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Düsseldorf
Die elf Exzellenten

Düsseldorf. Die "Exzellenzstrategie" ist beschlossen: Für die deutschen Elite-Unis beginnt der Wettbewerb um die Millionen. Von Jessica Balleer

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel vor wenigen Wochen schließlich die frohe Botschaft verkünden konnte, lagen harte Verhandlungen mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer hinter ihr. Nun aber ist klar: Die neue Hochschul-Eliteförderung ist beschlossene Sache. Die sogenannte "Exzellenzstrategie" sieht unter anderem vor, ab 2019 elf Hochschulen in Deutschland für einen siebenjährigen Zeitraum mit zusammen 533 Millionen Euro pro Jahr als "Exzellenz-Universitäten" zu fördern. Die "Exzellenzstrategie" ist der Nachfolger der 2006 gestarteten, bisher 4,6 Milliarden Euro teuren "Exzellenzinitiative". Bis 2028 sollen nochmals etwa fünf Milliarden Euro investiert werden. Zwei Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen versuchen im neuen Bewerbungsverfahren, ihren Status zu verteidigen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Wissenschaftsrat und die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern entschieden 2012 in Bonn, dass es ein Club der besten Elf werden wird. Bereits vorher galten die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Uni Konstanz und die Freie Universität Berlin als "Exzellenz-Universitäten". Neu aufgenommen in den Kreis der Besten wurden die Humboldt-Universität Berlin, die Technische Universität Dresden sowie die Unis Bremen, Köln und Tübingen.

Zwei Förderlinien soll es laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) künftig geben: bis zu 50 "Exzellenz-Cluster", spezielle Forschungskomplexe, für die 385 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen; und acht bis elf "Exzellenz-Universitäten", die insgesamt mit gut 140 Millionen Euro gefördert werden.

Fertigmachen für den Startschuss, lautet der Aufruf an vielen Hochschulen der Bundesrepublik. Als Anreiz bringt Experten-Kommissionschef Dieter Imboden die neue jährliche "Exzellenzprämie" ins Spiel - je 15 Millionen Euro für die besten Unis. Die Universität zu Köln wird sich erneut stellen. "Die Bewerbungsphase wird herausfordernd, aber wir sind gut aufgestellt", sagt Sprecher Patrick Honecker. Eine Systematik bestimmt das Auswahlverfahren. Zunächst werden sogenannte Cluster-Anträge gestellt, danach bewerben sich die Universitäten mit eigenen Zukunftskonzepten. Im Herbst 2017 fällt die erste Entscheidung über ein Weiterkommen. "Wir haben als Institution zwei besondere Cluster: die Pflanzenforschung und die Alternsforschung, mit mehr als 500 Wissenschaftlern", sagt Honecker von der Uni Köln. Zudem umfasse das Zukunftskonzept sieben Maßnahmen, mit denen die Uni auch langfristig international als führende Hochschule mithalten solle.

Die "Exzellenz" dürfen Hochschulen im Namen tragen, die den Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung vorantreiben und den Nachweis herausragender wissenschaftlicher Leistungen im internationalen Maßstab erbringen. In diesem Fall gibt es die Förderung. Dem Wettbewerb um die Millionen stellt sich auch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen erneut. Die Exzellenzcluster an der RWTH wurden in den Bereichen "Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer" und "Maßgeschneiderte Kraftstoffe aus Biomasse" etabliert.

Um auch kleineren Universitäten die Chance auf eine Förderung zu bewahren, plant Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, bald ein weiteres Förderprogramm aufzulegen, das sich an kleinere Universitäten und auch Fachhochschulen richten soll. Deutschland habe neben der Exzellenz "eine reiche Hochschullandschaft mit vielen Leistungen auf anderen Gebieten", sagte die Bildungsministerin der dpa. Deswegen wolle sie eine weitere Fördermöglichkeit entwickeln.

Deutschlands Hochschulen sollten auf Augenhöhe mit den Besten stehen, heißt es auch seitens der Kommission der Exzellenzstrategie. Die Hochschulen selbst aber warnen vor zu hohen Erwartungen. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, sagt: "Für den Vergleich mit großen US-Hochschulen reicht das Geld hinten und vorne nicht."

Quelle: RP
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