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Paderborn
An der Uni Paderborn wachsen "intelligente" Pflanzen

Paderborn. Etwas "durch die Blume sagen" ist ein altes Sprichwort; in Zukunft können sich die Blumen allerdings selbst artikulieren. Von Merlin Bartel

Auch wenn sie nicht sprechen können wie der Mensch, so können Pflanzen bald mit Robotern und Menschen kommunizieren: An der Uni Paderborn forschen seit 2015 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, Dänemark und Polen im Projekt "flora robotica" an "intelligenten" Pflanzen.

"Diese Pflanzen sollen von Robotern angeleitet unsere Städte architektonisch beleben", sagt Heiko Hamann vom Heinz-Nixdorf-Institut der Universität Paderborn. Die möglichen Einsatzfelder reichen dabei von kontrolliert begrünten Wänden bis hin zu Häusern aus lebender Biomasse. Hierfür entwickelt das internationale Forscherteam sogenannte "biohybride Gesellschaften" aus Roboterschwärmen und Pflanzen. Diese neuartige Technologie ermöglicht erstmals eine Kommunikation zwischen Menschen, Pflanzen und Robotern auf hohem Niveau.

Dieses Netzwerk ist gleichzeitig aber auch die größte Herausforderung innerhalb des Projekts. Die beteiligten Informatiker, Robotiker, Zoologen, Zellbiologen, Mechatroniker und Architekten haben dazu Kommunikationskanäle entwickelt, die das Wachstum der Pflanzen beeinflussen können. "Die Roboter können den Pflanzen mitteilen, in welche Richtung sie wachsen sollen", erklärt Hamann. "Die Pflanzen können wiederum den Robotern mitteilen, was sie dafür brauchen - etwa Wasser oder Licht."

Die Roboter übernehmen des Weiteren die Rolle als Dolmetscher zwischen Menschen und Pflanzen. "Wir können erstmals gezielt und geplant an einer Pflanzenarchitektur arbeiten", sagt Juniorprofessor Hamann. Forscher profitieren von dieser Vermittlung: Sie erhalten in Echtzeit Informationen über den Zustand der Pflanzen. Herrscht zum Beispiel Nährstoffmangel, können sie darauf reagieren und auf diese Weise negative Folgen präventiv bekämpfen. Umgekehrt können auch die Wissenschaftler über die Roboter Pflanzen Informationen zukommen lassen und somit Einfluss auf die architektonische Form nehmen.

Schon heute finden Roboter vermehrt Einsatz, um das Pflanzenwachstum zu beeinflussen - unter anderem in automatisierten Gewächshäusern. Bei "flora robotica" handelt es sich allerdings um eine Weiterentwicklung dieser Technologie: Die Roboter werden zu einer Art "Baumeister", die durch ihre Befehle intelligente Pflanzen schaffen, welche dabei helfen sollen, nachhaltige Städte aufzubauen.

Einige der Roboter sind stationär, andere bewegen sich, um mit dem Pflanzenwachstum Schritt zu halten. In den bisherigen Experimenten wurde das Zusammenspiel von Roboter und Pflanze bereits erfolgreich getestet, darunter Bambus, Bananen und Tomaten. Mit insgesamt rund 3,6 Millionen Euro wird das Projekt durch das "Horizont 2020"-Forschungsprogramm der Europäischen Union gefördert.

Quelle: RP
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