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Krefeld
Der Zwei-Städte-Abschluss

Krefeld: Der Zwei-Städte-Abschluss
An diesen beiden Hochschulen können Studierende einen doppelten Abschluss machen: im chinesischen Shanghai (links) und im niederrheinischen Krefeld. FOTO: dpa
Krefeld. Doppelabschlüsse werden hierzulande immer beliebter - dank der Kooperationen mit Universitäten in Frankreich, China oder Finnland. Von Isabelle de Bortoli

So viele Anmeldungen wie noch nie konnte die Hochschule Niederrhein zum Wintersemester für ihren deutsch-französischen Bachelor-Studiengang Internationales Marketing verzeichnen. Das Besondere: Die Studierenden machen einen Doppelabschluss in Mönchengladbach und im französischen Colmar. "Unsere Studierenden scheinen verstärkt die Möglichkeit des internationalen Studiengangs mit Doppelgraduierung nutzen zu wollen, um etwas Besonderes zu tun und sich dadurch von ihren Kommilitonen abzusetzen", sagt Professor Rüdiger Hamm, der das Programm seit 1999 betreut. "Das ist gerade in einem Massenstudiengang wie BWL ein wichtiges Motiv." Doch wie funktioniert ein Doppelabschluss? Was muss man mitbringen? Und wie profitiert man?

Was bedeutet Doppelabschluss?

Man erwirbt einen deutschen Abschluss - etwa den Bachelor oder Master - und eben auch den entsprechenden ausländischen Grad. Das unterscheidet die Studiengänge von solchen mit integrierten Auslandssemestern, bei denen man aber eben keinen Abschluss der Partnerhochschule erhält. Zumeist wird das letzte Studienjahr an der Partnerhochschule absolviert. Bei erfolgreichem Abschluss aller Prüfungen erhält der Absolvent die Urkunde beider Hochschulen.

Welche Angebote gibt es in der Region?

Zusätzlich zum deutsch-französischen Bachelor Internationales Marketing bietet die Hochschule Niederrhein auch den entsprechenden Master. Zudem gibt es dort auch den Mechatronik-Bachelor in Kooperation mit der chinesisch-deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften der Tongji-University Shanghai. Unterrichtssprache ist Englisch. Ebenfalls mit Shanghai gibt es eine Kooperation im Fach Wirtschaftsingenieurwesen; mit der chinesischen Hochschule in Tianjin ist ein Doppelabschluss im Fach Textile and Clothing Management möglich. Einen Abschluss der finnischen Häme University of Applied Sciences in Valkeakoski erhalten Studenten der Hochschule Niederrhein im Fach Betriebswirtschaft, Studienrichtung International Business. Auch dort ist die Unterrichtssprache Englisch. Die Juristische Fakultät der Uni Düsseldorf bietet gemeinsam mit der Université de Cergy-Pontoise einen integrierten deutsch-französischen Studienkursus, der in drei Jahren zu einem Doppelabschluss im deutschen und französischen Recht führt. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Köln bietet verschiedene englischsprachige Double Master-Programme an. Etwa mit "Business Administration" in Indien oder auch in Polen sowie in "European Studies" mit der Universität von Maastricht.

Wie läuft das Studium ab?

"Das Studienprogramm sieht für die deutschen und französischen Studierenden den gemeinsamen Start in Mönchengladbach an der Hochschule Niederrhein vor", erklärt Margot Timmer, Leiterin des dortigen International Office exemplarisch den Ablauf. "Nach den ersten beiden Studienjahren wechseln sie nach Colmar, wo sie das fünfte und sechste Semester ebenfalls gemeinsam absolvieren." Deutsche und Franzosen studieren somit das gesamte Programm gemeinsam. Studiensprachen sind Deutsch in Mönchengladbach und Französisch in Colmar. Das Besondere an dem zweisprachigen Studienprogramm: Es wird durch die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) gefördert. "Unsere Studierenden erhalten also während ihres einjährigen Auslandsaufenthalts 270 Euro monatlich", so Margot Timmer. "Das ist ein großer Vorteil. Zudem ist das Curriculum von beiden Seiten festgelegt und anerkannt. Man muss sich keine Sorgen darüber machen, ob bestimmte Kurse anerkannt werden." Finanzielle Förderungen gibt es für andere Studiengänge aus diversen Stipendien, wie dem Erasmus- oder dem Promos-Programm.

Welche Anforderungen muss ich erfüllen?

Für alle Doppelabschluss-Angebote gilt: Die Sprachkenntnisse müssen sehr gut sein. Wer beispielsweise nach Frankreich geht, muss über Französisch-Kenntnisse mindestens auf B2-Niveau verfügen. Auch sollte man natürlich offen für andere Kulturen sein.

Welche Vorteile habe ich?

Wer schließlich einen internationalen Doppelabschluss erwirbt, ist später für die Arbeitsmärkte in beiden Ländern hoch attraktiv, betont Margot Timmer.

"Denn die Abschlussarbeiten werden meist bei Unternehmen im Ausland geschrieben. Man lernt also, wie ein Unternehmen im jeweiligen Land tickt, kennt die Mentalitäten, wie etwa den dortigen Umgang mit Hierarchien. Gerade im asiatischen Raum gibt es einen sehr großen mentalen Unterschied zu der hiesigen Geschäftswelt - und wer das alles schon seit seinem Studium kennt, macht sich für internationale Unternehmen natürlich sehr interessant."

Der ausländische Abschluss beweise darüber hinaus eindrücklich und stärker als ein Auslandssemester, dass man in dem jeweiligen Land studiert habe und darum auch die Sprache des Landes fließend beherrsche.

Quelle: RP
 
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