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Köln
580 Euro für Studentenbude in München

Köln. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat einen Mietpreisindex für Studenten entwickelt, der die Kosten am Beispiel einer studentischen Musterwohnung für elf Uni-Städte ausweist. Am teuersten ist für Studenten München. Von Nicole Scharfetter

Jana und Hauke studieren in Bonn, sie sind beide 21 Jahre alt und auf der Suche nach einer Wohnung. Zum Wintersemester 2016 wollen die beiden zusammenziehen, haben dafür jetzt schon gut ein halbes Jahr vorher im Internet ein Inserat aufgegeben. Die Warmmiete darf das Budget von 550 Euro nicht überschreiten, und am liebsten hätte das Paar eine Wohnung in der Nähe der Uni mit guter Busanbindung. Eines ist den Bonnern noch ganz wichtig: In der Wohnung sollte bereits eine Küche eingebaut sein, weil sie gern für ihre Freunde kochen.

Die Wünsche klingen bescheiden - sollte man meinen. Aber Studenten wie Jana und Hauke haben es auf dem Wohnungsmarkt zunehmend schwer. Das ergibt der neue Mietpreisindex, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gemeinsam mit der Deutschen Real Estate Funds (DREF) und Immobilien Scout 24 erarbeitet und jetzt vorgestellt hat. Studenten konkurrieren nämlich nicht nur mit anderen Studenten; die Zahl der Singlehaushalte steigt. Berufseinsteiger zieht es in die Großstädte, weil es dort auf dem Arbeitsmarkt einfacher für sie ist, Senioren wollen in der Stadt leben wegen der guten Einkaufsmöglichkeiten, der Freizeitangebote, des öffentlichen Nahverkehrs und der medizinischen Versorgung. Und mittendrin sind die Studenten, die im Schnitt ein niedrigeres Einkommen und eine schlechtere Bonität haben als Senioren und Berufstätige.

Für den Mietpreisindex wurden elf Städte untersucht. Um diese vergleichbar zu machen, ist eine Musterwohnung definiert worden: 30 Quadratmeter, unmöbliert aber mit Einbauküche. Die Wohnung sollte Baujahr 1995 sein und im Umkreis von 1,5 Kilometern zur Uni liegen. Am meisten zahlten Studenten im zweiten Halbjahr 2015 in München, nämlich 580 Euro. Mit 329 Euro am günstigsten wohnten Studenten in dieser Zeit in Bochum. Dort verzeichneten die Wissenschaftler mit sieben Prozent auch den niedrigsten Mietpreisanstieg seit 2010. In Berlin dagegen sind die Preise am stärksten in die Höhe geschossen - in fünf Jahren um fast 30 Prozent. Die Hauptstadt wird immer beliebter, die Zahl der Single-Haushalte mit Bewohnern im Alter zwischen 18 und 29 Jahren stieg zwischen 2012 und 2014 um fünf Prozent. Dem steht eine vergleichsweise geringe Ausweitung des Wohnungsbestands um lediglich 1,3 Prozent seit 2010 gegenüber. Ein kleiner Trost für alle, die in Berlin studieren wollen: Trotz der stark gestiegenen Mieten ist eine Wohnung in der Hauptstadt mit 386 Euro immer noch rund 30 Prozent billiger als eine in München. Und auch in Frankfurt, Stuttgart, Bonn, Hamburg, Köln und Bremen zahlen Studenten teilweise immer noch deutlich mehr (zwischen fünf und 119 Euro) als in Berlin.

Die Mieten in den meisten untersuchten Städten sind für Studentenwohnungen sogar stärker gestiegen als die auf dem Gesamtmarkt. Lediglich in Frankfurt und Köln entwickelte sich der Markt für studentisches Wohnen unterdurchschnittlich beziehungsweise parallel zum Gesamtmarkt. Und das, obwohl Studenten in der Regel von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt sind. Sie trifft die Preissteigerung besonders hart. Der Druck auf die Studenten soll sogar noch weiter ansteigen. Laut IW-Gutachten wachsen die Großstädte immer weiter, der Wohnungsbau allerdings bleibt im Vergleich dazu deutlich zurück. In Köln, Berlin oder Frankfurt hat sich die Zahl der inserierten Wohnungen von 2010 bis 2015 teilweise um ein Drittel verringert. Das Angebot wird immer kleiner, dazu steigen die Studienanfängerzahlen. Immer mehr Studenten konkurrieren um eine geringere Anzahl an Wohnungen. Erst 2020 wird sich nach Angaben der Forscher die Lage auf dem Wohnungsmarkt wieder beruhigen, weil dann die Zahl der Studenten in vielen Städten ihren Höhepunkt erreicht haben soll.

"Bislang gab es keine verlässlichen Daten zur Mietpreisentwicklung des studentischen Wohnungsmarktes in Deutschland. Das ändert sich mit diesem Index", sagt Felix Bauer von der Deutschen Real Estate Funds. Im September 2016 sollen die Daten aktualisiert und der Kreis der betrachteten Städte erweitert werden.

Quelle: RP
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