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Düsseldorf
FH darf Doktortitel vergeben

Düsseldorf. Eine Änderung des Promotionsrechts gibt Fachhochschulen mehr Rechte.

Doktoren kommen in Zukunft nicht mehr ausschließlich von Universitäten: Die Hochschule in Fulda hat als erste Fachhochschule in Deutschland ein eigenständiges Promotionsrecht erhalten.

Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) überreichte am Montag dem Hochschulpräsidenten Karim Khakzar die Urkunde für das dortige Promotionszentrum. Nach Angaben des Ministeriums ist die Hochschule Fulda damit die erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften, wie die Fachhochschulen jetzt offiziell heißen, die ihren Studierenden in Deutschland eigenständig den Doktortitel verleihen darf. Bisher war dies nur in Zusammenarbeit mit Universitäten möglich, über die das Promotionsverfahren dann lief.

Minister Rhein sprach von einem "wissenschaftspolitisch historischen Ereignis", das bundesweit ein Zeichen setze. "Es geht hier nicht um Eitelkeiten oder Prestige", fügte er hinzu. Das Promotionsrecht sei kein Angriff auf die Universitäten. Vielmehr erhoffe sich die Landesregierung eine Diskussion über die Weiterentwicklung des deutschen Hochschulsystems. Ende 2015 hatte die Konferenz hessischer Universitätspräsidien das Promotionsrecht für Fachhochschulen noch abgelehnt.

Das Promotionsrecht verleihe der Stimme dieser Hochschulart noch mehr Gewicht und werde die Diskussion über die Weiterentwicklung des deutschen Hochschulsystems maßgeblich beeinflussen.

Konkret bekommt die Hochschule Fulda das eigenständige Promotionsrecht für ihr Promotionszentrum Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Globalisierung, Europäische Integration und Interkulturalität verliehen. Studierende können dort zur Doktorin oder zum Doktor der Sozialwissenschaften (Dr. rer. soc.) promoviert werden. Rhein wies darauf hin, dass ausschließlich Fachrichtungen für eine Promotion in Frage kommen, die eine bestimmte Forschungsstärke nachgewiesen haben.

Die Hochschule Fulda erfülle jedoch alle Voraussetzungen: Statt der erforderlichen zwölf betreuten 15 forschungsstarke Professoren die Doktoranden. Diese hätten ihre Forschungsstärke nachgewiesen, indem sie innerhalb von drei Jahren die erforderlichen Drittmittel von mindestens 150.000 Euro eingeworben und mindestens drei von Experten geprüfte Publikationen in drei Jahren veröffentlicht hätten. Zudem habe die Hochschule Fulda in ihrer Promotionsordnung Regeln festgelegt, die den Prinzipien des Wissenschaftsrats zur "guten Promotion" folgten, also eine fortlaufende und kontinuierliche Qualitätssicherung gewährleisteten.

Die Bedeutung der Fachhochschule innerhalb des deutschen Bildungssystems wird verdeutlicht, wenn man die Statistik zur Anzahl der Bildungsinstitutionen im Bundesgebiet betrachtet. In Deutschland gibt es - Stand Wintersemester 2015/16 - 426 Hochschulen: Die klare Mehrheit davon, 215, sind Fachhochschulen, dazu kommen noch 30 Verwaltungsfachhochschulen. Bundesweit gibt es im Vergleich dazu lediglich 107 Universitäten. An dritter Stelle stehen die Kunsthochschulen, von denen es in Deutschland 52 gibt. Zudem bieten 16 theologische Hochschulen und sechs pädagogische Hochschulen über das ganze Land verteilt verschiedene Studiengänge für Abiturienten an.

(dpa/epd)
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