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Düsseldorf
Abi - und was jetzt?

Düsseldorf. Am 15. Juli ist für zulassungsbeschränkte Studiengänge Bewerbungsschluss. Auch wenn die Zeit drängt: Nicht jeder Abiturient weiß, was er studieren will. Wir geben Tipps, wie die Entscheidung leichter fallen kann. Von Isabelle de Bortoli

18.044 Studiengänge wurden im Wintersemester 2015/16 an deutschen Hochschulen angeboten. Davon überrollt werden vor allem die Abiturienten, die noch keinen genauen Plan haben. Aber die Zeit drängt: Für zulassungsbeschränkte Studiengänge ist am 15. Juli Bewerbungsschluss. Wir geben Tipps, wie Abiturienten auch auf den letzten Drücker ihre Zukunft planen und Ordnung in das Chaos bringen können.

Vorbereitung Zwei Monate haben Abiturienten jetzt Zeit, sich über ihren Studienwunsch klar zu werden: Also hinsetzen und sich mit seinen persönlichen Voraussetzungen befassen. Was sind meine Interessen? Wofür kann ich mich begeistern, und wofür würde ich mich anstrengen? Gibt es ein Berufsziel, das ich unbedingt erreichen möchte? Danach ist ein erster Anlaufpunkt die Website www.hochschulkompass.de. Dort finden sich alle Studiengänge in Deutschland. Gut für einen ersten Überblick - aber auch ziemlich verwirrend. "Das Fächerangebot ist enorm gewachsen", sagt Studienberaterin Karin Wilcke aus Düsseldorf. "Dort kann man sich erste Inspirationen holen, genauso wie bei Studienwahltests." Das "Borakel" der Ruhr-Uni Bochum zum Beispiel sei empfehlenswert, meint Wilcke. Das Ergebnis gibt aber lediglich eine grobe Richtung vor und sollte nicht als "Gottesurteil" gesehen werden.

Erkundungstour Steht eine Studienrichtung fest, sollte man Tage der offenen Tür der Unis besuchen, zur Studienberatung gehen oder einfach mal eine der in Frage kommenden Hochschulstädte besuchen - freie Zeit haben die Abiturienten ja jetzt. Schließlich spielt auch der Standort der Uni eine große Rolle in Sachen Wohlfühlfaktor. Man kann sich einfach in Vorlesungen setzen, Studenten befragen und sich die Stadt ansehen. So lernt man auch Kultur- und Freizeitangebote sowie die Lage der Uni kennen.

Entscheidung Irgendwann muss eine Entscheidung getroffen werden. Schließlich rückt der Bewerbungsschluss immer näher. "Ich beobachte eine Art Panik und Widerwillen bei den Schülern, sich auf ein Studium festzulegen", sagt Studienberaterin Karin Wilcke. Dabei geht es jetzt noch um gar keine berufs-bestimmende Entscheidung: "Man sucht sich einen Bachelor-Studiengang, der den eigenen Interessen entspricht. Es ist also eine Wahl für gerade mal drei Jahre. Und mit jedem Studium stehen einem mannigfaltige Möglichkeiten offen: Ein Biologe oder Ingenieur kann beispielsweise auch noch Patentanwalt werden oder ein Mediziner in der Medikamentenforschung arbeiten", sagt Karin Wilcke.

Bewerbung Bei den Unis bewirbt man sich auf ein zulassungsbeschränktes Fach online bis 15. Juli. Auch für die zentral zu vergebenden Studienplätze in Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin gilt diese Deadline. Die Unterlagen allerdings werden online eingereicht unter www.hochschulstart.de. Vergeben werden die Studienplätze dann nach dem Numerus clausus, also der Abiturnote. Je nach Stadt können die Zulassungen variieren. Ein Studienfach kann an einer großen und extrem beliebten Uni wie etwa Köln zulassungsbeschränkt sein - an einer kleineren Hochschule aber zulassungsfrei.

Wie groß die Chancen in verschiedenen Fächergruppen und Fächern sind, hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in einer aktuellen Studie untersucht. Beispiel Betriebswirtschaftslehre: In NRW gibt es kein zulassungsfreies Angebot an einer Universität. An der FH Bielefeld jedoch kann man zulassungsfrei BWL studieren. Und auch die NCs unterscheiden sich beträchtlich: An der Ruhr-Uni Bochum lag der NC für BWL im Wintersemester 14/15 bei 2,9, an der Uni Köln dagegen bei 1,7, in Münster bei 2,1. Weitere Ergebnisse der Studie: Das Fach Maschinenbau lässt sich auch mit einer schlechteren Abinote oder zulassungsfrei an vielen Standorten studieren. Für Psychologie braucht man dagegen einen Einser-Schnitt. Biologie wird beispielsweise nirgendwo NC-frei angeboten, die erforderlichen Noten liegen beispielsweise bei 2,5 in Bochum und 3,0 in Düsseldorf.

Einschreiben Wenn die Bewerbungen abgeschickt sind, ist die Entscheidungsfindung noch nicht vorbei. Denn man sollte sich jetzt schon die Frage stellen: Was tun, wenn mehrere Zusagen im Briefkasten landen? Was ist meine Priorität, und wovon mache ich meine Entscheidung abhängig? Nehme ich direkt die erste Zusage an, egal was danach noch kommen mag? Auf jeden Fall ist es wichtig, sich fristgerecht einzuschreiben, sonst verfällt die Zulassung.

Studienplatzbörse Sollten nur Absagen ins Haus flattern, nicht in Panik verfallen. Bei der Studienplatzbörse werden sämtliche Studiengänge registriert, die nach Abschluss des Zulassungs- und Nachrückverfahrens noch freie Plätze haben. Aber wer auf Nummer sicher gehen will, der sollte einen Plan B in der Hinterhand haben. Nur für den Fall, dass es auch bei der Studienplatzbörse nicht klappen sollte.

Alternative Wenn es doch lieber praktisch weitergehen soll nach dem Abi, dann ist es auch noch nicht zu spät, sich einen Ausbildungsplatz zu suchen. Die Agentur für Arbeit, die IHK und die Handwerkskammern helfen dabei. Vor allem kleinere Betriebe haben noch offene Stellen. "Eine Ausbildung ist auch ein Sprungbrett, um erwachsen zu werden", sagt Karin Wilcke. Damit spielt sie auf das junge Alter der heutigen Abiturienten an. "Oft hilft die Ausbildung auch bei der Entscheidung, was man anschließend noch studieren möchte."

Quelle: RP
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