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Iglu-Studie veröffentlicht
Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen

Iglu-Studie 2017: Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen
Bis zum Ende der Grundschulzeit können Eltern die Lesefähigkeiten ihrer Kinder durch Vorlesen fördern (Archivbild). FOTO: Markus Scholz/dpa
Berlin. Immer mehr Kinder in Deutschland können beim Verlassen der Grundschule nicht richtig lesen. Dies zeigen die Ergebnisse der Internationalen Grundschulleseuntersuchung.

Seit 2001 ist der Anteil der Viertklässler mit einer nur rudimentären Lesefähigkeit demnach von 16,9 Prozent auf 18,9 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Im internationalen Vergleich ist Deutschland bei der Leseleistung der Grundschüler abgesunken, wie die am Dienstag in Berlin vorgestellte Internationale Grundschulleseuntersuchung (Iglu) zeigt.

Nach wie vor zeigt nur etwa jeder zehnte Grundschüler in Deutschland am Ende der vierten Klasse besonders starke Leseleistungen. 

Die Iglu untersucht im Fünfjahresabstand das Leseverständnis der Schüler und Lesegewohnheiten. Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt 47 Staaten teil. In Deutschland wurden knapp 4300 Schüler einbezogen.

Spitzenreiter Russland

Zeigten 2001 nur vier Länder signifikant höhere Mittelwerte bei den Leseleistungen als Deutschland, waren es 2016 bereits 20 Staaten. An der Spitze der Rangfolge stehen demnach Russland, Singapur und Hongkong.

Die deutschen Viertklässler erreichten 2016 bei den Leseleistungen einen Mittelwert von 537 Punkten. Im Vergleich zur ersten Erhebung von 2001 (539 Punkte) gab es keine Verbesserungen, aber auch keine Verschlechterungen.

Die deutschen Grundschüler liegen damit über dem internationalen Mittelwert von 521 Punkten. Im EU-Vergleich schneiden allerdings mehr als die Hälfte der Teilnehmer besser ab, darunter Länder wie Irland, Polen, Bulgarien und Italien.

Der Anteil der besonders leistungsstarken Leser, die die höchste Kompetenzstufe V erreichen, stieg in Deutschland von 8,6 Prozent im Jahr 2001 auf 11,1 Prozent in 2016. Diese Schüler verfügen über Lesekompetenzen, die es ihnen beispielsweise ermöglichen, im Text enthaltene Informationen zu ordnen sowie Aussagen selbständig interpretierend und kombinierend zu begründen.

Mädchen lesen besser

Zugleich erhöhte sich auch der Anteil der schwachen Leser. Im vergangenen Jahr erreichte knapp ein Fünftel (18,9 Prozent) nicht einmal die mittlere Kompetenzstufe III - nach 16,9 Prozent in 2001. Diese Kinder verfügen über ein nicht ausreichendes Leseniveau, so dass sie mit erheblichen Schwierigkeiten beim Lernen in höheren Klassen rechnen müssen.

Generell ist die Lesekompetenz der deutschen Grundschüler bei literarischen Texten höher als beim Lesen von Sachtexten. Der Leistungsvorsprung der Mädchen im Vergleich zu den Jungen beträgt elf Punkte und ist im internationalen Vergleich eher klein.

Bei der Lesekompetenz spielen auch soziale Faktoren eine Rolle. Gemessen an der Zahl der Bücher im Haushalt und dem Berufsstatus der Eltern gehört Deutschland zu den Staaten, in denen die sozialbedingten Leistungsunterschiede am höchsten ausfallen.

GEW fordert mehr Geld für Grundschulen

So macht der Leistungsvorsprung von Kindern aus Familien mit mehr als hundert Büchern 54 Punkte aus - und damit etwas mehr als ein Lernjahr. Auch Kinder mit Migrationshintergrund schneiden schlechter ab als die ohne.

"Lesen ist eine grundlegende Kulturtechnik und der Schlüssel zum Bildungserfolg", erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Baden-Württembergs Ressortchefin Susanne Eisenmann (CDU). Das Lesen müsse in der Schule weiter gestärkt werden, aber auch im Elternhaus wieder einen höheren Stellenwert erhalten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte deutlich mehr Geld für die Grundschulen und gezielte Leseförderprogramme. Zudem müssten die Ganztagsangebote ausgebaut werden. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, nannte es "peinlich", dass die Herkunft der Kinder maßgeblich über ihren Bildungserfolg entscheide.

(ate/afp/dpa)
 
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