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Gütersloh
Fast 50.000 studieren ohne Abi in Deutschland

Gütersloh. Gut 50.000 der 2,7 Millionen Studierenden in Deutschland haben kein Abitur. Diese "Schallmauer" wurde nach aktuellen Berechnungen im vorigen Jahr durchbrochen, nachdem sich die Zahl der Studenten ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife zwischen 2010 und 2014 schon auf 49.800 verdoppelt hatte. Wie das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) mitteilte, steigt die Nachfrage nach einem Studium ohne Abi seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich. Von Werner Herpell

Voraussetzung für die Bewerbung um einen Studienplatz ohne Hochschul- oder Fachhochschulreife ist zumindest eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie der Nachweis entsprechender Berufserfahrung. Interessierten stehen bundesweit knapp 7000 Studienangebote offen.

Die Zahl der Erstsemester ohne Hochschulzugangsberechtigung erreichte 2014 mit 14.000 ebenfalls einen neuen Rekord. Nach Angaben des bei der Bertelsmann-Stiftung angesiedelten CHE entsprach dies einem Gesamtanteil an den Studienanfängern von 2,8 Prozent.

Einen Boom gab es bei der Zahl der beruflich Qualifizierten, die ein Studium erfolgreich abschlossen - sie kletterte im Vergleich zu 2013 um rund 1000 auf 5300 (plus 22 Prozent). "Vor allem Fachhochschulen haben sich für beruflich Qualifizierte geöffnet", sagte CHE-Expertin Sigrun Nickel. Bei der Fächerwahl etwa entschied sich jedes zweite Erstsemester ohne Abi für einen Studienplatz im Bereich Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Neben Menschen ohne Abi drängen nach CHE-Daten "Teilzeit-Studenten" in die Hörsäle. Doch wer - etwa aus familiären Gründen oder beruflichen Verpflichtungen - eine Alternative zum Vollzeit-Studium sucht, hat nur begrenzte Auswahl: Aktuell können bundesweit 10,6 Prozent aller Studiengänge in Teilzeit studiert werden. Die rund 170.000 Teilzeit-Studierenden zieht es an private Hochschulen.

Die Angebote unterscheiden sich erheblich: Den höchsten Anteil an Teilzeit-Studiengängen im Wintersemester 2015/16 gibt es im Saarland mit 64 Prozent. Dahinter liegen Hamburg mit 42,6 Prozent und Brandenburg, wo jeder dritte Studiengang in Teilzeit studiert werden kann. Neun Länder haben eine Quote unter zehn Prozent.

CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Gruppe der Studierenden nicht nur größer wird, sondern auch heterogener. So anspruchsvoll es für die Hochschulen auch klingen mag: Studierende brauchen Angebote, die auf ihre individuelle Bildungsbiografie und Lebenssituation abgestimmt sind." Das könne ein zusätzliches Betreuungsangebot sein, "aber auch das Seminar nach 18 Uhr oder am Wochenende".

Einen Zuwachs gab es auch bei Studenten, die über Auslandsprogramme der Europäischen Union (Erasmus+) gefördert wurden. Nach Angaben der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD waren es 2014/2015 über 42.000 Studierende und Hochschulangehörige aus Deutschland - eine Steigerung um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

(dpa)
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