| 07.50 Uhr

Düsseldorf
Bier statt Bio und BWL

Düsseldorf. In Würzburg kann man den "Space Master" machen, Sorabistik in Leipzig ist weltweit einmalig. Wir stellen ungewöhnliche Fächer vor. Von Isabelle de Bortoli

Germanistik, BWL und Jura kennt jeder. Aber Brauwesen, "Edelstein und Schmuck" sowie Gamedesign? Auch das sind reguläre Fächer an deutschen Hochschulen. Wer sich durch das Fächerangebot der Unis klickt, findet noch weitere hochspezialisierte Studiengänge: Etwa "Cruise Tourism Management" in Bremerhaven, "Jiddisch" in Düsseldorf oder "Ecumenical Studies" in Bonn. "Die Hochschulen stehen heute in einem Wettbewerb um die besten Studenten", sagt Karin Wilcke, Studien- und Berufsberaterin in Düsseldorf. "Die Studiengänge müssen deshalb auch möglichst interessant klingen." Hochspezialisierte Angebote sind ein Alleinstellungsmerkmal für die jeweilige Hochschule. So kann sie sich im Wettbewerb mit anderen profilieren. Die besonderen Lehrangebote werden dort geschaffen, wo die Hochschulen stark in der Forschung sind, es also entsprechende Kompetenzen gibt.

"Orchideenfächer gab es schon immer", sagt Beraterin Wilcke. "Dies sind meist Nischenfächer wie Orientalistik oder eben auch die Sorabistik. Sie vermitteln Kultur und Geschichte, die nicht verlorengehen darf." Diese Studienfächer hätten meist aber auch nur wenige Studierende, die wüssten, worauf sie sich einlassen. "Da interessiert sich eben jemand für eine besondere Kultur - und weiß in der Regel auch, wo er später damit arbeiten kann", sagt Wilcke. Wie etwa die Sorabistik-Absolventen an Schulen, denn die Sorben in Deutschland haben Anspruch auf entsprechenden Sprachunterricht.

Vorsicht ist laut Karin Wilcke bei vielen BWL-Studiengängen mit schicken Namen wie "Retail and Luxury Management" oder "Cruise Tourism Management" geboten. "Was macht man, wenn man dann gerade keinen Job bei einem Kreuzfahrtunternehmen bekommt? Besser: BWL studieren, sich breit aufstellen, und Praktika in der Branche machen, in der man arbeiten möchte." Wichtig sei auch, genau zu schauen, was sich hinter einem exotischen Namen verberge. "Der Studiengang Alte Welt in Halle beispielsweise behandelt alte Sprachen - der gleiche Studiengang in Würzburg behandelt alte Geschichte." Hier ein Überblick über einige besondere Studiengänge aus Deutschland.

Space Master Das könnte auch der Name eines neuen Science-Fiction-Spiels sein. Tatsächlich verbirgt sich hinter "Space Master" aber ein europäischer Elite-Studiengang für Weltrauminteressierte an der Uni Würzburg. Auf dem Stundenplan stehen nicht nur Planetologie, Robotik und Sensorik, sondern auch Astrophysik und Raumschiff-Bau. Der Studiengang dauert zwei Jahre. Die Studenten - für die es keinen NC sondern ein Auswahlverfahren mit Bewerbungsgespräch gibt - verbringen viel Zeit im Ausland. Etwa am "Space Campus" im schwedischen Kiruna oder an weiteren Universitäten in Europa, Asien und Amerika, die zur Auswahl stehen. Wer das Studium erfolgreich abschließt, führt den Titel "Space Master". Der hört sich nicht nur toll an, er soll auch viele Türen öffnen. Das Einsatzspektrum der Absolventen reicht von der Weltraumforschung über die Raumfahrttechnik bis zur Automobilindustrie.

Edelstein und Schmuck "Master of Fine Arts in Gemstone and Jewellery" darf sich nennen, wer an der Hochschule Trier den englischsprachigen Studiengang Edelstein und Schmuck absolviert hat. Einen entsprechenden Bachelorstudiengang (dann auf Deutsch) gibt es auch. Die Studenten fertigen in erster Linie nach eigenen Ideen und Entwürfen selbst Schmuckstücke an - und lernen eben auch, mit dem Rohmaterial umzugehen, etwa, wie man Edelsteine schleift. Nach dem Studium sind die Absolventen meist selbstständig und arbeiten in ihrem eigenen Atelier.

Sorabistik Dieser Studiengang hat echten Exotenstatus, denn die Sorabistik gibt es nur ein einziges Mal auf der Welt, nämlich an der Uni Leipzig. Dort lernen Studenten in sechs Semestern die sorbische Literatur, Geschichte und Kultur kennen. Vor allem aber geht es um die Sprachen dieser slawischen Minderheit, Seminare und Vorlesungen sind ab dem dritten Semester auf Sorbisch. Die Sorben sind eine der vier in Deutschland anerkannten Minderheiten - ihre Heimat ist die brandenburgische Niederlausitz und die sächsische Oberlausitz, rund 20.000 bis 40.000 Menschen sprechen heute sorbisch. Am Leipziger Institut, das seit 1951 besteht, lernen rund 25 Studenten. Sie arbeiten später als Lehrer an Schulen oder an Kulturinstituten.

Brauwesen "Hefe- und Biertechnologie", "Alkoholfreie Getränke und Mischgetränke", "Sensorische Analyse der Lebensmittel" - diese Seminare kann belegen, wer Brauwesen und Getränketechnologie an der TU München studiert. Hauptbestandteil des Bachelorstudiums sind aber Betriebswirtschaft, Naturwissenschaften (vor allem Chemie) und Maschinenbau. Absolventen sollen die Abläufe der Produktion und Qualitätssicherung organisieren können, die Prozesse der Getränkeherstellung verfahrenstechnisch, technologisch, biologisch und biochemisch verstehen und überwachen sowie die allgemeine Betriebstechnik und die Abfüll- und Verpackungstechnik beherrschen. Als "Braumeister" kann man dann in Brauereien, Mälzereien, in der Getränkeindustrie oder in der Forschung arbeiten.

Gamedesign Es ist das Traumstudium für alle, die jede freie Minute spielend vor dem Computer oder mit dem Smartphone verbringen: Gamedesigner sind Schöpfer von virtuellen Realitäten. Ob Ego-Shooter, Adventure- oder Strategiespiele - die Absolventen des Studiengangs an der privaten Mediadesign Hochschule mit Standorten in Berlin, Düsseldorf und München sind Drehbuchautoren, Regisseure und Gestalter. Das Studium Gamedesign vermittelt in sieben Semestern Grafik-, 3D- und Programmier-Fertigkeiten. Am Ende steht die Programmierung eines komplexen Echtzeit-3D-Spiels.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Bier statt Bio und BWL


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.