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Duales Studium - das sind die Vor- und Nachteile dieser Studiengänge
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Düsseldorf. Duale Studiengänge werden immer beliebter. Wir haben Vor- und Nachteile zusammengestellt. Von Isabelle de Bortoli

Berufserfahrung sammeln und gleichzeitig studieren: Diese Kombination wird immer beliebter - und zwar bei Studierenden, Unternehmen und Hochschulen gleichermaßen. Das geht aus Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Im Jahr 2016 gab es demnach 1592 duale Studiengänge in Deutschland mit mehr als 4000 kooperierenden Unternehmen und erstmals mehr als 100.000 Studierenden. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag die Zahl der Studierenden bei rund 43.500 und die Zahl der dualen Studiengänge bei knapp 600.

Der Vorteil des dualen Studiums: "Man hat einen direkten Theorie-Praxis-Transfer, hohen Praxisbezug und mindestens zwei Abschlüsse in meist drei bis fünf Jahren", sagt Silvia Hofmann, beim BIBB Projektsprecherin des Fachportals fürs duale Studium "AusbildungPlus". "Die Job- und Übernahmechancen sind zudem sehr gut."

In der Region findet man einige Varianten des dualen Studiums. Die klassische Form, also eine Kombination aus Berufsausbildung und Studium, bietet die Hochschule Niederrhein. Dort wurde das duale Studium im Jahr 1982 quasi erfunden - und zwar unter dem Namen "Kooperative Ingenieurausbildung (KIA)". Damals gab es duale Angebote vor allem im Maschinenbau oder in der Elektrotechnik, verbunden mit einer Ausbildung etwa als Industriemechaniker, Mechatroniker oder Elektriker. Heute bietet die Hochschule Niederrhein das duale Studium auch in Fächern wie Pflege, Health Care Management, Banking and Finance oder Chemie und Biotechnologie.

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Vor allem Fachhochschulen bieten das duale Studium an, so auch die Hochschule Düsseldorf, die etwa mit dem Studiengang "Taxation" auf angehende Steuerberater abzielt. Das Modell ist dort das gleiche wie in Krefeld und Mönchengladbach: Zwei Tage in der Woche verbringen die Studenten an der Hochschule, zwei im Unternehmen. Hinzu kommt die Berufsschule. In Düsseldorf und an der Hochschule Niederrhein kooperieren große Unternehmen wie Henkel oder Bayer genauso mit der Hochschule wie Mittelständler und Handwerksbetriebe aus der Region. Eine der wenigen Universitäten, die ein klassisches duales Studium anbieten, ist die Uni Köln. Seit diesem Wintersemester kann man dort den Bachelor "Klinische Pflege" studieren, verbunden mit einer Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger.

Ein weiterer Vorteil des dualen Studiums ist die Bezahlung. Schließlich bekommt man für die geleistete Arbeit Geld. "Die Unternehmen wiederum profitieren von einer zeitigen Bindung von sehr guten Nachwuchskräften, die zudem über ein hohes Maß an Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz verfügen", sagt Silvia Hofmann. Zudem sind sie erfahren in der Arbeit im Team und haben ihre Belastbarkeit bereits unter Beweis gestellt. Dies bringt allerdings auch einen Nachteil mit sich: Für ein typisches Studentenleben bleibt im dualen Studium meist wenig Zeit. Grundsätzlich ist das duale Studium ein Angebot für alle, denen reine Theorie an den Hochschulen zu wenig ist und die ohne Zeitverlust Karriere in einem Unternehmen machen möchten. Dafür muss man sich übrigens frühzeitig bewerben - meist schon ein Jahr vor Studienbeginn.

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Eine andere Möglichkeit der Verbindung von Theorie und Praxis ist unter dem Namen duales Studium ebenfalls geläufig: Es verbindet ein wissenschaftliches Studium mit regelmäßigen Praxisphasen im Unternehmen ohne begleitende Berufsausbildung und nennt sich deshalb "praxisintegriert". Ein solches Modell bietet etwa die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Mettmann an. Dort kann man beispielsweise Betriebswirtschaft, International Business, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsrecht dual studieren. Die Studiengänge beinhalten den Wechsel von Theoriequartalen an der FHDW und Praxisquartalen in Unternehmen. Dabei entscheidet der Studierende selbst, ob er ein festes Partnerunternehmen für die Dauer von drei Jahren wählt oder verschiedene Unternehmen kennenlernen möchte.

Eine weitere Variante des dualen Studiums bietet die IST Hochschule in Düsseldorf. Dort kann man eine Ausbildung parallel zu einem Fernstudium machen. Neu ist der Bachelor Business Administration, außerdem sind unter anderem Fitnesswissenschaft, Tourismus Management und Sportbusiness Management im Angebot. Studiert wird über Online-Studienhefte und Online-Tutorien - so ist der Praxisanteil im Ausbildungsbetrieb hoch. Das Studium an der IST kostet Gebühren - diese übernimmt laut IST aber meist der Ausbildungsbetrieb.

Die mit Abstand beliebtesten Fachrichtungen sind laut BIBB übrigens das Ingenieurwesen und die Wirtschaftswissenschaften: Auf sie entfallen jeweils ein gutes Drittel der dualen Studiengänge (38 und 34 Prozent). In anderen Fachrichtungen wie Informatik oder Gesundheit und Pflege sind in den vergangenen Jahren aber zahlreiche duale Studiengänge neu entstanden. Gleiches gilt auf niedrigem Niveau für Fachrichtungen wie Wirtschafts- und Gesellschaftslehre oder Verkehrstechnik.

Viele interessante Infos zu den Unis in NRW gibt es übrigens hier.

Quelle: RP
 
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