baguette als sofort serviertem Appetithappen gab es nicht irgendwelchen Firlefanz in kleinen Schälchen, sondern eine pikant angerührte Fischkäsecreme - köstlich und das Richtige (leider verführerisch viel) für den ersten Hunger. Als Vorspeise wählten wir Avocados mit Flusskrebsen und ein Rindertatar nach Art des Hauses. Dieses Tatar wird auf der Karte als "grob" bezeichnet, aber jedes Misstrauen ist überflüssig. Denn das erstklassige Fleisch ist so zerkleinert, wie es sich für diese Speise gehört: mit einem höllenscharfen Messer, und nicht in einem Fleischwolf. Die dazu gereichte Mayonnaise und eine leicht gewürzte, pürierte Tomate - beides serviert in Chicoree-Blättern - passten perfekt zum fein angerichteten Rind. Als wir auf der Karte sahen, dass Kalbsbäckchen im Angebot sind, konnten wir nicht widerstehen. Dieses fast fettfreie Fleisch, das aus zwei kleinen Muskeln am Kopf des Tieres stammt, wird traditionell lange geschmort und dann mit Gemüse gereicht. Unsere Erwartungen wurden erfüllt: Das Messer war überflüssig, die saftigen Fleischstücke waren leicht mit der Gabel zu zerlegen. Ein gut abgeschmecktes Püree aus Kartoffeln passte hervorragend zu dieser Spezialität, zumal sie in einer Sauce gereicht wurde, die Oma selig nicht besser hätte hinkriegen können.

Den Preis wert? Am Ende zahlten wir für zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte, eine Flasche Mineralwasser und zwei Gläser Weißwein ("Entre deux mers") knapp über 70 Euro. Das ist angesichts der Qualität angemessen. Die Vorspeisen stehen mit 14,50 Euro (Tatar) und 12,80 Euro (Avocado mit Flusskrebsen) auf der Karte. Die Kalbsbäckchen wurden mit 17,50 Euro berechnet, und den Flammkuchen, den wir als zweite Hauptspeise aus reiner Neugier orderten (wir waren nach den Vorspeisen längst satt und wollten zu den ohnehin geteilten Kalbsbäckchen nur noch eine Kleinigkeit), kostete 10,80 Euro.

Überraschend? Das waren die Flammkuchen. Wir ließen uns einen auf die klassische Methode zubereiten - also mit Schinkenwürfeln, saurer Sahne und frischen Zwiebeln. Dazu ein Glas Wein - mehr braucht es nicht zum Wohlfühlen. Und noch was: Normalerweise lassen wir Salat links liegen - oft ist er lieblos zurechtgezupft, wegen zu großer Stücke nicht unfallfrei zu essen, häufig schon labberig und mit langweiliger Sauce. Im Haus Meer hatte jemand in der Küche genau das vermieden - knackig-frisch, selbst die großen Blätter gabel- und mundgerecht portioniert, mit einer köstlichen Vinaigrette. Zum ersten Mal seit langem haben wir den Salat, der zum Tatar gereicht wurde, komplett verspeist.

Gut bedient? Ja. Der Service (am Abend, als wir dort waren, rein männlich) war von angenehm zurückhaltender Freundlichkeit und sehr kompetent.

Fazit Daumen nach oben. Bitte so weitermachen und bis demnächst - auf einen Flammkuchen mit einem Wein und einen Teller Bouillabaisse.

Info Haus Meer, Moerser Str. 129 a, Meerbusch-Büderich; Reservierungen: 02132 7567888; Küche täglich von 18 bis 22 Uhr

Quelle: RP
 
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