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Düsseldorf
Wichtige Fragen vor der Bewerbung

Hintergrund: Zehn Todsünden bei der Online-Bewerbung
Hintergrund: Zehn Todsünden bei der Online-Bewerbung FOTO: tmn
Düsseldorf. "Erkenne dich selbst", so stand es am Apollotempel in Delphi geschrieben. Auch wer heute nach dem Hochschulexamen eine Stelle sucht, sollte zunächst einmal in sich gehen. Und sich selbst einige Fragen beantworten - ehrlich. Von Karin Wilcke

"Ich weiß überhaupt nicht, was ich werden will." Dieser Gedanke befällt mehr Absolventen, als Sie denken. Zeit, sich mit den beruflichen Möglichkeiten Ihres Studienfachs zu beschäftigen. Das Internet, Jobportale, Bücher zum Thema, Infoveranstaltungen und natürlich der Career-Service Ihrer Hochschule verschaffen Ihnen einen guten Überblick. Und nun:

Fragen Sie sich, was Sie können! Fragen Sie nicht umgekehrt: Was gibt es denn, wo ist was frei, wer würde mich nehmen? Das ist eine Bittstellerhaltung, die sich sehr leicht aus unspezifischen Bewerbungen ablesen lässt. Wie kommt wohl die Bewerbung eines Kunsthistorikers im Museum an, der nach "einer Stelle" fragt, ohne sich vorher Gedanken darüber zu machen, ob er dort als Wissenschaftler für eine bestimmte Epoche oder einen Sammlungsteil, als Pressereferent oder als Museumspädagoge arbeiten will? Bewerbungen müssen auf ein klares Berufsbild, eine bestimmte Tätigkeit zielen, um erfolgreich zu sein. Doch zurück zu Ihrer Entscheidungssituation:

Ihre "hard skills" Was können Sie, was bieten Sie einem Arbeitgeber an? Schreiben Sie auf, was Sie in Ihrem Studium gelernt haben. Hier geht es um Ihre belegbaren Fähigkeiten und Fachkenntnisse. Haben Sie dieses Wissen schon einmal in einem Praktikum erprobt oder erweitert? Was hat Ihnen in Ihrem Studium Spaß gemacht? Welche Lehrveranstaltung ist Ihnen besonders positiv im Gedächtnis und warum? Für welche Themen haben Sie sich begeistert? Gab es einen Studienschwerpunkt? Warum haben Sie den gewählt?

Ihre "special skills" Was können Sie sonst noch? Es kommen die Dinge auf die Liste, die nicht Gegenstand Ihres Studiums waren: Fremdsprachen, Auslandserfahrungen, Computerkenntnisse, Erfahrungen aus Praktika und Nebenjobs wie zum Beispiel Veranstaltungsorganisation, Präsentationstechniken, Umgang mit Datenbanken und so weiter. Hier kommt bestimmt auch noch eine Menge zusammen. Das MS-Office-Paket ist Ihnen zu banal? Nein, ist es nicht, schreiben Sie es auf.

Ihre "soft skills" Nun müssen Sie vielleicht länger nachdenken, denn es geht um Ihre Persönlichkeit. Und hier gilt es, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Es ist nicht hilfreich, ein Idealbild von sich zu entwerfen oder eines, von dem Sie denken, dass Arbeitgeber es mögen würden. Es geht schließlich um eine Stelle, die zu Ihnen passen soll, nicht zu einem geschönten Bild, das Sie von sich haben. Sind Sie ein Teamplayer oder arbeiten Sie lieber allein? Übernehmen Sie gern Verantwortung oder ist das für Sie eine Last? Arbeiten Sie gern selbstständig oder haben Sie gern klar umrissene Aufgaben? Sind Sie gern unterwegs, eventuell auch im Ausland, oder sind Sie doch eher ortsgebunden? Sind Sie eher extrovertiert oder introvertiert? Stehen für Ihren Lebensplan eher Sicherheit oder Abenteuerlust im Vordergrund? Was sehen Sie als Ihre größte Stärke, als Ihre wichtigste Begabung an?

Wenn Sie darauf auf Anhieb keine Antwort wissen, fragen Sie ein paar enge Freunde. Was schätzen die an Ihnen? Sind Sie ein guter Zuhörer? Können Sie andere motivieren? Sind Sie als der Organisator bekannt? Helfen Sie gern?

Ihre Liste der "soft skills" hat zwei Funktionen: Die eine, offensichtliche ist: Welche positiven Eigenschaften präsentiere ich einem zukünftigen Arbeitgeber? Hier findet sich im Grunde alles, was Sie auch in Stellenanzeigen lesen - wie teamfähig, belastbar, flexibel, lösungsorientiert, kommunikativ.

Die andere Funktion ist die, Ihnen bei der Wahl Ihres Berufs zu helfen. Nicht alles, was Sie hier über sich selbst gesammelt haben, ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Wenn zum Beispiel Sicherheit für Sie das Wichtigste ist und Ihnen der Gedanke an eine freiberufliche Tätigkeit mit unsicherem Honorar den Schlaf raubt, ist wahrscheinlich eine Arbeit im Öffentlichen Dienst das Richtige für Sie. Doch Sie sollten sich hüten, in der Bewerbung den Sicherheitsaspekt zur Sprache zu bringen, sondern die inhaltlichen Qualitäten der Stelle betonen.

Was erwarten Sie von Ihrem zukünftigen Beruf? Was wollen Sie tun? Forschen? Kreativ sein? Budgets verwalten? Mit Personal zu tun haben? Und wie steht es um Ihre ethischen Grundsätze? Ist Ihnen Nachhaltigkeit wichtig? Faire Produktionsbedingungen? Wenn Sie das mit ja beantworten, müssen Sie Ihre potenziellen Arbeitgeber doppelt kritisch ansehen. Sind nun alle Aspekte zusammengetragen, haben Sie damit die Eckdaten für die Beschreibung eines Jobs, um den Sie sich bewerben würden. Was davon findet sich in Stellenausschreibungen? Welche Tätigkeit reizt Sie besonders? Und jetzt: Schreiben Sie Ihre Bewerbung!

Quelle: RP
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