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Barocke Experimente: Johann Jacob Froberger

Klassik Johann Sebastian Bach war ein Genie, trotzdem lebenslang voller Hochachtung für seine kompositorischen Vorfahren. Ihre Werke hat er studiert, geschätzt, aufgeführt und gewiss auch weiterempfohlen. Vor genau 400 Jahren wurde ein Meister geboren, den Bach zu seinen spirituellen Ahnen schätzte, der aber heute kaum bekannt ist - oder wenn, dann unter Experten. Die aber wissen (vor allem wenn sie sich für musikalische Formen interessieren) mit dem Namen Johan Jacob Froberger sehr viel anzufangen.

Die Suite als solche hat er entscheidend nach vorne gebracht, eine epochale Leistung. Froberger, der von 1616 bis 1667 lebte, stammte aus Stuttgart, sein Vater war Leiter der dortigen Hofkapelle. Die Familie erlebte die Wirren des dreißigjährigen Kriegs, die Eltern starben an der Pest. Seine Ausbildung bekam er in Wien, wo er alsbald auch eine Anstellung als Organist bei Hof bekam; doch weil er einen sehr großzügig vermessenen und keineswegs engen Horizont hatte, schulte er sich weiter, etwa bei Girolamo Frescobaldi in Italien.

Er reiste durch Europa, hatte intensive Kontakte zu Kollegen etwa Louis Couperin oder Matthias Weckmann. Als er zurück nach Wien kam, hatte Kaiser Leopold I. die Hofkapelle dezimiert. Später lebte und wirkte er als Musikus bei der musikbegeisterten Herzogin von Württemberg-Mömpelgard. Seine Cembalokompositionen sind keine Musik für Insider, sondern für Menschen ohne Schubladendenken. Sie atmen eine Frische und einen Erfindungsreichtum, dem mitunter etwas Experimentelles innewohnt.

Seit mehreren Jahren hat sich der niederländische Cembalist und Organist Bob van Asperen (Schüler des großen Gustav Leonhardt) beim Label Aeolus der Gesamtaufnahme der Werke für Tasteninstrumente Frobergers verschrieben und legt nun die finale Folge seines Projekts vor. Sie heißt "Toccata" und ist zum einen blitzsauber, zum anderen mit jener denkräumlichen Freiheit musiziert, die diese Musik braucht. Eine Kostbarkeit sind die als Welt-Ersteinspielung vorliegenden geistlichen Motetten mit den Sängern Mieke van der Sluis, John Elwes und Klaus Mertens.

Wolfram Goertz

Quelle: RP
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