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Kolumne Studentenleben
Durchhalten, Mathe-Erstis!

Wer bis zum Nikolaustag durchhält, hat es geschafft. Das ist die Devise, die alte Hasen den jungen Ersti-Häschen mit in ihr erstes Fachsemester Mathematik geben. Auch nach diesem Stichtag brechen noch einige ihr Studium ab. Die Mehrzahl der Studienabbrecher verlässt allerdings schon in den ersten Studienwochen für immer das Mathegebäude. Abbruchgrund Nummer eins sind dabei aus meiner Sicht erstaunlich realitätsferne Erwartungen. Nur gute Noten im Mathe-Leistungskurs reichen aus, um auch im Studium die Einsen magisch anzuziehen?

Bei solchen Aussagen verschlucke ich mich als mittelalter Hase fast am Mensaessen. Dabei warnt die Umwelt den werdenden Mathematikstudenten doch eigentlich ausreichend vor: Aus den mimischen Reaktionen auf den Studienwunsch Mathematik hätte ich eine gruselige Bildergalerie zusammenstellen können. Der dazu passende Standardspruch: "Mathe soll aber sehr schwer sein." Bei der Masse an derartigen, wenn auch selten fachkundigen Reaktionen, sollte man seine Erwartungen vielleicht doch heruntersetzen. Ganz herunterschrauben muss man sie dann aber auch nicht. Es ist zwar praktisch, mit niedrigen Erwartungen an das Studium heranzutreten, aber oft nervig für die Umwelt. Denn wenn es nicht so ideal wie erwartet läuft, zieht sich der ein oder andere Studienanfänger gerne mit seinem Lieblingssatz aus der Affäre: "Ich wollte das hier eh nur mal ausprobieren." Auf diesen Typus treffe ich zwar bei Mathe selten, aber umso häufiger läuft er mir in anderen Fächern über den Weg. Seine Studienfächer wählt er offenbar mittels Zufallsprinzip aus. Anders lässt sich seine demotivierte Haltung jedenfalls kaum erklären. Damit rückt er nicht nur sich selbst in ein schlechtes Licht, sondern auch andere - nämlich diejenigen, die zwar ebenfalls unsicher in der Studienwahl sind, aber sicher darin, ihrer Wahl eine ernst gemeinte Chance zu geben. Denn das Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall. Aber bitte mit einer gewissen Grundüberzeugung. Und wenn sie nur bis zum Nikolaustag reicht.

Quelle: RP
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