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Musikalische Tipps für die Region
Bei Hitze ins Orgelkonzert

Bei Hitze ins Orgelkonzert
In unserer Region gibt es zahllose großartige Orgeln. Gerade im Sommer locken hochrangige Konzerte das Publikum. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. In unserer Region gibt es zahllose großartige Orgeln. Gerade im Sommer locken hochrangige Konzerte das Publikum. Von Wolfram Goertz

Unter der Woche ist es vielerorts unmöglich, dass Menschen, die nach Besinnung suchen, aus ihrem lauten Alltag in die stille Welt einer Kirche eintauchen können. Zahllose Gotteshäuser sind aus berechtigter Angst vor Vandalen und Dieben geschlossen, sie öffnen nur zu den Gottesdiensten.

Oder zu Orgelkonzerten. Man hört die Musik meist schon aus der Ferne, wenn der Organist - sofern die Orgel das entsprechende Volumen besitzt - den Tutti-Knopf gedrückt hat und mit der legendären Widor-Toccata auch den Marktplatz überflutet. In diesen Tagen spenden Orgelkonzerte noch einen weiteren Luxus: Sie gewähren Kühle, denn in Kirchen ist es meist schattig.

Die König-Orgel wird restauriert FOTO: Kaiser, Wolfgang

Nicht grundlos jammern Musiker im Januar gern über Zipperlein des Bewegungsapparates, wenn sie im Dezember bei Weihnachtskonzerten (für ein oft nur mäßig wärmendes Honorar) in "kalten Kirchen" gespielt haben. Dieses sakrale Klima verwandelt sich im Juli oder August zu einem unschlagbaren Vorteil: In Kirchen ist man vor der beißenden Sonne und der weichmachenden Schwüle geschützt. In mancher Kirche scheint der Pfarrpatron allerdings ganzjährig ein Eisheiliger.

Ohnedies ist Orgelkonzerten ein besonderer Charakter eigen. Es handelt sich nicht um Flair, nicht um Charme, sondern um Strenge. Der Zuhörer sitzt in einer ergonomisch meist suboptimalen Kirchenbank und schaut Richtung Altar, während hoch und hinten über ihm ein Organist im Unsichtbaren ätherische oder klirrende Klänge wie vom Himmel schickt. Es gibt kaum einen Moment, da ein Mensch sich zugleich so klein und so erhoben fühlt, wenn sich in einem großen Bach (beispielsweise Fantasie und Fuge g-Moll) das kunstvolle Stimmengeflecht zusammenzieht wie eine komplizierte chirurgische Naht.

Die reiche Region Orgelkonzerte sind in unserer Region ein wichtiger Faktor des Musiklebens, den manche unterschätzen. Gerade das Rheinland ist reich an kostbaren Orgeln aus allen Jahrhunderten - flammneue Geschosse und historische Schätzchen, manche riecht noch nach Holz, andere sind bereits verwelkt. Man sollte auch nicht glauben, dass das Rheinland arm wäre an repräsentativen Orgelbauer-Serien, wie man sie von Arp Schnitger oder der Familie Silbermann kennt. Auch hier gibt es betagte Kleinodien.

Das ist die Basilika in Kevelaer FOTO: Seybert

Düsseldorfs Schätze Manche Orgelkonzert-Reihe ist schon steinalt und erfreut sich trotzdem jugendlicher Beliebtheit. Dazu zählt die Serie der "Sommerlichen Orgelkonzerte" in der Düsseldorfer Neanderkirche, die Oskar Gottlieb Blarr gegründet hatte; Organisten der Stadt zeigen vom 29. Juli an (immer mittwochs um 18.30 Uhr), was sie in Händen und Füßen haben. Düsseldorfs Orgellandschaft ist ohnedies bedeutend, von der französisch-romantisch disponierten Kathedral-Orgel bis zum norddeutschen Barock-Juwel gibt es hier vieles von hohem klanglichen Rang. Das kann man bald auch hören: Auf der spektakulären Rieger-Orgel der Lambertus-Basilika spielt am Montag, 3. August, 19.30 Uhr, Vincent Rigot aus Paris. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es an jedem Samstag um 11.30 Uhr die "Orgelmusik zur Marktzeit" in der Maxkirche und die "Sonntagsorgel" um 16 Uhr in der Andreaskirche: solche Vielfalt auf engem Raum bekommt man sonst nur in Paris geboten, der Welthauptstadt der Orgeln.

Apropos Marktzeit: Ähnliche Samstagsreihen gibt es auch im Weseler Dom (wieder am Samstag, 1. August, 12 Uhr, mit Hye-Kyoung Kang aus Duisburg) und in der Mönchengladbacher City-Kirche (wieder am 15. August, 12 Uhr; dann spielt Stephanie Borkenfeld-Müllers ein Programm mit "Marianischer Orgelmusik").

Es schnitgert in Kempen Hohen Rang und ebensolche Treue der Zuhörer zeichnet die Orgelkonzerte in Kempen aus, sowohl in der Propstei-Kirche mit der schönen Albiez-Orgel als auch in der Paterskirche (im Kulturforum Franziskanerkloster) mit ihrer kostbaren König-Orgel. In der Paterskirche wird am Freitag, 4. September, 20 Uhr, der famose Holländer Peter Westerbrink auftreten, der in seinem Groninger Alltag selbst täglich mit Arp-Schnitger-Orgeln zu tun hat. In Kempen wird er norddeutschen Orgelbarock spielen.

Ostfriesland und seine Kirchenorgeln FOTO: dpa

Korschenbroichs Tradition Pilgerstatus besitzt bei Orgelfreaks auch die Andreaskirche in Korschenbroich, wo ein wuchtiges, klanglich überaus reichhaltiges Instrument der Firma Fischer & Krämer steht. Schon die berühmtesten Organisten hat es zu Zaubereien verführt. Alljährlich gibt es Orgelwochen, denen ein Wettbewerb für Nachwuchs-Organisten angeschlossen ist. Am Sonntag, 16. August, 17 Uhr, spielt Agata Lichtscheidel, die den Wettbewerb des Jahres 2013 gewonnen hat.

"Mein Bach" Eine schöne Konzertreihe kreiert alljährlich auch Reinhold Richter, Kantor an St. Helena in Mönchengladbach-Rheindahlen. So wird am Sonntag, 13. September, 17 Uhr, Susanne Titz, Direktorin des Mönchengladbacher Abteiberg-Museums, in einem Gespräch Auskunft über ihre Lieblingswerke von Johann Sebastian Bach geben. Richter wird dazu die entsprechenden Kompositionen des Thomaskantors aufführen (etwa Triosonate C-Dur, Passacaglia c-Moll).

Organisten-Luxus in Altenberg Imposant kommt stets das Konzertprogramm im Altenberger Dom daher, wo am kommenden Donnerstag um 20 Uhr das Orgelfestival 2015 beginnt: Etienne Walhain aus Tournai spielt Werke von Bach und César Franck.

Das großartige Monster Die Seifert-Orgel in der Marienbasilika Kevelaer ist eine der größten Orgeln Europas, und so klingt sie auch - wer sie einmal gespielt hat, vermisste irgendwie den Anschnallgurt. Mancher nennt sie ehrerbietig und zugleich fasziniert "das Monster" unter den Orgeln in NRW. Dort gastiert im Orgelkonzert am Sonntag, 19. Juli, 16.30 Uhr als renommierter Gast Dimitri Dvortsov aus St. Petersburg.

Quelle: RP
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